Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 37 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4908862-5999329-6000629--0244-4909022- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1 Indisches KolMlätt Zur Resehrung und Anlerhaftung auf jüdischem Hkkiele.' Herau-gegedra von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. INo. 37. 1854.] Lon 6it(<r 3eiif6rfft «^ftbrinr wk-chtnili» rlnt Kummer. 4'tn* re* Jabr» «rng* 1 tblr. ,!Öifri(!)Uhri^ T/, Mae. *tfje •‘u1! I' niMinpiii . fpftlmttt und 3emin**erreriiipnrn tiebmfe feGrttrnufr »h. lI.Zihn. 3.«H>arUI.J Die Wirkung der Liebe. «uo ..Pein, unk Icrmitf“ ppu Jbt* Rl-iirai Ueberfeßl von Radb. Dr. Mkiscl. . , Die Liebe ist die wunderbarste Kraft, — DK herrliche Entwürfe schafft. — DaS feigste Herz bar ste ermannt; — erschloß dem Geizigen die Hand; — sie klärt de» HirneS trübsten Saft: — qiebr Stammelnden der Red« Kran;'— ne macht den Trägen — sich rüstig regen;— sieht Könige si<b zu Füßen liegen, — und Heldezi, die gewohnt zu siegen; — ne ließ zuerst die edle Sitte schalte», — und sorgt noch jetzt, sie zu erbalten. — Wo ffei die Morren aufgethan. — muß Herrliche- und HroßeS nabn; — in ibrer Psieger Kreise -7ist heimisch frohe' Weise, — in ihrer Gönner Brust — wohnt Heiterkeit und Lust. — Wo sie sich herrschend weist, — schwingt hoch sich Her; und Geist. — Und sie nur kann vereinen, —- die treu mit Gott eS meinen. —' Der Liebende erwählt da- Schöne nur. — verfolgt de- Eklen reine Spur, — daß zur Geliebten er gelange — und sie an ihm noch fester bange. — Davon gab einst ein Prinz Beweis. — „Wie fo denn?" frag« ihn der Greis. — Der Jüngling sprach: „Ein König, s»er an Einsicht groß — blieb in der Eh' lang kinderlos. — ' )m Greifenalter schon — bekam er einen Sohn, — Der Prinz ward groß. — doch geist- und sittenlos, — ganz baar an aller Liebe, — beherrscht vom bösen Triebe, — in seines Hirnes engen Schranken — erzeugte»! wirr sich die Gedanken. — Des König- Kummer war — darob ganz unnennbar. — Er ließ von Völkern in den fernsten Polen — die Weisen und die Lehrer holen. — um seinen Sohn> zur Einsicht zu erzieh»; — doch blieb vergeblich all' ihr Müb'n. — Der Lehrer einer, der gewandt, der stetdem Prinzen nahe stand, — «beim König eine- Tag'- erscheint, — und stöhnet, weint. — und meint: „Mein königlicher.Herr,. — wir fürchteten ibi-her — de- Prinzen ganz verdeibten Sinn; — doch gaben wir uns auch der Hoffnung hin, — wenn auch nur einer schwachen. — er würd' zur Besserung erwachen. — Nun müssen wir Dir frei gestehn. — daß wir auch diese schwinden sehn. — Er zeigte Leidenschaften neulich, — die ganz abscheulich, — gräulich!" — „Was istnun wieder: sprich eau-." — befahl der König voller GrauS. — Der Lehrer sprach: ».Wir mußten jüngst vor einem Hause gehn,' — wo unser Prinz ein Mädchen hat gesehn. — in daer sich so grenzenlos verliebt, — daß Speis' und Trank ihm nicht Genuß mehr giebt. — Ein jede» Dort will er auf enur lenken — und freut sich nur mir diesem Ängevenken." — niflitmt — aler auw Kaum, daß dtr König dieverschon da- Lied anstimmr: t /.Du sürchvest. mich zu kränken. UnN Haft mich froh gemacht; Zch will- Dich reich beschenken: Hast gute Kund' gebracht!" Und nahm den Mainel ab, den'richen, um ihn al- Botenlohn ihm darzureichen, — und spricht: „Mag (8«t Dir so verkünden, wie Du mi ikündeft heur, — Dich tröstend so erfreuen, wie Du mUb hast erfreut; jetzt hoff' ich mebr, alich'- bisher getchan, — baß seine Besserung sich bald wird nah'n." — Der König ließ^ der Jungfrau Vater holen. — der schnell! erschien, wie-ihm befohlen, — und sprach: ..Ich habl für Dich .geheime Kunde. — doch bring sie nie au- Deinem Munye, es drmgt Dir hohen Reichthum- Fülle.!-*- wesin io Du rhust, wie emein Wille " — ,.3ch ^in in Deiner Hand, —I mach' mir den Wunsch, bekannt; -l~ ich hör' al- Un« rerthan — und. thu. wie lch empfahsn,^ —. entgegnet, der Mann. — Der KöniH: „Mein Soda liebt so sebr Dnne Maid, daß er ihr ganz das Her; geweiht, — baß au rer ihr ihn nichterfreut. — Drstm geh« hin, verkü tde ihr, — daß sie sich schmück' mit höchster Zier. S-llt' er am Haus vorüber gehn. — mag trauernd sie aiy Fenster stehn. — mü Liebesblicken zbm nachsehn. — Döch ruft er sie, soll sie ihn nicht erbören^ — und grüßt er! sie. nicht Gegengruß gewähren. — Wenn Boten sich von lhm einfinden. — soll sie ihm frii durch ne verkünden: — sie gäbe.sich nur Fürsten liebend hin. — und Männern mit königlichem Sinn. — 'doch einem Knaben niwmermehr, — der aller hohen Bildung fter. — deß Leben-weg verkehrt, — der keiner Achtung werth.'? — Der Rann bat sich empfohlen — und thal, wie ihm befohlen. Die Jungfrau auch bar sich als klug bewährt, —t,vollfükrte streng; was man begehrt. — 4llmau degi Ptinzen offenbart, — warum er so verschmähet ward, — hch er beschämt zur Erd' geblickt. — weil ihn die Schande schwer gedrückt; ■— und er begastn! mit innerstem Grglühn, — um edle Sitten sich zu mühn. — war Tag und . Rscht beflissen. — nach hohem Wisse«. — bi» weit sich ih« das Herz erschlossen, — und sprudelnd sich in es tu. gdffen — der edlen Sitte Kraft — mi; reicher Wissenschaft. - für Alles Schöne'«lutb. — zu allem Großen Murh. — er reuvosi sich gestand, — wie schmachvoll sein bisher'ger Stand, —- wie er gehaßt »ar und verbannt; — erbat dom Bäte* Silber, Gold, — das edlen Zwecken er gezollt, — und Pferde, so wie W« gen. — um’ selbst^- 'S