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Jüdisches Volksblatt · 1855-01-01 · 17 (1855) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
17 (1855)
Date
1855-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung und Unlerhattung aus jüdischem ^eüiete. Herau-gegrbtu von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. ' / v i - . i Bon dieser 3*iMfrnft ersibeivt »öLevtt,» ,j,e «»»»er. f rer* m Ivdrr a 1 n . . , — ■ IJlMig, 2.®aartil.] xm 4nes 1 Bon dieser Z«iisS>r,fr ersibeiiit »öLevtlio ei»e Nu«i»er. Brei« de« Ivvrr a lyCO. 17. lnau.l »angd » »dir. virrteliädri, 7'/, B«r. »I« Bua>dankluostr«. tBo«ö»>rr >2 L*«-v« i l ♦ J oo» Lt.ian-etxrrdixone» »rd»r, B.»r0»n»e, l Erziehe Deine Kinder jüdisch! X. ES ist ein alteS Sprichwort bei uns ^udm: „Zeder dar seine» eignen Echulchan-Aruch;" aber unsre Väter baden eS sich schwerlich träumen lassen, in welcher äußert ordentlichen Mannichfaltigkett diese- Sprichwqrt in unsrer Leit ein wahre- Wort werden würde. Aber befragen wir. statt allen Streite-, die Erfahrung, so sehen .wir, daß gerade die Kinder der Eltern, welche die Erfüllung aller Satzungen und Gebräuche mit eiserner Strenge in ihrem Hause von den Ihrigen forderten, und über ihre buchstäbliche Befolgung mit Schrecken und Furcht wachten, meist am weitesten von den Wegen ihrer Eltern abweichen, und daganze jüdische Gesetz, sobald ste evermögen, von sich werfen. Hingegen lehrt dieselbe Erfahrung, daß, wo eine liebevolle Anhänglichkeit an dem jüdischen Gesetz noch verbanden, diese bei Personen sich findet^ die im Angedenken an ihre frommen. Gott erfüllten, und mild lehrenden Eltern, nch an bre Beobachtung de» Gesetzean die gleiche Au-fübrunq der jüdischen Gebrauche voll religiösen Geistegefesselt fühlen. «' Wir müssen es daher den jüdischen Eltern zurufen: Eist unsrer Zeit nickt mehr gegeben, unsre Zugend durch die bloße Furch» und durch unbedingte Herrschaft de- Buchstaben an ein Leben nach altjübischem Gesetz zu binden; vielmehr kommt Alledarauf an. im Hause einen echt religiösen Geist wehen zu lassen, durch Gemüthlich» keit. Weihe, und Bedeutsamkeit die Eere^onien der Jugend werth zu machen, daß frühzeitig alle schönen Stunden de- Familienlebensich an Fest, Sabbalh und religiöse' Eeremonie knüpfen, damit sie bis in die spätesten Zahre nach diesen, wie nach blühenden Inseln de- Meere-, nach blumen- und schattenreichen Oasen der Wüste blicken, und von dem Drange nicht verlassen werden, auch ihren Kindern ein gleiche» Erbtheil zu überweisen. Wir müssen frühzeitig der Zugend die Bedeutung de- Gesetzeerschließen, eihnen al» die Bethätigung der religiösen Lehre klar machen, und .in, seinem Zusammenhang, mit der Erkenntniß, der Geschichte und dem Berufe de- Zu« denthumeerweisen. Man wird un» einwenden, daß hierzu Wissen und Befähigung nothwendig ffi. Allein dieses Wiffen soll auch jeder Zube besitzen, und kann bei der großen Menge von Hülf-wttteln in unsrer Zeit leicht erworben werden; die Vesähiguag aber giebt da- Herz, und eist überhaupt hier von nicht- Künstlichem die Rede, sondern wie flch Alleunter der Einwirkung dereligiösen Gefühl- und der Liebe von selbst macht. 3a, die Religion muß ernst genommen werden, aber > nicht Furcht erregend; sie muff-^würdig flch darstellen,, aber nicht geschmacklos) sie mich.ioll Geistesein und ''Darum lebendig, nicht aber eine'bltzße Beugung unter den Buchstaben. * Dieist da- Won, welchechit an diejenigen Eltern zu richten haben, welche noch getreu dem Gesetze de- Zu» dentbumleben: nun ein anbkreaw die entgegengesetzte Seite. Einige AWrlHümer. Zn diesen Tagen erschien v^7vk rmöc: von Herrn Dr. L. Lewysohn, 60 Grabschkjften 7 alter Grabsteine deifraelttlschen Friedhöfezu W^rmj^vom Zähre 905 der gewöhn!. Zeiir. an enthaltendu»d beschreibend. Wir heben Eine hervor, welche «unreine Thatsache sich bezieht, die erweist, daß sich di« ZudeK7«cht-nn«er wehrlos haben hinschlachten lassen im Mittelalchx. Zn der Hälfte der Mau/r^melche die Südseite de- Friedhof» umgiebt. ist ein kleiner Htem eingemaueri, einfach mit der Inschrift: AIS man bei der jetzt begonnenen Renovation den Mhrtri rings um diesen Stein zabgeichlagen, erblickte man einen zweiten viereckigen, ist Mduer sich befindlichen von weit böberear Alter: > ' Diese Steine bezeichnen dje Grabstätte der zwölf Vorsteher. die flch selbst den Mänvrer^d gegeben. Da-Factum ist folgend,- gewesen: 4 -- 3m Zahre 1096 sollten sämmtliche Juden in Wonns getödtet werden, da chegaben flch die zwölf Vorsteher der Gemeinde, welche mit Waffen^ Mt ste unter dea Kleider» verborgen hielten» versehen Batet»; auf das Stadthaus und fleheten di« versammelten Rathshere» u» Schonung »nd Erbarmen an. Die Bitten verhallet jedoch spurlos und

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