Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 38 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JJefetjrung und UulerKgstuUg aus jüdischem Zekiete. Herausgegeben von .! \ Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. > 4»^ -O^sr fl 1 4*on \wf«r (r '<S(tnt ■rod-rntlid'«int Summer. Preis kes?adrr* c± l |*IC0« «rl. IcI3y. I flJUii*1 I Iblr. tiifTrnjönriü +/, St.-r. *ll]f **ii<M.inMiin,Kii, Peü.imier I ViJ* *^«*»*J " uni 3fitus*<brttitipnfit nrtwtn e/ft»nnnnfn an. l*'e'"9*B 3. ffinflrtfll] Der Mcssiasglaube und Israels Hoffnung. Wenn lange vor Tagesanbruch ver Pilger seine Her« berge verläßt, bann durch die noch ftille, dunkle Nacht da«' hin zieht und in ver laut- und regungslosen Nal^r ohne Farbe und Glanz sich einsam und verlassen fühlt; da wird er gar leicht von einem bangen Gefühle ergriffen. Er richtet aber alSdann sein Haupt empor und schaut nach oben, rro der Sternenhimmel, ein unendlicher, unersaßlicher KreiS von leuchtenden Welten in endlosem Bogen sich wölbet und ein tiefer Ebrfurchrschauer vor den erhabenen Größen, die ihm so fern und doch so sichtbar, so anziehend und koch so unerreichbar, so verwandt und doch so fremd Vorkommen, so ergreifet ihn, er fühlt ein unnennbareS Sehnen und Hoffen. Nun eutzieben sich die fernen Weltkorper seinem Blicke, die funkelnden Sterne fliehen und ein neuer HoffuungSstrahl zeigt sich; ein weißer, heller Lichtstreif ich Osten verkündet den Aubruch-deS TageS. ES liegt etwaS Freund« licheS, etwas Heimliches kn dem Bewußtfein von »er An« kunft des Morgens, dieses friedlichen, lachenden HtmmelSboten. Der Wanderer, dessen Sinn erst in sich gekehrt und nach oben gerichtet war. fängt an in seiner Stahe die Schönheiten der Schöpfung wahrzunehmen und zu betrachten. DaS Ohr hört die verschiedenen'Töne der neu erwachten Tbierwelt, besonders den lieblichen Gesang der ge lederten Waldbewohner; bas Auge entdeckt die schönen, ma migfaU tigen Farben und Formen der Natur. Wenn r uii die Morgenrötbe die Ankunft der Himmelskönigin melrrt!, so wird der Pilger wieder neu von Hoffnung hefettU von Hoffnung nach Licht und Warme. Er durchzifht> nun die weiten Strecken Berg und Tbal, sei» Auge ergötzend an vem bunten Teppich, wo die Pflanzen ihre Kronetz ukv Kelche öffnen, um den erfrischenden Morgenhauch zu! alhmen und den süßen Morgenthau zu trinkerr, wofür sie hinwieder mit ihren duftenden Wohlgerüchen lohäem — Auf dem herrlich bunten Teppich der Pflanzenwellt bewegen sich die mannigfaltigsten Gebilde empfindender Wesen, die in. auf und unter den Pflanzen Freude fühlen ov deh aufgegangenen Sonnenlichts, und diese Freude'dusch Bewegung kund chun, und dadurch ein Streben, ein hoffen an den Tag legen. , Dort schreitet der Säemann durch die breiten FujrchSn seines Acker- und bolt auS seinem wohlgesüüten Sacke die köstlichen Samenkörner, die vielleicht noch da» Einzige sind, womit er die Bedürfnisse der Seinen hätte stillen können. Er muß aber dafast Unentbehrliche ihnen entziehen^ um eS der Erde zu geben; darum gehr er hin und «feint. Zif seinem Busen aber lebt die Hoffnung, sein Same werde nicht in den Wind gestreut; sondern ‘bei Hetr 'werde ihn ' aufgeben lassen, auf daß er gedeihe unt! heranwachse zur vo len Athre, vaß er mit Jauchz««. als Garbe -eimtragen we:oe, watz er unter Thränen gesäet. —j- | Hoffen ist der mächtige Impuls. der sich durch daS Leben hindurch zieht, die große Triebfeder zu allem Strebe« und Handel.»; Hoffnung ist die Quelle glleS WollenS, die jedem Beginnen, Schwungkraft Verleihs und ohne welche das Leben eine Oede. ein freudenloses Einer» let wäre. I I . In dem Leben Israel» spricht sich!eine große Hoff- «uNg aus. die wie ein leuchtender Stern! so manche. Nacht / seiner drrirausendjäbrigen Geschichte erbelll. Israel ist'der Pilger, der in der Nacht des Aberglaubin-' und deö-UngehiachS hinauf zu den Sternen schaut imb Befriedigung sinher in dem Anschauen des Ueherirdischen und Himmlischen. Israel ist der nach Osten Blickende, der auf die' Ankunft der Morgensonne hgrrek, die da Licht verbreitet aus »vem Ervenrunde, hoffet aus den 2a j), da die Erve voll sein wird der Erkenmniß wie Waffer beü Meeresgrund bedecken.. Die Culkur drS Menschengeschlechts ist ihm der weiße Lichlstreif, der daS Herannaden.eines freundlichen, friedlichen Morgens verkündet. Israel ist der Säermmn, ver sSlB<Kostharstcs der Furche ddr Zeilen anvertraut, der Alle» chingegeben bat für seinen Glcuben, für seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auf einAn Erlöser. , (Sl ist etwas Schönes und Großes um lJsraels^offnung, das großartigste Streben und Wollen, l!aS diel Geschichte vo« einem,Polke aujzuweisen har. ein Glaube,! der gim; mit ihm verwachsen und von der Zeit und von beit Stürmen' noch nicht erschüttert werden konnte. WgS sichrer Philanthrop als höchst,- Ziel menschlicher Bestrebungen, alS End- und Höhepunkt der Menschengeschichte denkt, davon reden die Propheten Israel» vor mebr denn zwei tausend Jahren in gottbegeisterten Poesie». Ihr Bild von der Zukunft Israelist kein Phantasiegemäld'e. fordern ein Lebensbild auS der zukünftigen Wirklichkeit, dqt wie ein Lichtstrahl dasteht vor dem Geiste veS Israeliten und sich wie eine wohllhuende Sonne tief in sein Herz versenkt.—" So Großes auch daS menschliche Geschlecht in seinerEnt- . Wickelung kund gegeben i% der Wissenschaft, m >per K^nst. und in der Technik, und so sehr eS auch fortgeschritten, noch ist eS ferne von feinem Ziele, so lange noch ^eS Jammers und HaderS so viel ist auf Erden und die jl» gen eines noch fo großen TheilS der Menschheit von Nebel und Finsterniß umhüllt sind. — Wenn aber einmal der Blinden Augen ausgehen und der Taube« Ohren