Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 39 (1854) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
39 (1854)
Date
1854-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/4908862-5999329-6000632--0254-4909030
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zur Belehrung und Anterhaklung aus jüdischem H^kiete. Herausgegeben von j -p Rabbiner Dr. Ludwig Philipps«» in Magdeburg. >/ | sRo. 39. 1854 ] Don lirtrr Itiitck>rik« rn'd'fiAt gangs 1 Tdlr. DirrtrÜivr'S 71, unf Zrliuiig»kl^tt'i o ö-i-«nUia> rinr Anwmer. f trM tri Jahr- ■ , Ä« Mir fud-lMoMungm, D»N> »>rr rutrt nrtmrn PpIrDunurn an. [1. jfllirg. 3.<ai«»rUt.] DaS Erkennungszeichen des Judenthüm. Jüngst war ich bei einem jüdischen Prediger zum i besuche, welcher, wie da» ja häufig ist, Penfionaire b ll. Er hatte schon seit Jahren jüdische Knaben auS Wist ndien, welche sehr gediehen find und von denen einige bereits die Universttai besuchen. Er erzählte mir: Vor einiger Zeit kam eines Tags ein Knabe in mein HauS, der nur von dem tzapitain des Schiffes H., das so eben aus St/TbomaS angekommen, zugesandt wcrd. Der Knabe halte keinen Bfief an mich, sondern nur cm den Handelsagenten R., der von dem Herrn M. ift öt. Thomas benachrichtigt wird, er schicke hiermit seinen 14jih» rigen Knaben zur Erziehung und der Agent solle alle .ko» sten berichtigen. Er konnte kein Wort deutsch, indem er auf dem Schiffe von den Matrosen nichts weiter als die Worte „di^ai/ner Junge" gelernt hatte, hingegen fplan sch, englisch und dänisch. Er schien in jeder.Beziehung >e» wahrlost, denn von seinem Vater selbst hatte er 'keinen andern Begriff, aldaß er Prügel von ihm eMpfan len. Er war von einer Schwarzen genährt und — erzigen word-n. Meine erste Sorge war. ob er auch' jjivi cher Religion sei? Aber wie vaS erfahren? Hebräisch lesen konnte er nicht, verstand auch kein Wort, das ihm vorgelesrn ward. Mesusoth, Thephillin. Arba Kanfvth kann e er nicht. Hingegen trug er ein sogenanleS Kamaichen, für VaS er überaus besorgt war, denn sein Vater hatte ihm gesagt, daß er sterben muffe, sobald er dasselbe von sicht lasse. Endlich, da ich schon gar nicht mehr auS wi ßle. fing ich an: Sekemrf. Jisrael-und stehe, der K tabe sprang vom Stuhle atzf, und sprach stürmiM: Sch« ma, Jisrael, Adonai, Elohemi, Adonai Echod! Baruch sc tarn kewod etc., und die bellen Thränen lieft« ihm labei von den Wangen ... ES war. fuhr! der Prediger fort, eine ergreifende S:ene, diese gegenseitige Erkennung als Juden über das Welt neer hinweg in dem Worte, in welchem sich alle Kinderi Jl da'» wied^rfinden, in dem vreilausendjährigen Worte Moscheh S... II Die» erinnerte mich lebhaft an eine, auf chairer Geschichte beruhende Erzählung, die ich früher einmal ge, geben*), und zwar lautet die betreffende Scene folgender» maßen. Ein ftanzöstscher Soldat erzählt: , ES war im Jahre. 1807. Wir hatten die gr üßen *) Dr. Salto. Ph.ilippsoa'S Caro«. Baud II. C 179. bei Jena geschlagen, bei Halle allen Widerstand vernichtet, wir waren triumphirend in Berlin eingezlogen, und nach kürzer Rast auf die Verfolgung deS Feinbe» -cut^ezogen. Bei Etzlau batten die Franzosen eine tüchtige Scharte bekomme». Aber wir wären mehr als je entschlossen-, dieselbe bei erster Gelegenheit wieder auszuwetzen. ES war am 23. Juni, als die Feinde sich wieder gegenüber standen, und am folgenden Morgen sollte b r Schlachtrngott abermals die eisernen Würfel werten. Rem Regiment lag gerade dem feindlichen Lager am nä rsten gegenüber, die Vedetten konnten gegenseitig den Amuf ihrer Feinde, 'hören. Ich stand mit einem, lieben Kanr!eraden auf einem entfernten Posten, eS war die erste.-'Stünde der Nacht: Noch sehe ich vom Hügel, der mit EschenI umwachsen war, herab hie weite Ebene, vom Mondesglaift beschienen, vor mir liegen. Ich stand auf mein Mordger^ehr gestützt, und betrachtete daS Thal. Weithin erstreckten sich in zwei Schlaugenllfliiu die Wachtfeuer, ^Älle» war still, bür aus einem nahen K^vallerielager hörte man daS Stannfrn und Wiebern dlep Streitroffe. > ™ Ernste Gedanken zogen durch meine Seele, ernster als je. ES war mir, als kämen auf den F ügeln deS Rächt» winde» die Geister 4»er verlebten Zeiten zurück, um me:- nem^einfamen Herzen einen lang emwöl nttn Besuch abzustatten. Begebenheiten, an die ich ewig lang nicht gedacht, traten verkörpert au» Wind und Wolke, RondeSglanz und BautneSfchatten an mich,'heran. Ich sah wieder Len Leichnam meiner Mutter vor itzir liegen,, den Haler da» schweiß», kalke Haupt röchelnd auf Dle Brust senken, ich sah die rauhe Tante binter dem Ofen gekauert;,Idie Bombe schlug auf da» greise Haupt msines Wohltbäteie» ein, unv Sara jagte jn Todesangst die -Stiegen hinauf; dann kamen die Freunde Ebenen ich auf^dem Echkächtfelde die Augen zugedrücht; in weite Todtenbemden gekleidet zmgn Schaaren in 8d^ Lazarethsäle ein, und nickten vorübeiÄandelnd mir zu; brennende Städte gingen am Horizonte auff' Schlachtgetöse umwogte mich, und — als Alli>» ,um mich versammelt war, riefen ste im Chorus mir zu: Morgen bist Du ..... ..unser!" glaubte ich in den Lüften zu hören — als mein Kamerad meinen Arm ergriffen und1 mich schüttelte mit dem'AuSruf: Schläfst Du, Bernhard? stehst Du doch eine halbe Stunde schon, als hatte der; Mond Dich zur Salzsäule gewandelt, und rührst Dich nicht! Kein beiteyt» Lied diese Rächt zur Beschleunigung der träge, Zeit, kein Scherz, kein muthiger Kamtzfe^rang. Ich «ug die Ahnung deS Tode» in meiner Brust: Al» - ich abgelöst ward, eröffnete ich Meine« Freunde meine Gefühle,- und trug ihm die Verwendung meine» Flettten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.