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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 33 (1854) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
33 (1854)
Date
1854-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches keieheung unf) Anlerhattung aus jüdischem gebiese. sRo. 33. 18S4Z Herau«gegebm ve» Rabbiner vr. LUdwig Philippson in Magdeburg. von votier Zeiiltrift «ins Summr. Pk»i« r,« Aabrgang< 1 Ldlr. Swrttlf&bng Ägr. HD« VuAbanMuagtK. und Zeuungsexrelinon«» nebmeni vkftellang«» an. II.Zahrg. 3.G>«r1«l^ Der Awetschaen - oder Büntelkrieq im Jahre 1802. Aus d«r Sch»n^ Boa etaem Aageazeagen erzählt. Wenn Du om Abende de« Sabbathe« vor den Selichottagen in einer der Synagogen der Gemeinden Endingen und Lengnau zum Minchagebet Dich einfißdest, so hörst Du nach Aschre den Schäme« auSrufen: „Man ist dem Olem modia, daß jeder in der Khila vom 18ten bi« zum 60sten Altersjahre fasten und den Tani« auslöfrn muß." - Frägst Du nach der Ursache diese« Fasten«, so erhältst Du zur "Antwort: „Diese Verordnung (T1?!’’) besteht seit dem Zwetschgen- oder Büntelkriege." Dieser nun war eine Verzweigung de« allgemeinen Aufstande« in der Schweiz von 1802, der im Baderbiete in der Fopm einer Judenverfolgung auftrat. Weil!er zur Zeit, da die Zwetschgen (Pflaumen) reif waren, vorstel, wird er Zwetschgenkrieg genannt, und weil man viele Plünderer mit Mänteln sah, auch Büntelkrieg. — Die unter dem Einflüsse de« französischen General« Montchoisy gesponnene Jntrigue (vom 27. Oktober 18Ö1) der beiden TagsatzungSabgeordneten, Dolder und Saväri, zweier mittelmäßigen, aber klugen und gewandten £6^ff, ging so weit, daß sie mit Beseitigung de« Verfassung«- entwurfs der Tagsatzung eine in Pari« rreirte Cosiststution den Abgeordneten der schweizerischen Nation aufvrätigten und somit die Republik vernichteten. Die Edlen und Gutgesinnten im Lande riethen nun die Einheit dadurch herzustellen, daß die beliebtesten und kenntnißreichsten,Männer der Schweiz al« Notable sich versammelten und eine Verfassung beriethen, um sie vem Volke vorzulegen. Allein die französische Jntrigue arbeitete den Föderalisten, Pfaffen und den um ihr Land«g,meindewesen besorgten und eifersüchtigen kleinen'Kantonen dermaßen in die Hände, daß sür da« Einheitssystem kein Aufkommen war und somit der fremde Einfluß in der Zersplitterung und im Kantönligeist seine Stütze hatte. E« gelang diesen Umttieben, dahin zu. wirken, daß die von den Notabeln entworfene Verfassung vom 20. Mai 1802 bei der Abstimmung der Nation nur eine schwache Mehrheit erhielt. Die Urkantone traten au« dem Bunde. Zürich versagte zweien helvetischen ätompagnteen den Einlaß. Der Berner Junker Rudolf von Erlach reiste im Svlothurnischen herum und wiegttte da« Volk auf. In der Nacht vom 13. Septembn: brach e« in Baden im Aargau lo«. Diese Stadt an ver Limmat wurde von den Erkachischen angegriffen und die Nationallruppen au« dem LandeloerKieben. Ganz Unter-fllargau stund auf und die Stadt Zürich erhielt vou Erlach 600 Mann zu Hülfe, welcher, nachdem er Brugg an der Aare genotnmen, Befehl gab. durch Abdecken der Brücken zu Dremgarten und Mellingen an der Reuß dem General Andermatt den Mückzug abzuschneiden. A^r 14. nahm der Berßer Patricier Mai Aarau, und Erlach procläozirte den Aaraaurrn die Stunde der Erlösung. *" In dieser Zeit der Unordnung und de« Aufruhr« mußten die Juden zu Endiygen und Lengnau bitter erfahren, wie ^vahr der rabbinische Spruch sei: „Bete für den Frieden der Regierung; denn wäre nicht die Fmcht vor ihr, so würde. Einer den Andern lebendig verschlingen." Denn wo die Regierung Ansehen und Macht verloren hat, da haben auch, Fanatismus, Neid und Raubgier derSchlechten unter dem Volke gewonnenes Spiel, und ihre erste! Zielscheibe und ihr erste« Opfv ist der Jude. — Dow Mund zu Mund verbreitete sich da« Gerücht von einer. Judenverfolgung. die im Anzüge sei. Jede« Geschwätz eine« alten Bauernweibe« und jede unbesonnene oder übermütige Aeußerung eine« Bauernknaben steigerte die Angst uSfc- Bangigkeit der Juden. Von. einem Tage auf den andern hört» man: „Morgen kommen sie." Aengstliche« Flüstern, Teheimlhun. Neugier, unheimliche« Zusammenstehen '"auf den Gaffen. Furcht und Besorgnißauf den jüdischen Gesichtern und auf denen der beffergesinnren Christen, da« waren die Vorboten eine« zu erwartenden bösen Tage«. So auch wieder ein Tag ruhig vLrjzher ging, tza war es doch wieder die Nacht, mir welcher Unruhe in Gemüth und in'« Hau« einkrhrte. Jede« Jauchzen eine« frischen Rachtbuben schreckte auf, und jedem Flüstern wurde eine böse Bedeutung beigelegi. Selbst der Morgen, diestr freund-, liche Htmmelrbote, der Ruhe und Heiterkeit ln da« menschliche Herz gießt, war 'jetzt nicht im Staube, die ernstschwere Wolke auf der Stirne de« nefbekümmerttn jüdischen Familienvater« zu verscheuchen. Da« Wort Rousseau'«: „da« Unglück liegt hauptsächlich in der EinbUdung," bewährt sich besonder« in solch verhängnißschwerer Zeit, da die Furcht und Angst weit drückender find al« die Wirklichkeit mit ihren Thatsachen. . Auf dm MatthLuötag waren nun die Israeliten besonder« gespannt, da da« Gerücht seit einige? Tagen dmselben al« dm Moment de« Ausbruch» der Jubenverfolgung bezeichnete. E« wurdm deshalb viele Maßregeln ger trösten auf diesen Tag.. Die vorhergehende Rächt sah man stetsfort Dichter in allen jüdischen Hausern, wo man beschäftigt war/ die werlhvollere Habe eiazupacken. Hier stieß' man tm Finstern auf einen schwer bepackte» Träger, der still und geräuschlv« zum Dorfe hinaus schritt; dort

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