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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 4 (1854) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
2 (1854-1855)
Issue
4 (1854)
Date
1854-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt, i V Zur | Belehrung und Anlierhaltung aus jüdischem stebi^le. HerauSgegeben von _ , Rabbiner DiJ. Ludwig Philippson in Magdeburg. ' " j lNo. 4. 18S4.I Vo, tiekev 8»it(*r|fi rr<d>ff,l rfchfntltA «in, -iummer. firif tr* jaUr* «ans» 1 H»tr. SJierifillhrifl 7'/, V«r. fl», tii<W>ontlonfi»ii, PotzLsii«« us» 3rttun8««jp,fi,ipn„ titbntrn n,ciUUunn«n an. . _ ■ —-I_i l2.£«brg.l,(flMrl«L] Die baumwollenen Mühen in Tunis*). WaS mir im Hafen von Tunis (an der Nordküste von Afrika )^am meisten auffiel, daS war di« Menge von Leuten, die baumwollene Mützen auf dem ^topf trugen. ES war wirklich nicht der Mühe werth, Spanien von Bayonne bis Cadir durchreist, das Ufer Afrikas von Tanger bis Bizcrte besucht zu haben, um sich jsn dex Mitte einer solchen Menge baumwollener Mützen zu befinden. Ich erkundigte mich nach der Geschichte. Hören Sie sie. Im Jahre 1826, unter der Regierung defrüher» Bey, trieb der Wind einen Kapitän au- Marseille auf die Rhede von Tunis, dessen Schiff eine Ladung 'baumwollener Mützen nach Gibraltar bringen sollte. ZÜ jener Zeit ward beim Eintritt in den Hafen von Tunis I ein Tribut bezahlt, dessen Höhe zu bestimmen der Launt de- Raja Marfa, d. i. de- Kapitänder Rhede übersaffen war. Er verlangte vom armen Kapitän eine ungehellre Summe. Derselbe mußte indeß seine Waare im Stich Waffen und warf sich dem Bev za Füßen. Der Bey hörl« die Klage de- Giaour an. Aler die Klage gehört,j sagt, er: „Willst Du nach der türkischen oder nach der französischen Justiz behandelt werden?" Der Kapitän dachte'lange nach, und mit einem Vertrauen, welcheder Gesetzgebung seine- Vaterlandes Ehre machte, antwortete er: I,.Nach der französischen." — „ES-ist gut," sagte der Bey. „kehr' auf Dein Schiff zurück, und warte." > Der Seemann küßte die Pantoffeln Seiner Hoheit, kehrte an Bord seines Schiffezurück und wavtete. Einen, zwei, drei Monate. Als diese uin wärest, wahrte ihm daS Warten doch ein wenig zu lange; er > ging also an'S Land und stellte sich dem Bey in den Ä)eg. Der Bev kam vorüber. Der Kapitän warf sich ihmizu Füßen. „Hoheit," sagte er, „Du hast mich vergessen." -4- „Nein." antwortete der Bey, „bist Du nicht der fränkische Kapitän, der sich über den Raja Marsa bei mir beklagt hat?" — „Und dem Du Gerechtigkeit versprochen hast!" — „Ja, aber nach französischer Art."— „Gewiß."!— „Nun, worüber beklagst Du Dich denn?" — „Daß > ich diese Gerechtigkeit seit drei Monaten vergebenerwarte." — „Höre," sagte der Bev. „seit drei Jahren IM eS Dein Konsul an Respect gegen mich fehlen, seit drei Jahren habe ich mich bei Deinem König darüber beschwert und Gerechtigkeit von ihm verlangt. Seit drei Jahren wane ich nun schon, komm in drei Jahren wieder." — „Teufel!" sagte der Kapitän, der die Sache zu begtelfen be¬ *) -lach „Reise in Tanger. Algier und Tunis von A. Duma»." gann. „und gieöt eS kein Mittel, diesen Aufschub abzukürzen, Hobelt?" — „Du hast französische Justiz verlangt." — „Wenn ich aber türkische Justiz verlangt hatte?" — „DaS wäre eine andere ^Sache gewesen, dann Mw die Justiz im Augenblicke auSgeübt worden." — „Ist! r) nicht noch Zeit?"— „Es ist imnte» Zeit, richtig zu handeln." — „Türkische Justiz also, Hoheit, türkische Jukijl!" — „So folge mir." Der Kapitän küßte die Pasttoffrl» de- Bey und. folgte ihm. . > \ * | ’ Der Bey ging in seinen Palast. „Wie vielhat der Raja Marsa vvn Dir gefordert?"'— „Fünfzehnhundert Franken." — „UndDü findest diese Summe zp hoch?" — „Hoheit, daS ist meine demüchige MeinuUg." —; „Um wieviel?"— „Wenigstens um zwei Dritthrile." „DaS ist richtig; hier sind zweihundert Piaster, welchf gerade 1000 Franken machen." --7- „Hoheit," sagte> dir Kapitän, „Du bist die Wagschafe der Gerechtigkeit." i-'Er küßte die Pantoffeln de» Bey. Hierauf wollte er forlgehei». ^..Hast Du keine andre Entschädigung vgn Mi. zu verlangen?" fragte der Bey. — „Allerdings, aber ich wage eS nicht. auSzufprechen." — „Sprich, nur " '— „Mich dünkt, man wäre mir einen Ersatz für die Zeit'schuldig, die ich verloren habe, diese denkwürdige Entscheidung zu erwarten." — „DaS ist"richtig." —. „Um so mehr, da jetzt in Gibraltar die Zeit zum Absatz" meiner Ladung vorüber." — „Und worin besteht Dei«.Ladung?" fragte der Bey. — „In baumwollenen^ Mützen, Hoheit."^— „WaS ist daS?" — Der Kapitän zog em Eremplar aust der Tasche und überreichte eS dem Bey. „Wozu dient das?" fragte dieser. — „Sie aufden Kopf zu fetzen." Är bekleidete seinen Kopf mit der Mütze.'— „ES ist seht häßlich," sagte der Bey. — »Aber sehr-,bequem," antwortete der Kapitän. — „Und die Verzögerung der Gerechttgkett bat Dir Schaden gethan?" — „Wenigstenvon ÄOÜO Franken. Hoheit." — „Warle!^ De» Bey rief seinen Srcretär. Dieser trat ein, " treuste seme Arme, übör die Brust und verneigte sich dtapf den Boden. „Setz^Dich nieder und schreib," sagte dep' Bry>» xDer Secreüt! gehorchte. Aler die Worte, bie der Bey arabisch di^tirte, geschrieben, sagte dieser: ...ES fff gut-' laß jetzt'hiese» Amra durch die Stadt verkünden^ Der Secreiäriging hinaus, — „Verzeihung!" sagte dn Kapitän. — „Wanoch?" — „Darf ich .nach dem-Inhalt diese- Dafehls ftagen?"— „Ei gewiß, eist ein. Besetzt ach alle J»den in Tunis, sich bei Verlust ihre-, Kopie» binndn v!ermndzwanzig Stunden mit einer baumwollener» .Mütze zu! bekleiden." — „Ah, Sturm und Wetter!" rief der Kapttä»,

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