Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 40 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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159 ver Wüste und weinte, -prr* nrp r« wer*', Nfie der heilige Tert sagt. Daganz orientalische Gewanv der jungen Mutter konnte meine'^Illusion nicht zerstreuen: chr Kops war umhüllt von einem farbigen Turban, j «us l welchem Flechten eines gekräuselten, tirfschwarzen HaareS entwischten. Ein weiße-, weite- Kleid ohne Aermel, durch, jwej Agraffe auf dtti Schultern »estgehalten. durch eine lange Schnur in der Taille gegürtet, und in breiten Falten bis auf vaS Bein fallend, dies war ihre einzige Bekleidung. Ihre nackten Füße betraten furchtlos' den brennenden Sand der Wüste. Ihre Arme wairen mit Armbändern belaßen und ungeheure Ohrringe sielen auf ihre Schultern. , , Hingezogen durch einen unwiderstehlichen Äuijsch, mit dieser Glauben-genossin zu sprechen, deren Schmerz mir rin lebhaftes Interesse einflößte. entschloß ich mich' ihr zu nähern, weniger jedoch, um zu erfahren, weo sie beweine, (die Bescheidenheit verbot mir riese Frage), alum einige Detailüber die Israeliten von Lagbouat zu hören, mit denen ich gern in Verbindung treten wollte. Gefolgt von meinem Freunde, per mir al- Dolmetscher diene» sollte^ ging ich ans'die junge Mutter.zu, m dem Augenblicke, wo ste, ihr Kind auf ihren Arm nehmend, nach det Stadt, zurückkehren wollte. Bei unserm Anblick entfuhr ibt ein Schrei und ich sah ste zittern. - „Friert sei mit Dir, Weib von Israel," redete ich sie sanft an, um sie zu beruhigen. „Wir sind Freunde, und wollen Dir kein Leidethun." i Set e- Schrecken, ihr durch den Anblick eineh Franzosen eingcflößt, sei e- Blödigkeit, sie antwortete. nichts und schien mir nicktbeschäftigt alihr Kind zu beruhigen, dasich in ihren Busen verbarg, indem cS Furchtgeschrei auSstieß. Aber bald durch unser freundliches Aussehen beruhigt, sagte sie. die Augen niederschlagestd, zu mir und mit sichtbarem Zwang: ..Adonai sei Dir günstig, Sohn betz Franken.!" ,,3ch bin Franke,^xs ist wahr," antwortete ich ibr, „aber ich bin wie Du ein Kind Israel-." ' Bei diesen Worten lief ein Lächeln de- Unglaubens über ihre. Lippen. Tie Mehrzahl der Juden in de t tieferen Gegenden Afrikas nämlich bezweifeln durchaus, daß jenseits des Meere- Glauben-genoffen eristiren, noch weniger können sie, die armen Ausgrstoßenen in der arabischen Gesellschaft, sich einbilren. daß ein französischer Jude irgend einen Rang in der Armee,'wie seine Mitbürger eineandern Glauben-, bekleiden könne. Die Zweifel der Frau hinsichtlich meiner Religion erklären sich daher leicht. Ich recitiric daher die heilige Formel Schema Israjel, auf welche sie mit Eifer durch den Vers Baruch .Schein Kcwoii etc. antwortete. und nun war ihr Unglauoe zerstreut. Da sab ich ihr edle- und kindliche- Antlitze dessen ganze topische, ven Töchtern der allen Race Israeleigene Schönheit der Mond, der sich in diesem Augenblicke am Horizonte zeigte, erscheinen ließ, sich glätten. Ihre großen schwarzen Augen, eben noch mit Thränen gefüllt, glänzten wie zwei Sterne, unv ihr Mund ließ beim Lächeln Zähne, weißer -1- Elfenbein, sehen. Dann legte sie. nach > arabischem Gebrauche, die Hand aus ibr Herz, mit der Indern