Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 36 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. 3ur «Verehrung und Anlerhatlung aus jüdischem HeLiete. Herau-gege-en von Rabbiner Vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. ~ ' [9to. 36. 1854 ] Bon dtrsrr 3<it(thrift fnd*t«t rödxittliril(int 9itinintr. ->r„« fr* Jahr* «anal 1 tblr. Pirrteljäl't'g V/. Rar pme PtuHinNunnrn. PoftL«»r und Zei«una«xotktttonen »rdnirn E'riirllunarn ->rn ll.Zahrg. A.Ovarlal^ Orobio. Au» dem Französischen von Emanuel Hecht/ <Nui einer wahren i^eichi-hi» beruhend.» > I Scr n'«|unfl unh- S -hluft.). „Ich willige «in," antwortete der Dortor gelassen, „daS, waS ich zu erzählen habe, wird diesen Herren zür Erklärung der so eben gesprochenen Worte dienen und ihnen beweisen, daß vaS Opfer. daS ich meinem Glauben gebracht,, vielleicht viel schwerer gewesen. alS einen Bürgermeister in das Wasser zu werten." Die Trinker. alS sie diese Vorbemerkung hörten, eilten. ihre Tafel zu verlassen. und einen Kreis um den Ofen zu bilden, in wel» chen ein neueS Brenmnalerial gelegt wurde, und alle diese eigenthümlichen Gestalten sonderten sich auf dem finstern Boden der schwarzen Schenke, die durch den Wieveri'chein der dampfenden Lampe beleuchte» war. gruppenweise ab. Der Sturm brauste heftig vsn Außen und bekräftigte durch seine unregelmäßigen Windstöße gegen die Fenster Orobio'S Worte; auch der von Außen gegen die mit achtfachen mir Blei verbundenen Glasscheiben berabstürzende starke Regen schien'seine Erzählung zu bekräftigen^ die er folgendermaßen begann: „Die Geschichte, die ich Euch erzählen werde. ist traurig. DaS größte Unglück durchzieht meine Laufbabö. obgleich ich noch kaum dreißig Iabre zähle." — „Ä:elßig Zähre!" schrie die Versammlung Mit schmerzlichem Erstaunen; denn Orobio schien 4u-r»zig alt zu sein, und ohne Zweifel hatte der Kummer die frühzeitigen -Runzelst, welche sein sonst edles und ausgezeichnetes Antlitz iniit Furchen überzogen, bervorgebracht. ),Mein Vater. Ton Cesar Orobio, war rin reiches Bürger in Madrid, der Hauptstadt Spaniens, und Besitzer eine» großen Vermögens. Von den schönsten Schlössern, den reichsten Feldern, von Gold-in Menge, den prächtigsten Möbeln, den Zahlreichsten Bedienungen sah ich mich in meiner Kindheit umgeben. Diese Reichthülyer wurden, nicht von ineinem Vater erworben, sie wurden ihm durch ein väterliches Erbe, und um dies zu erhalten, wurde den Voreltern ein großes Opfer aufgelegt. Ihr habt ohne Zweifel reden gehört von jenem GlaubenSgericht. Inquisition genannt, welch,- unter dem Dorwanve. die katholische Religion zu schützen, sie mir so vielem Blute bedeckt hat. Seit der ersten Zeit ihrer Entstehung Spanien verfolgte die Inquisition die Juden, und endlich am 31. März 1492 nöthigte sie sie. die Halbinsel zu verlassen. Man muß unter einem so schönen Himmjtl. wie Spanien, und auf so fruchtbarem, angebautem Bizden gelebt haben, um zu wissen, wie schwer eS ist, eine solch« Heimarh zu verlasse». Die Verbannung schien meinen Voreltern unmöglichsie zogen die Abschwörung vor. und gesellten sich zu den Tausenden von Familitst, welche in Spanten blieben. Allein da. eS nicht die Ueberzeugung, son» der» die Nochwendigkeil war. welche sie zu dieser Bekehrung geführt Hatte, for blieben, sie im Herzen Israeliten und wurden nur äußerlich Christen. AlS! die Juquisttioa sich bintergangen'sdh/ nahm sie die härtesten Maßregeln gegen die jüdäisire-tden Personen, und diese grausamen Martern werden einstvon später» Geschlechtern mit Schrecken gehört und kaum geglaubt werden Können".' Meine Großetterw 1»,fuchsen fleißig, die Kirche, spielten die Rolle ved Kaibsliken. Aber in'S Geheün beschnitten sie. ibrc- Kinder, wa» sie auch meinem Valor thaten. Don Cesar jedoch, bei welchem der jüdische! Eifer erstorben, ließ mich kaufen, und suchte mich in der katholischen Religion untirrichren zu lassen; nicht-weil Ii,S eine GewifsepSpflichr für ihn war/ denn er felbff baue niemals d^ran geglaubt, sondern weil er sah, baß die Rache der Inquisition immer furchtbarer würde. Entschloß er sich, vhllig mit dem Iudenthum zu brechen, ünd seine Minder zu freien Katyoliken zu machen." - ..Unglückticherlveisewar meine Mutte», die noch, im Herzen eine gute 'Israelitin war, diesem Plan« entgegen? und »vre Gespräche und Vorschriften psihnzien in mein Hsrz. wie in vaS meiner Schwester und »einer zwei Drü- - der.-in der zartesten Jugend daö Bewußtz'ein, daß pur im jüdischen 1 Glaubin daS Heil der Seele zu finden fei." Don E^sar konnte nichthiegegen machen, n»si er seine Frau zu sehr liebte. 'Wir wuchsen heran, > nd unsere Erziehung schritt voran. Zur Mediciu bestün.mt, machte ich f schnelle Fortschritie. in dieser Wissenschaft, und meine Schwester, die von einer entzückenden Schönheit wgr, wurde atj einen schönen. Hidalgo vrrheirathet, dl nach weniger alß einem halben Jahre eine furchtbare Ikraytheit meine Äutter und Schwester und meine zw i Brüder hinraffte. Mein Schmerz war ohne Grenz« i, die Verzweiflung meine- Vaters aber ist unmöglich zv beschreiben. Der Kummer br^^ ihn an den Rand de- 8rabeS, und er kostme nure^Msam dem Leben «nd den Gefühl deS erlittenen fchw^Hen Verlustes wievergegel en werden. Seit dieser.Zeil wurde er sehr düster.- Da» Geringste reizte ihn. Zeine Augen waren wild, und ich erkannte eS bald, daiß die peinlichsten Gefühle sein Herz bestürmten. ES bauert, nicht lange, alS ich daS furchlba e Geheimnis erfuhr. Mein Vater, von GewiffeuSbiffev gequält» gab der Lauigkeit in der jüdischen Religion die schuld seines Unglücke-. welcheihn heimgesucht, und hie Stimme de»,