Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 41 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisch^ Volksblatt. ' Zur i ■ - h ■' r Rekehrung und Anterhattung aus jüdischem Z^Kiete. Herauögegeben von - .1 Rabbiner vr. Ludwig Philip^sou in Magdeburg. » » 4 V ~l Don Hrf<t 3tir(d<iift <rf<4fin! ,mc -in» »er. Vreis *,* 3abr« r 4 Al. * IVCO* *xl» 1o9*T. I flan*< 1 *Wt- «Ifrldiaitrij T1/, M«r. Ml» Pintbonnutiflni. PoStmier 1 1, T, WlMITlI, I l v* J un» 3t'«unü»err.kii.onkN »rl-n'^i kelevungen an. . l *' erMV*ö* **T**»»»•*.J Die Israeliten von Laghouat. Rach fern Franzöjischev d<s Dr. B. Widal, i'Jihiairarjief. (ÄiTtirBun^.) II. Anr andern Morgen >var ich eingedenk meine- Stelldichein's mirbcs^ mich schon früh in der JudeniStraße. Ich benenne tu so (obgleich sie nicht omziel diesenNamen führt», weil alle Juden von Laghouat. ohne Au-nahme, nach einem Branche, den sie mir allen ihren Glaubensgenossen fast aller Lander gemein haben, ihre Wohnungen dort beisammfn aüfgeschlagen haben. -Die Bedrückung und in deren Folge VaS Bedürfnis der Vereinigung Ibat die Juden zu aller Zeit dazu vermocht, sich in ein ui^d dasselbe Dienet einzüschackteln, und vielleicht hatte ^ie erste Idee der Gbeno'S eben sowohl in den Befürchtungen der Unterdrückten alS in der Tyrannei der Verfolger ihren Ursprung. I Ich trat sogleich in daS HauS Elijahu'S. Diesig HauS besteht, wie alle kiese Hauser Laghouat's, auS eine^n vollständig viereckigen Hofe,der von zwei mit maurischrn Ärkaben übersetzten Galerien umgeben ist. die allen Winden zu-' gänglich sind und den Eingang zu niedrigen, dunkeln Löchern ohne Fenster und ohne Luft vermöge alter wurmstichiger Tbüren bilden. Eine bedeutende Unrube »errschte in dem Augenblicke meines Eintrittes in dem Hause. Eine Menge Binder (man findet deren immer viel bei unseren Glaubensgenossen) spielten, weinten, schrieen und Hummel» ten sich in dem Hofe. Krauen, nicht weniger zahlreich, größt,»ihcilS sehr jung, saßen in den Galerien und waren emsig mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt, imijler sehr geräuschvoll plaudernd. So wie man mich erblickte, hörte dieser ganze Lärm plötzlich aus, und ich hörte sogleich die Stimme Noomi'- von der Höhe der Galerie rufen : Mein Vater, hier ist der. israelitische Boulib (Arzt), deir ineine Mutter besuche« will." Ich sah darauf in einem Winkel deS Hofes einen in einem weiten, weißen Burnugekleideten GreiS auf der Erde sitzen, der, ungeachtet deS um ihn tosenden Geräusche-, aufmerksam in einem großen Folianten betete oder laS. Diewar Elijahu der Rabbi. Egab nicht- EharakteristischereS alS daS Aenßerr diese- ManneS; eS war der israelitische TypuS in seiner ganzen ersten Reinheit, ich möchte^sagen in feinem ganzer! Ideal: man könnte sagen, «S war eine Figur auS dem berühmten Gemälde de- Leonardo de Vinci entschlüpft. Die erhabene Gestalt Elijahu'S, sein weißer Bart, sein edleunh sanfte- Gesicht flößten zugleich Ehrfurcht unv Zuneigung ein. Er näbffNe fick mir: sich verneigend und das Zaleio slsi^em nach> dem Brauche sprechend? dann bezeugte er, mir^nach, dem er mir die Hände, geküßt, sein Vergnügen, einen franlösischrn Israeliten zu sehen, Uno seine Dankbarkeit über mein Komme». Obgleich diese- Mal meines gewöhnliches Dolmetschers entbehrend, begriff ich ,dennoch den Ginn von de- Greise- Anrede vermöge einiger seiner Ausdrücke, die sich zufällig in meinem arabischen Vocabulaire befanden, unv der vielfachen Gestckubalionen. mit denen er seine Rede, begli iretr. Der größeren Bequemlichkeit wegen schlug ich ihm vor. unS hebräisch zu unterhalten, mit dem Vo satz, mir so viel oder so wenig von den», waS'mir von dieser mein Lieblingsstudium auSmachcnden Sprache in meinem Eftrfichtniß zurückgeblieben char . zurückzurufen. , Auf diesen Porschlag lächelte »er Greis, drückte sich aber in der heiligen Sprache sogleich mit einer solchen Leichtigkeit, Genauigkeit und mit einem Reichthum biblisch^ Bilder-auS,. daß ^ch erstaunte und. über ven dürftigen Vßrrath meinemir >im Gevächkniß gebliebenen Hebräisch zu ersötben begann^ Nachdem er'mich über die Ifraelike» Frankreichs, ihre Sitten und ihre Beschäftigungen befragt und mit der naivsn Neugier eine- Kindealle Einzelnßeitsn meiner bescheidenen europäischen Kleidung umersucht batte, kühne er uych zu Rebecca, seiner Frau. I 1 Wie groß wgr meine Überraschung und mein! De-- vauetn, als ich die arme Kranke in etnem Dieser dü!stern, niedrigen Löcher, von denen ick vorhin gesprochen, aus dem Boden aus einer dünnen wollenen Decke auSgestveckt lieget» sab, fever, auch der geringsten Sorgfalt beraubt und!rvie eine Aussätzige allein gelassen. Mckl die geringste Medizin, keine Art von Meublc btt! ihr, nicktaleinen Schlauch von Ziegenhaut voll unreinen Wasser-, von dem die Unglückliche in langen Zügen -mnrf. Diese- Derlaffmsein der Kranken, besonderwenn sie schon in eine« gewissen Alter sind, ist eine ziemlich allgemeine Sachh bei den Israeliten diese- Lande-. Daist unälück-. licher Weise eine Nachahmung der arabischen Sitten^ batst der muselmännische F.uali-mu-, der auf die Reiyheit deisraelitischen Glaubenzurücksällr. Wenff er. bei einem Krausen den ganzen Zubehör seiner abergläubischen Gebräuche erschöpft, wenn er wiederholt und ohne Erfolg im Andacht-Hause am ^Sonnabend -für ihn gebettt, so sogt sich der Israelit sowohl wie der Araber: „<s4 ist bestimmt, daß hieftr Kranke sterben muß," und er überläßt ihn der Gnade GoueS. Os^Mnug, habe ich' diesen grausamen >• " :A '