streifte ste die «einige, um ste hierauf an ihre Lippjn zu' führen. Ewar die Freude eine- Kindes, die iq > ihrer ganzen Unschuld au-bricht. Deny. obschon Mutter?, war doch meine schöne Glaubeu-genosfin nur ein Ki»d und zählte nach de« Zügen ihre- Gesichtekauin fünfzehn oder sech-zehn Jahre. , ' ’! „Giebt eS. Venn im Frankenkanh wie hier Jehudim?" frug sie mich voller Staunennach einigen Augenblicken Stillschweigen. . ^Sicher, ste sind dort sehr zahlreich.!und Alle lieben da- Land, welchesie alseine Kinder angenommen." „So sind nicht alle Kranken schlechtfrug sie naiv. ../.Die Franken, mein Kind, sind nicht schlecht," antwortete! ibr mein Freund. „Sie sind gut und großmütbig, und, früher oder später, werden Deine Srüder erkennen, - da^ sie mehr Bortheile genießen unterder Herrschaft der Franken alver Araber." Diese Worte schiene«, die junge Jüdig wenig zu über« -zeugen und ein leichte- Kopfschüttkln zeigte an, daß ste no4 zweifle. Wir werden.später die Gründe ibrer Abneigung gegen die Fraüzofen erfahren. — ,,Aber," sagte ich zu ihr hierauf, „wir haben Dich weinen-litto seufze» gehört, unv gewiß bat Dich ein'Unglück beiroffkn. Können-wir Dich durch Etwas trösten?" —- Bei l djesen Worten fuhr eine Wolke über hrr Stirn, und sie guUvortcie mix, ihre. Auge» zum Himm'l erhebend: „Die Menschen vermögen nichtfür mich. Adonai hat mich unglücklich gemacht, .Adonai allein kaiui mich trösten. Den! ich beweine, war mein kheurer Gatte und ries -ist seine Waise." '! . j Sie zeigte aus da- Kind, welchejetzt Um ihrem Busen schlief. , i Da ich > eine Unterhaltung nicht sortsesen wollte, die ste liaurig^hlachta, frug ich sie: ..Darf ich Deinen und Drinles Baker- Namen erfahren?" „Ich bin Noemi." antwortete sie, „die Tochter Eli. jahu^ de- Rabbi, Rebecca ist der Nmne mjeintzt Mutter.-'' Diese einfache unv naive Antwort, diese biblischen Namendie reine und unschuldige Miene der jungen sDitwe flößten mir vey/lebbasttsten Wunsch ein. in ihre Familie Eingang zu stnderi? und hier Sillen zu beobachten, die ich mir im Voraus sehr verschieden von den evr^xäisch-isrcte« littst »en dachte. Ich ihak daher Roönn mehlen Stand als Arzt kund, so wie meinen Wunsch ibrer Familie zu dienen, wen» ein Verwandter erkranken würde. Da rief da-junge Wer» auS: i „Gesegnet seist Du, Bruder in Israel! Deine Worte sind süßer als der Saft der Datteln, und der Engel de- Allerhöchsten hat Dich gewiß auf meinen. Weg gebracht, - daß Du meine arme Mutter heilest, welche seit drei Wo, chrn nach Schebuvth krank ist. Wir Hab n zu Adonai gebetet, wir haben alle Heilmittel angrwent :t, aber mriiu Mutter Rebecca.leider noch immer.." „Höre, mein Kind, Gott allein kann Deine Mutter hellen. Ich will, jedoch alle- Mögliche thun. um sie gu > erleichtern. hoffen wir. daß sie von ihrem! Leiden befreit werde.' Morgen will ich sie besuchen, untnjdeß fahre'fort zu Gott zu beten."! . Dreimal sei Dein Name gesegnet!" fahre ste zu mit einer Stimme, welche ihre ganze kindliche Liebe verrieth. „Komm in das Haumeines Batch-, Du wirst ger»! gesehen sein;— aber stebe, der Mond Leigt am Himmel herauf," fügte ste mit geheimnißvollerlRie»r hitzzu, „dies ist.der Augenblicks wo die Rucholh ^Geister),durch die Lüfte wandeln, und eist^ntch» klug, hesoukoert drei >