Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1854-1855)
- Issue
- 15 (1855)
- Date
- 1855-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4908862-5999336-6000669--0395-4909145- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Jüdisches Boiksblatt i. Belehrung und Anteehuttung aus,jüdischem ssebiete. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. 4— i von einer aeuimnr mmeim wtxrenntai eine »uginti. *iet» re» .wbtr ä ä , ' i , . - sNo. 15. 1855.] *■«»<' *«-•,ää'- [2.Zahrg. 2 fflnjirtflL] Bon dieser Zeitschrift elfAetat wöchentlich eine Numwer. Preis tel Anbr Erziehe Deine Kinder jüdisch! VIII. Wir haben als die erste Bedingung einer jüdischen Erziehung den Unterricht in der Religion deS ZudenthumS, einen sorgfältigen und voll Achtung gewürdigten Unterricht, ausgestellt. Was will aber aller Unterricht bedeuten, wenn nicht die wirkliche Erziehung, wenn nicht daS Leben in der Familie und im Hause in allen Beziehungen diesem Unterrichte entspricht, und der Geist, den daS Kind hier findet, der ihm von der Mutterbrufl biS zur Entlassung auS dem elterlichen Haufe zuwebet. nicht derselbe ist, welcher im Unterrichte seine Begriffe zu klaren und sein Herz zu bilden suchte! Der Widerspruch zwischen Schule und Hau-, zwischen Unterricht und Leben, ist der Scheiterhaufen, auf welchem Alle-, wader befähigteste und gewissenhafteste Lehrer schafft und weckt, in dunkle Flamme und schwarzen Rauch aufgeht. Daß also die Erziehung im Hause eine jüdische sei, daist daS unumgänglichste Erforderniß, um auch den Unterricht segensreich, in feinen. Wirkungen nachhaltig zu machen. Man hört jetzt sehr häufig: „waS hilft der beste, geordnetste, eindringlichste Religionsunterricht — es geben auS ibm doch keine religiäsen Menschen hervor, und die alten Ehedarim haben in dev Thal mehr geleistet!" Aber man vergißt, daß die häusliche Erziehung meist so antijüdisch, im besten Falle so religionslos ist, »aß einige Stunden wöchentlich nur ein dürftige- Gegengift zu sein vermögen; ein Schritt audem Unterricht-zimmer und daS Leben ringsum macht Alle» vergessen und diese wenigen Stunden kaum bizum dreizehnter»! Zfihre— dann ein wüste», zerstreuende-, materielle- Leben, von Eltern, Lehrherrn oder Studien fast gewaltsam jeder religiöse Gedanke oder jede Erinnerung an die Religion zurkickge» drängt .... und da will man dem Religionsunterrichte den Mangel an religiösen Menschen zuschreiben?! Rein, die Erziehung im Hause muß eine jüdische sein! . . . Die drei Leidenschaften. Erzählung von Ludwig Schragge. I. Ich führe Dich heute, »ein Leser, in ein Sterbezimmer. Hast Du schon jemals in einem Sterbezi»mer gestanden, und jene drei großen Zeiten nutdurchlebt, wo der Kampf entschieden z^»r Niederlage sich neigen und dann der Todeskawpf fich abipinnt, und bann der Leben-ödem zum letzten Male über die Lippe geht ... . jene drei großnr . Zeiten, wo zuerst dir Angst, dann der Schrecken und endlich da- Web der Trnivung unsere ^Seele erfüllt ... GebunSzimmer und Skerbezimmer, »«/find zwei heilige Räume, es wird darin der Geist Kewahr, der briägt, und der Geist, der abruft; ntetnand wer darinnen ist, . kann bezweifeln. baß der Mensch, der" geboren worden, von irgendwo gekommen, «nd der Mensch, der da stirbt, irgendwo hingeht— ja, hier haltrn^wir uns überzeugt, daß daS Leben auf Erden nur ein «»geschobene- Stück Dasein ist. eine Zwischenscene voll Bedeutung,, die aber ihre Deutung erst auS dem Vorspiel Und dem Nachspiel erhalten kann ... - Zn ein Sterbezimruer firhre ich Dich, Lew Leser, und^ eS liegt darin zum Sterben, einer jener Menschen, welche von der göttlichen Dorsehuckg Alles erhalten haben, aber — ohne rl anwenden unb geniesten zu so/lert. welche, innerlich Riesen, äußerlich Zwerge blieb»,.' wtlche, mit außer- _ ordentlichem Geiste begabt, durch die-Derstrickung der Um-^^ stände, eS zu gar nichtgebracht,'weder an Werken noch am Wirken. Wie oft /ragen wir ÄnS> Wozu nun diest - Vergeudung von Kräften, welche ungenutzt und unangewender blieben? WaS iss im großest,Reiche GotteS groß oder klein . . . waS Vergeudung öder Anwendung . . . wenn ein unsterblicher Geist da- B/toüßtsew erkämpft, seinen eigenen Kräften entsagen zu «üsse», und all' sein große- Vermögen nur auf.sich bumsten zu lassen — daist eine große menschllche Erscheinung, steren Dasein in der Geisterwelt von außerordentlicher Bedeutung ... Rabbi Merr auS Eordova lag itn Sterben. Erkannte ruhig sterben, denn er hinterliest wenig; wazu verlassen er bedauern konnte.. Rabhi Mttr hatte'Alleim Ikeben gehabt und nicht-. Rollen wir in seiner Sterbestunde ein Bild seine- Lebenguf, wenn auch nur in kurzgezeichneten Umrissen. 1 . . r Rabbi Melr war der Söhn einsder reichsten Männer von Eordova. vielleicht Spanten. der einzige Sohn. Sehr frühzeitig verrieth er einen außerordentlichen Geist, und nicht blos Reichthümer,^ sondern auch die vorzüglichsten Lehrer umstanden seine Kindheit. Aster noch zählte er nicht 13 Sahre, alrfttt Bekfotzung iaulstrach. welche ih« feine Eltern kostete, und nlein» kaum gerettete Waise, von Alle« entblößt,'ihn -in die Welt stieß. Eine Zeit lang hielt ihn ein Bruder feiner Mutter in Sevilla