Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 47 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur! r ■ .: Belehrung und Anterhaltung auf jüdischem Gebiete. - Herau-gegeben von : | * Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. lRo. 47. 18541 Bon bfef«r geiksit>tis> erMwint »Mwitlith eint Nummer. Steil kel Iabr- 1 Zblr. Biekttl>Lbrlz “'/» N»r. AUe t'ud'KinMuniien, Boüämter und ZNtunglexxeritioneo nehmen BeKeIKin«en an. l1.Iatzr§.4.G»art«l.^ Don den Träumen. Wir habt» unseren Lesern einen Artikel über die „Träume" verheißen. und wir hallen Wort. ES find über vielmehr einige Blicke auf die Ansichten, die man über die Träume gehabt, welche wir die Leser thun lassen wollen, als etwa weitläufig über vaS Wesen, die Entstehung, den Verlauf, daS Ende des Traums zu pbilosophiren. Von zweien Arten „Träume" sprechen wir hier nicht: von den Träumen, die wir unS im Wachen bilden, und an denen insbesondere dif Jugend so reich ist, welche den Werth und Reiz der Gegenwart noch so wenig ktNGt. und daher sich mit dem Erträumen rosenrorher Zukunft entschädigt — und von „prophetischen" Träumen, Visionen, welche den Propheten oder prophetisch begeisterten Männern geworden, und an welche sich bje somnambulen Träume reihen, sondern wir sprechen von den Träumen, welche unS gewöhnlichen Menschenkindern während deS ganz gewöhnlichen Schlafes zukommen, und fragen da na» mentlich: ob diesen Träumm bisweilen eine Ahnung, ein Vorausschauen von Zukünftigem einwohne, oder nicht? Aber noch eine Bemerkung im Voräuö. Wenn in unsrer Zeit der Glaube an die Zukunft lim Voraus abspiegelnde Träume immer, mehr sich verlier^ und von immer Mehreren verlacht wird, und wenn schlagende Beispiele solcher Träume immer seltner werde» — so beweist dieS in ybtr That eben mit — für unsre Zeit Etwa-, nichrS aber gegen daS Alterthum, in welchem der Glaubt an Träume, ganz allgemein , war, und unS von wundersamen Träumen so viel «zählt wird. Oenn eS ist nicht zu verkennen, daß der seelische Boden l eS TraumS die Phantasie ist (die Einbildungskraft, d. b die Fähigkeit der Seele, sich Bilder von Dem vorzuführen, was im Augenblick gar nicht Gegenstand der sinnlichen Wahrnehmung ist); nicht zu verkennen ist ferner, daß mit der Ent» Wickelung und Obherrschaft deS Verständedie Phantasie en Energie, Kraft, Innerlichkeit verliert, daß bei der vorwaltenden Verstand,Sbilvung und VerfllandeSübung die Phantasie so abgeschwächt, so reducirt witd, daß sie sich gar nicht mehr ähnliä» steht. Der Schwung und die Mächtigkeit der Phantast, in früheren Zeitaltern ist daher in der That nach Dem, wasie bei uns vollbringt, nicht mehr zu beurtheilen, und so wir in gewissen Künsten, z. B. der Bildhauerei, der Malerei (namelntlich in gewissen Zweigen) daS jetzt nicht mehr geleistetwird, waS Alterthum und Mittelalter vermochten; eben so gut find wir berechtigt, die Gewalt und den. Inhalt der Phantast, vor der Entwickelung deS Verstände-, wie sie! schon von KiudeSbeiuen erstrebt wird, alt abgeblaßt anMehen. Dennoch wirb jeder unbefangene Mensch sich auch in unsrer Zeit gestehen, daß, so sehr auch die kühle Vernünftigkeit in unS vorwaltet, dennoch Niemand von dem geheimnißvoüe» Weben der Traumwelt sich loSreißen kann, daß Jeder bedeutungsvolle Träume, in wichtigen Momenten seine- Le- . ' benS bisweilen in sich verspürte,' zu den?» unS aber mit '• dem berechneten, äußern Leben der leitende Faden erwangelt, so daß daS Traumbild unter den geräuschvollen Bll- , Darrt der Wirklichkeit bald verschwindet. t Durch dab^anze heidnische Alterthum geht die Ansicht von Trüupten, in denen eine hülfreiche Gottheit de« Menschen RettUtmSmittel uüd Zukunft aufkhut, so daß die Griechen eigene ^iempel^ hem AeSkulap (dem Gott d§r Heilkunst) errichteten, worin die Kranken sich zum Schlafen niederlegten, und dann in Traumen HülfSmittel gegen ihr Leiden erfuhren. Solche Tempel waren voll von Dotivgefchenftn dermaßen Geheilter aller Art, namentlich Ta» -7 fein, auf welche ihre Krankengeschichte emgegraben war. Ja selbst Belehrungen dogmatischer Art ließen die Alten im Traume kommen, und die erste Lehrt vom „Geiste (Nub) soll einem gewissen Herokstimos im Traume geworden fern. , i In der heiligen Schrift nuirnehmen die „Träume" unter den Arten der PWphetieen einen bedeutenden Platz ein, und werden sie als die mindere Stufe der Prophetie bezeichnet. Es werden unS demnach auch viele Träume, in welchen Offenbarungen geschahen, erzählt, von Laban bis König Schelomoh. Don diesen aber) wie gesagt, sehen wir hier ganz ab. Allerdings erkeunt nun die heilige Schrift die Nichtigkeit der meisten Träume an; Ko» helekh Vergleichs den Traum mit dem Aullfpruch de- Thoren, und sieht den Ursprung jenein vieler Beschäftigung mit Etwa- (5, 2. 6.); daS schnelle Vergessen deS Traumes wird wiederhält zu Bildern der Flüchtigkeit—und. Nichtigkeit, benutzt (Ps. 73, 20. Jjob 20, 8.). so wie die bittre Täuschung, dir oft auS den Träumen erfolgt, „wie wenn der Hungrige ttiumt, und siehe, er ißt, und erwacht, und keine Seele ist leer; und wie der Durstige träumt, und stehe, er trinkt, und erwacht, und sieh', er ist matt »nd seine Seele verlrchtp —" (Jefch. 29,8.) Dessenungeachtet wird a^ch de« Traume eine hohe Wichtigkeit beigelegt. Die erftm WanmUge»