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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 18 (1855) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
18 (1855)
Date
1855-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur Relehrung und Unterhaltung auf jüdischem Dekrete. Herauogegebea vo« Rabbiner Ar. Ludwig P^ilippfou itt Magdeburg. fRo. 18. 1855] Bon »Ufer Sriifirift erickeior *M><ntliA eint Xuniwrr. Prei» de« Iatk »an-» \ Ihlr. und ftifruiiahn« "V, Xpr. »Oe e>na>d«u»Nin-»n. *»H*win s 8?. 1 |«lun9*areMt<enrn n,b»«n •‘rO'OBitjKn an. •*>* Erziehe Deine Kinder jüdisch! XI. Kein jüdisLeS Herz kann ohne Wehmuth sehen, wie jüdisches Gesetz und jüdischer Brauch immer mehr auden Häusern schwindet; wie nicht bloS daS Mißbräuchliche. Veraltete, Abergläubische beseitigt wird, wie nicht bloS dem Drängen beS Lebens und ver jetzige» Verkehr-Verhältnisse nachgegebrn wird — sondern wie Alle», Alle»^ waS jüdifch-reliqtöseS Leben ist. waS da» häusliche und Familienleben mit der erhabenen Poesie, mit der Majestät de» Göttlichen, der Religion durchweht, dahin gegeben wird der religiösen Gleichgültigkeit, der Bequemlichkeit, der Seelenträgheit. dem Nichts. Wer unparteiisch prüft, dem kann eS nicht entgehen, daß hiermit zwar mehr Bildung der Form, mehr Geschmack und Theilnahme am Allgemeinen eingezogen ist, daß aber im Gegentheil die bewährtesten Tugenden de» jüdischen HaufeS und Leben» abnehmen und sich verstrichtigen. Wird diese äußere Bildung so viele glückliche Ehen, so viel Innigkeit de» Familienleben», s» viel Aufopferung», fähigkei» der Eltern und so viel Ehrfurcht der Kinder vor den Eltern, so viel Selbstbeherrschung und Vermeidung grober Laster, wie Trunksucht u. dgl.. so viel Keuschheit der Jugend^ und so viel geistige Regsamkeit im Alter ßewirken, soviel Barmherzigkeit und aufopfernde Hingebung an Zwecke der Menschenliebe betätigen, wie da» alte Zudenthum eS durch Jahrhunderte gethan?... Wirsehen auf die i» erschreckendem Maße wachsende Unfittlichkeit unsrer männlichen Jugend, auf den überhandnehmenden Hang zu Tand und Koketterie unsrer weiblichen Jugend, auf die sich steigernd« Geistlosigkeit zahlloser Glieder unsres DekenntniffeS, auf die in den großen Städten schon all» zuoft verkommende Entheiligung der Ehe, um nicht ohne große Bangigkeit in die Zukunft zu sehen.. Nun find wir zwar entftrnt davon, daSijüdische Formgesetz und feine Uebung al» die alleinige Quelle jener Tugenden auSgeben zu wollen. Wir haben Länderstriche, in welchen jene Tugenden trotz dem strengsten Festhalten an dem Gesetz durchaus nicht heimisch sind in den Häuser» der Juden, weil andere, höchst ungünstige Gegenwirkungen dort vorhanden sind. Aber in der großen jüdischen Masse war da» Gesetz der kräftigste Hebel für jene Vorzüge. Wir glauben auch durchaus nicht, daß, wo einmal *1» Kette deS Gesetze» gesprengt ist, wo Geist und Herz für dasselbe abgestorben, zum Buchstaben desselben wieder zurückgeführt werden kann. Wohl aber gilt e», Denjenigen einen Warnruf zuzuschicken, welche mitten auf »ent We« abwirt» noch begriffen find! Wollet. Ihr die Anhänglichkeit an-der Religio» Israel» und wolltt Ihr di» allen bewährten Tugenden de» jüdischen Hause» Euren Kindern und Enkeln vererbe» — so haltet mit jener Därme, Besonnenheit und Mäßigung, mit jener Weisheit und Lieb«^ die wir in der vorigen Nummer gezeichnet, vom Gesetze in Euren Häusern fest,; wa» Ihr vermögt. Warum wollet Zh!r. um Einige» anzusühren, jene weihende Segnung Eurer Kinder am Sabbath. Abend. jene Heiligung Eure» Brodel in derselben Stunde fallen lassend — Fühlet Ihr Euch etwa nicht mehr würdig zu segnen und zu heiligen . . . Warum wollet Ihr jene» schbue und erhebetzde Familienfest am Peßach-Abende aufgebe», welche» rinel-große Geschichte zu vollem Leben mitten irt die Familie virsetzt, warum umgebet Ihr jenen Abend de» Rausch Haschonu-Feste» nicht mit allem Glarye.der Bewegung und Bereinigung. welche die Herzen einander so nahe bringen?! Warum nicht jene Heimkehr au» dem Gottesbause nach vollendetem DersöhmingSfeste?^Wa,um zündet Ihr. am Elhanukka nicht mehr die Lichter der Erinnerung für die großen Helden unsre» Stammean. und verleget die in Rordveotschland wenigsten» auch bei den Juden immer «ehr eingeführte Weihnachritäesttzr^cung auf diesen' AbeNb, da ursprünglich diesem Feste wie dem Purim diese» Beschenken von Groß und Klein angehöne?' Warum lasset Ihr Euch die Fröhlichkeit de- Purim-Abmd» schwinden'? warum beginnt schon da» sorgfältige Beobachten der Jahresjeit für Eltern, da» Zünden de» Lichtlein« u. s. w. weniger streng zu werden?., und wa» könnte nicht AAe» chitt ausgefühn werden von Satzungen und Bräuchen, welche Dir tzar kein Opfer, sondern nur Gewinn an frommem Sinn und Familienglück bringen! Aber noch Eine» und sehr- Bedeutende» habe ich hervorzubeben — da» ist: warum läßt Du da» Geber in Deinem Hause verstummen? warum kennest Du gar keine» Moment der Weihe und Andacht, de» Danke» und der Bitte mehr in Deinem Hause? . . Die drei Leidenschaften. Erzählung von LudwigSchragge. (Bottfctun«.) i III. ' ' ' | Der höchste Schritt. Don,dieser Zeit an folgte.da» Gli«rven Schritten der Söhne de» Rabbi Meir aus Cordova. >

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