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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 5 (1854) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
5 (1854)
Date
1854-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung und Anterhaltung^ aus jüdischem Hehiete. [ Herausgegebeu »ob Rabbiner! vr. Ludwig PhiUppsou in Magdeburg.! X r«\- m ior 1 1 **n Mtfir 8«lri*ifft «rMwlnt «tae Rumwr. Pr«t» »,« Iabr- , « lRo. 5* 1854.] .«.• < »si gfiöiS'.a iSSEtt ,oft4m‘" l2 ®BtrUL] Eine algierisch-jüdische Legende. (Nach den Xrediv. lrifsel.) Zwei Männer wohnten in demselben wohnt« im Erdgeschoß, der Andere in Stockwerke. Der Erste war arm und ch.cham; aber nach Art Hillel's, heiligen Angedenkens, legte testen Arbeiten und schwersten Entbehr er sich die Häringen auf, um HülfSbedürfligeren aler selbst beizustebe >. „Arbeit, Gelt. hct, Wohltbatigkeir." daS war seine Lev Der Zweite im Gegentheil war mächiig reich, aber er batte dieses Vermögen durch wenig zu ac »lende Mittel ge> wonneu und er machte auch den schlechtes en Gebrauch da« von. Hart und unbarmherzig gegen die Arme«, vergessen aller durch die Religion und Menschlich! eir vorgeschriebenen Pflichte», schamlos in seinen Sitte,, strebend nach Vergnügungen und nach drn Schmeichelei n der Welk, so Hause, der Tine einem höheren daS war feine alle Heide, der war der Reiche. Selbst genießen, Devise. Nun geschah eS. daß eines Tages Reiche und der Arme, im selben Augenblicke von Zweifel und Reue ergriffen wurden. Der Arme sagte zu seiner Frau: ,.llS sind nun bald 30 Jahre, feit ich ohne mich zu beklage l und mit frommer Ergebung ein, DaftiN'^er Mühseligleit und'des Elendeertrage. 30 Jahre, seit" ich mich rägich, stündlich dem widme. was ich als meine Pflicht anjfab Nein! Dieses Leben drückt mich, diese ewige Selbstoezleugnung ertrage ,ch nicht mehr! Peiniger meine- Körperu-nv meiner Seele, wird meinen enttäuschten Augen Endlich -klar, daß ich ein Unsinnsger bin, der Hunger und Durst leidet, der sich die gewöhnlichsten Freuden des Daseinversagt, um seine Zeit und seine Kräfte Undankbare« Lu weihen. Aber ich erWlche zur rechten Zeit! die., dickt' Wolke, welche meinen Verstand umnebelt«, ist zertheitt! Ich will endlich da- Leben genießen! Ich will auch Gold und Seide zur Kleidung, Feste utch^Vergnügunge[n nach Belieben! Wie unser Nachbar wlllW um jeden Preis reich sein." Aler diesagte, g,^ er zur -Treppe und stieg hinauf. um seinen Nachbar über die Mittel, reich zu werden, zu betragen.; Zu derselben Zeit sagte der Reiche -zu seiner Frau: „Seit mich da- Alter und der Verstand zum Herrn meine- Geschickegemacht haben, wie bab^ ich meine Freiheit al- Mensch gebraucht und meine Pflichten al- Israelit erfüllt? Ein einziger Gegenstand, daß Gold, lhat alle meine Geisteskräfte,- dft ganze Thätigkfit meine- Berstan» ,.r-' degefangen Lehalten. Ein einzige- -GtfüÄ, die Eigenliebe, har in' meinem Herzen alle gülden Gefühle vrrvichtet. hat in mir die heilige und uiifc Quelle vertröstet, aud»r^ die Menschlichkeit ihre edelsten Eingebungen schöpft. Keine Schande'schreckte mich zurück, ich habe keine Miffethar gescheut, umdie nöthi^eu Mittel, da» Gebäude mekne- Vermögenzu errichten, ' zu erlangen. Aber, Strafe de- Himmel-! da- Gebilde ist vollendet. aber da- Glück, von dem ich geträumt hatte, de« ich so mhhsam einen Temp^ errichtet habe, da- Glück ist an der Pforte geblieben! . Jn^v.er Mitte der Pracht und der eitlen Gebilde -de->Luru-, in dem Tumulte und dem Rausche der'Feste und der AuSschweifuitge« habe ich. nur Ermüdung und Übersättigung gefunden. Ach, ich empfinde eendlich an den G/wiffenßbiffen, chelche mein Innerezerreißen, da- Glück vereinigt sich mit dem Verbrechen und dev Stolze, ersohnk nicht [in besteckten Herzen und nicht unter best vergoldeten Himmielbettm de» verbrecherischen Reichen; einen Wiederfchein ÜeS Paradiej^sesah ich gleich einem göttlichen Strdhlmkpeium die ehrwürdige Stirn defrommen und armen Ctzacham glän zen: daist der Lohn der TuFevd und nicht!die Berdel» tung der Unrhrlichkeft! Rieder denn mit diesen elenden Flitter», der schändlichen und trügerischen Klnidung. dem srcnde^- und herzlosen- Reichthum! Zurückj Du böser Geistwelcher mich zu Grunde gerichtet ifat. zurück! Don nun an sott die klesst, Reue vlpine Siele.läutern; meine Thränen sollest die.Flecken meine- LibenabwaschSü, und mein Gut, welcheich zu Anstalten und wohlthätigen Handlungen verwenden will, soll ein!en Theil der unzähligen Nebel wieder gut machen, die ich[ verfluchter Kain, mit vollen Händen auf Peine Brüder auöstreute. Gnade, o mein Gott, Gnade-dem elenden-Sünder!" Darauf ging er zur Treppe und stieg hinab, um sich der Erfahrung und dfr heiligen Führung de» Lhacha« zu unterwerfen. Die beiden Nachbarn, jeder mit seinen Gedanken beschäftigt, begegnen fich auf den Stufen und versperren sich den Weg. . ~- Jn dein Augenblick, wo sie fich erkennen. werden Beide von einer unsichtbaren Hand getroffen,' fallen und sterben . . . . Der Arme, welcher seine» Wissen» und friliet Heiligkeit wegen in großer Verehrung stand' ward Imit außerordentlichem Pompe begraben und erhielt die llktzte» Ehren, welche den Chachamim bestimmt waren. Elster der Reiche, welcher wegen seineunregelmäßigen und rnmoraltfche» /

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