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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 46 (1854) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
46 (1854)
Date
1854-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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/ Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung und Anterhatlung auf jüdischem HeKiete. HerauSgegebe» »ou Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. m jm ■* r\m * -» 4)o» di»t«r Zrirs^rif, «me Stummir. Prtit k,» Iaörr ■* __. . > lyfD iln 1S«4. I «ang* 1 kdlr. «imrt ibrig "'/« **t. »0e-»»-bb.'vblrina'i,. VtftSmtfT M k JADfl) Jj, QßQflnt 1. I TV* lüWT.J «n» Jhtun9*<fr«eiit*iun o»v»e, «eStllmigen ab 1 Die jüdischen Sittenlehrer des Mittelalters*)^ Vom 11'. bis zum 16. Jahrhundert gab ,S eine Reihe jüdischer Eittenlrhrer, welche nictt bloS »opi der Kanzel, sondern auch in Schriften in Sitlenbüchern die reinste, edelste, Moral predigten. Als vor etwa 80 Jahren ein Professor (Hirt) einen iBttck in eine jener Schriften geworfen, rief er mit der gewöhnlichen vornehmen Anerkennung gegen Juden auS: „Kaum hätte man in den damaligen Zeilen solche Gittenlehrrn von Christes erwarten sollen, alS dieser Jude (R. Ascher in Toledo)! seinep Glaubensgenossen hier vorgeschrieben und hinterlaffen hat." Nun, wir wollen nicht umgekehrt einen Blick in die Schriftin der christlichen Theologen der gedachten Zeit werfen, um nicht daS gerade Gegentheil auSsprechin zu müssen. Die Israeliten deS Mittelalters, obgleich die andere Welt sie dem Teufel verfallen suSgab, standen unbedingt höher auf der sittlichen Stufenlrrter als Biele, dss sie verdammten. — Diese Moral Literatur kommt bald tn Form von Testamenten an Kinder und Angehörige, bald eingekleidet in Fabel und Dichtung, bald auck alS eigentliche Anwei, sung zu einem sittlichen und gotteSfürchtigeü Leben vor. AuS dem Zeiträume von 1050 bis 1490 sind hier wenigstens 30 Werk« yamhaft zu machen, deren Verfasser Deutschland und Frankreich angebören.- Doch statt der trocknen Notizen wollen wir hier eine kleine Auswahl selbst folgen lassen. ' 1. R. Elieser beu Jfaac (um tO-P). ) (AuS Orchor ydajim). ' Gieb, mein Sohn, Gott die Ehre und zdlle ihm den Dank, denn er ist eS. der Dich gebildet und in diese Welt gebracht hat; D)^ bedarfst seiner, er aber nicht Deiner. Vertraue nicht Deinem leiblichen Wohlergehen hienieden! Mancher hat sich niedergelegt und ist nicht wieder aufgestanden; mancher ging fröhlich zü Bette gesund und wohlgemutst, und erwachte unter Schmerzen und Schrecken. Fürchte den Herrn, den Gott Deiner Väter, unterlasse nicht Abends das Schema, Morgendie Tefil» Iah zu lesen, heilige Dich auf Deinem Nachtlager und entwiche Deine Seele auch in der vertraulichsten Stunde nicht durch unreine Worte. Sei rein an Deine« Leibe, versäume früh nicht daS Händewaschen, und die reinen •) Nach Z»»z, zur Geschichte u»d Literatur L l. Berlin. «845. Hände falte zum Gebets prrtfe^Deinen Schöpfer, wenn Du Deine Kleider aulegst unv wenn Du> Deine Nahrung zu-Dir nimmst. Sei einer der ersten im GvueShause, gehe mit Ehrfurcht hinein, bedenke, vor «irm Du daselbst stehest. Im Lehrhanse unterlasse jede eille-Reve, ^»eicke auf die Worte der Weifen, schätze nicht»! für zu gering und verachte Niemanden. Den Kranken b^süche, zeige'ihm »in heitere» Gesicht, belästige ihn aber nicht; ^hir.Trauernde» »röste,' weine über die Frommen und . Du wirst, nicht nöthig haben, den Tod Deiner Kinder zu beweinen. Ehre den Armen durch geheime Gabe, sieb ihn nicht an, wenn er an Deinem'Tische iß», sei nicht taub jgegen sein^ Flehen, fahre ihn nicht an mit harten Worten ui& gieb ihm von Deinen besten Speisen. Wenn Du hetest, sei klein und demülhig vor dem Allmächtigen, bekenne Deine Sünden und heilige Dich mit angestrengter Kraft, Deine böse Begierde zu zügeln. Grüße Jedermann, sprich die Wahrheit, sei schamhaft, im Essen mäßig; iß lieber Kraut, ehe Du Dich von den Menschen abhängig machst, und jage nicht nach Macht und Herrschaft. Von einem bösen Nachbar, einem übelberüchtigten Menschen, halte. Dich fern, verweile nickt unter Leuten, die von ihren Reberunenschen BöseS reden; sei nicht die Fliege, die ste^S die kranken Stellen auSmcht: erzähle von dem Nächstens nicht die Fehler. Nimm win« Deiner unwürdige Frau undhalte Deine Söhne zur Keuntniß der göttlichen Lehre »n. Frohlocke nicht, wen» Dein Feind fällt; aber girblihm^zu essen, wenn er hungerll; hüte Dich, Witwen und Waisen zu kränken; sei nicht Zeuge und Richter in einer Person, und richte nie allein» Tritt nicht plötzlich in Dein HauS hinein, und mache nicht, haß Deine HauSgenosiken sich allzusehr vor Dir lmrchten; thue ab den Zorn, daS Srbtheil der Thoren,, liehe die Weisen, und strebt |nadj der Erkennrniß Deine» Schöpfers. Wisse, dir Hoffnung der Frommen jene» verborgene^ Paradies ist^ da^ vor der Welt erschaffen, die Ruhestätte der reinen und! heiligen Geister ist. — (Svrt,r-riag folgt.) |- Anfragen und Antworten. > 39. M. in S. Ich gehöre zum hiesigen israelitischen Gemeinde-Vorstände, und liegt mir die Elementarschule sehr am Herzen, weshalb ich gern wissen Möchte, wieder Unterricht in einer isäelitischen Schule im Geiste der jetzigen Zeit erlheilt werde« muß? Ich Litte atm auSführ-

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