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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 45 (1854) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
45 (1854)
Date
1854-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt - J Zur Belehrung und Anterhattung aus jüdischem HerauSgegebe» von r Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdeburg.' ' fleOietfct— ra\. mm m ow 1 "■ *c,t ****** Zriiick-eif, rridviat »»»»n,li<p «nr Ru»»er. *#tdl tf#-Odbr*' .4}» > I m <a . , -, I vCO* 49« 1994.1 «un«< 1 rvik. äHmdjäbrifl äai. HD* ku»t>onriuag<". -trflanmr |l.^dn|’Ä. 4. QütlttnfiL 1 L J ua» BHiun^«({rpeMtionra afbaira e«MaD««n an. I *• Ö*"**!* *♦ W*M,*M*4* j Der jüdische Charakter. Go gewiß der jüdische (Stamm seine Ei.enthümlichkeit in Gesichts Gestalt. Farbe. Sprackorgan hat — pbvsioznomischen TvpuS nennt^daS ver Gelehrte — so sicher besitzt er auch Cbarakterzüge, die ibm eigen sink. Natürlich giebt es auch Ausnahmen — und jeder einzelne Jure macht sich selbst gern zu einer solchen Ausnahme, und erzählt triumpbrrend: „der und der hat, mich nickt für einen Jud,n erkannt." Natürlich auch bar jeder Mensch Augen. Nase, Mund, äkinn u. s. w.. und zwar' in der mannichfaltigste» Weise, so daß einzeln jene Eizenthümlichkeiten auch bei Anderen Vorkommen — aber im Ganzen irrt sich wevez Jude, noch Christ häufig in der Bestimmung. wer ein Jude,' oder doch jüdischer Abkunft sei, also muß eS dock so sein. Wenn nun schon überhaupt cigenthümliche Züge aut bestimmte Cbarakrerzüge deuten, so setzen gemeinsame Cigenthümlichkeiten im Aeußern auch gemeinschaftliche Cigenthümlichkeiten im Charakter voraus. Aber bei unS Juden kommen außer der immerfort erhaltenen StammeSgenoffenschaft auch<iwch durch ein Jahrtausend die gleiche Stellung upd Lage, die engbegränztew Verhältnisse, welche ver ganzen Masse dieselbe Beschäftigung aurbrängten. -ferner dhs gleiche Studium, die gleiche geistige Tbätigkeit (Talmis» innerhalb derselben Wege und "Manieren u. s. w. u - s. w. hinzu also eine Menge Einflüsse, welchen von Jugend auf der Geist jedes Einzelnen unterworfen war. WaS ist da zu verwundern, daß sich da viele allgemeine Cbarakterzüge auSbildeten? Und wo eine Erscheinung so viel Erklärliches bat. wer wollte an ver Wirklichkeit derselben zweifeln? Und dazu kommt nun noch, daß in der Tbat auch die Geschichte der Juden nicht wenige Züge, die wir noch jetzt an ünS beobachten, an? der frühesten Zeit unS qnklebend erweist! .Bor Allem aber lasset mich bemerken, daß ein Charakter- ^;ug an sich weder Lob. noch Tadel enthält, sondern daß eS eben von den verschiedenen Umständen abhängt, in welchen er stch bethäiigt, um bald Tugend, bald Laster zu sein, bald verdienstlich, bald verderblich zu wirken. Doch kommen wir zur Sache. Ein Hauptgrund des Juden ist — mit Derlaub zu sagen — die gute Meinung, die ein JMer unter unS von sich selbst hat. Ich habe noch keinen Juden gefunden, dar sich selbst nicht für sehr geschieidt (chochom), für sehr klug hielt, der nicht — ja —i'ogä — ein BISchen alle Andere zu übersehen meinte. Wir wollen hier nicht untersuchen, waS dessen Ursache ist; die Selbststänt . . . . ^aber^ttn und ichiebt eS nur ’ digkeit, auf welche fast jeder Jude voy 6indeSbem,n an gewiesen ist, daS „Hilf Dir selbst und tKott wird Dir Helfer. " welches der großen Mehrzahl tr Juden bei der Wiege vorqefungen werden muß. vak sich Durckbringen durch die Welt, in welches jeder Etnza ne versetzt' ist. da so äußerst Wenige die genügenden Mi tel von HauS auS bekommen. und so äußerst'Menige den!breitgetretenen. gewöhnlichen Weg veS Lebens zu geben bähen — Dann daß wirklich auch dem geringsten und »ornirteften Juden etwas Geist oder GristeSbesonderheit at klebt — kurz, die Sache ist fo: teder Jude bälr ssch sell st für einen chom. Nebmt den gelehrtesten Juden, edjer Einzelne wird vor ibm die höchste Achtung haben u d ibn anerkennen — aber der unwissendste Jude wird glauben, den Ge» lebrten doch zu übersehen, da dieser vo t Leben, von Han» . del und Wandel nichts verstehe und so weiter. .Stellt den geringsten Bettler vor den Reichsten Im; er bemüthigt sich gar gewaltig vor. dem Besitzer De sen, waS ihm so wünschenSwerth ist und doch so feh Grunde hält er stch doch für klüger, dem Geschick, in die Schuhe, daß jenär nicht vor ihm so stehe, wie eS jetzt umgekehrt der Kal ist. und nach — Verdienst nicht sein sollte! Selbst de größten Derschlagenbeit gegenüber hält sich jeder Einzelne noch verschlagen genug, um mit ihr auSzukonune» .... Ich muß gesteben, ich halte diesen einen Cbara terzug.sür die Wurzel vieler andrer — insbesondere fc nn überhaupt kein Charaktes gut obne diesen sein. Dem. das Selbstver. trauen, die Unabhängigkeit, die davurä bervorgerusen^wer den, sin» djxuneutbebrlichüen Theil eine- CbarakterS. Der Jude wird^vadurch geneigt, in jedweder^ Sache sich selbst für uriheilSfäbtg zu halten. -JcewedeSl' selbst beurtheilen zü können, »nv vaS llrthril. daS rr^darüber hat, mag er dazu gekommen sein, aus welchem Wege eS sei. - festzuhalten, er wird dak^rch eigensinnig, beharrlich.; aber auch streitsüchtig . . . sind wer weiß etz nicht, ' daß in tzer ganze» Geschichte Juda'S dies sein Verdienst und zugleich sein Febler ist. Seine Bieharrlichkeit auf seiner Ueberzeuguog liest ibn die Jahrtausende hindurch der Welt gegenüber sein Brkennmiß treulich, festbalzen: seine Streitsucht ließ auf den Märkten Jei^uschalajim'S Bruder gegen Bruder mit dem Schwerte kämvt'en, sobald die Römer eine Weile von den Mauern zuoückgeschlageu waren;! seine Beharrlichkeit schafft stch im kleinsten Klecken S'yna- ' goge. Schule, Gottesacker, aber seine Strytsucht macht auch den kleinsten Klecken zum Platz, Feindschaften von Nachbar zum Nai w«, und die Der der Parteiung, der

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