Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 31 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4908862-5999329-6000620--0214-4908998- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 3× ep/1002670
OCR text
3«r kelehrung unö Anterhaltung aus jüdischem Hekiete. HerauSgegebea von r Rabbiner vr. Ludwig Phillppfov in Magdeburg. ' sRo. 31. 1854 ] Bon Mn« 3«ii>d)rift trMx'M »rd'fnüd' »ine Nummer. Vielt de» Aabrgangt 1 H>lr. Dierleliibi'tz Vfa NAe.. SQe Buä>duvdln»gen. ■(•pft.’iwier unv Zeitun^texeevirionen (nebmm Beftrllun«en an. sl.Zahrg. 3.®>«ftoL] Die menschliche Seele nach dem Talmud'. Äa* * V r t di t i. (Schluß.) Welches ist nun der AuSgang des gölliichm Gerichts nach dem Tode? Seelen, die weder Verdienste haben', noch* schuldig befunden werden, fahren in daS Gehinnom, kommen aber durch Reue unv Sehnsucht (nach dem Bessern) ^wieder herauf. (Raschi: Sie weinen und stehen eine kurze Zeit unv-wcrden erlöst)'). — Sünder.idie nur leibl,ch isitznlich) gesündigt haben, fahren hinab in das Gehinnom und werden da zwölf Monate hindurch gerichtet. Ihr Körper verweset, während ihre Seele brennt. Aber die Minim (Raschi: die Gottes Wortes zu bösen Zwecken sich bedienen), die Angeber, die Epikuraer, welche die Thora läugnen; jene, welche auf Erden Schrecken verbreiteten, endlich die, welche in ihrer Sündhaftigkeit auch Andere zur Sünde verleitet haben, werden in Gehinnom von Geschlecht zu Eftschlkchr gerichtet. DaS Gehianom kann aufhören, nicht aber jhre Strafe. Rabbi Iizchakbar Abin fetzt hinzu: „ihr Aussehen ist düster und dunkel"*) Die Sünde selbst, weläft der Mensch begebet auf dieser Welt, gehet vor ihm einher am Tage des Gerichtes, sie ist. Unzertrennlich von ihm wie „ein Hund"H,^ Pabbi Elieser sagte, die Seelen der Frommen werden eingehen unter den Thron oer Herrlichkeit. Die- Seelen, der Bösen befinden sich' in dumpfem Hinbrüten (rroym ptottt 1 Raschi: eingesperrt?). Ein Engel steht an einem Welt« ende, ein anderer an einem andern Ende, und dies« schleu-1 dern die Seelen vn Ruchlosen einander zu"). — DaS Gehinnom erscheint im Talmud als „Unterwelt" (Vws), wohin alle Seelen ohne Unterschied kommest, um zur! Seligkeit vorbereitet zu werden. Ein Sadduzäer sagte zu. Rabbi Abahu: „Ihr sagt, die Seelen der Frommen votf den aufbewahrt unter dem throne der Herrlichkeit. Wie konnte denn die Zauberin zu Endor den Propheten Samuel vor Saul heraufbeschwören?" R. Abahu antwortete: „DieS geschah in den ersten zwölf Monaten nach dem Ableben Samuels, denn: zwölf Monate bleibt brtj Leib, und die Seele fährt hinauf u^> wieder! herunter. Nach zwölf Monaten ist der Leib dabin. die Seele fährt hinauf und-kehrt nicht wieder""). Hier werben also die Seelen geläutert und deren Schuld gesühnt. Der Weg ’} Rosch hasch. 4 6. 2. ' •> Das. 47. 4. *) Sota 3. 3. *) Sabb. 452. 2. s) Ebendas. jut- Seligkeit ist also auch den mibußrenigen Seelen nicht versperrt. Selbst der Ketzer Elischa den Abuja wird nicht ^davon ausgenommen"). — In Eden hingegen ist jedem ' Gerechten die Stelle nach seinem Range (Wkrthe) angewiesen^). Aber die unauSsprechlikhe Wonne ist durchaus ’ 1 geistiger Natur. In der Zukünftigen Welt findet nicht Essen, nicht Trinken statt, sondern die Frommen genießender Ruhe und laben sich an dem Glanze der Göttlich- ) keit"). Auch findet eine beständige Vervollkommnung statt. Rab sagte: „Tie Weisen haben keine Rast, weder in! dieser, noch in der zukünftigen Welt. Denn so beißt eS (Pf. 84, 8.): sie gehen von Anstrengung zu Anstrengung"»). >; Der Zustand der Seele im Jenseits wurde übrigens als rin fortgesetztes irdisches Leben, mit seinen Gewohnheiten und Schwächen, aber mit erweiterter. Erkennmiß und einem Wissender Zukunft gedacht, in welchem die . Abgeschiedenen in Allem, waS ihre zurückgelaffenen Lieben betrifft, Theil nehmen, und sich dafür interefstren. Rabbi Jannai, so wird erzählt, sprach zu seinen Kindern:. „Begrabt mich nicht in weißen Gewändern, damit ich, a wenn ich nicht ‘ gerecht befunden werde, nicht wie ein Bräutigam unter Trauernden erscheine; begrabe mich aber * . auch nicht in schwarzen Gewändern, damit ich nicht im günstigen Falle, wie ein Trauernder zwischen ßZräutigamen sitze, sondern begrabt mich in grauen Kleidern ange- , than"'"^. — Als Rabbi Jehuda Hanaffi vor seinem Ableben unter 'Andern sagte.: „Joseph Ehofin und Schimeon Ephroki haben mich im Leben .bedient, und sollen mich auch nach meinem Tode bedienen." glaubten die Schüler, er nmnsche. jene sollen seiner Leiche die letzten Liebesdienste leisten; als aber die beiden Genannten noch vor Rabbi Jebuva Hanaffi zu Grabe getragen wurden, da erkannten sie, daß er von dem jenseitigen Leben gesprochen habe "). ' — Dieser Rabbi Jehuda Hanaffi kehrte jeden Freitag Abend, in der Gestalt, die er im Leben txuge in seine Wohnung »zurück'*). — Ein frockmer Mann, erzählt."-f. det Talmud, wich am NeujahrSabend dem Gezinke seiner Frau auS und übernachtete auf dem GotteSacker; da hörte er zwei weibliche Geister mit einander sprechen', und Eine sagte zur Andern: „Komm' und laß unS ein wenig in •) Chag. 45. 2. ■ * T) Sabb. 452. 4. „ ] 'Kr •) «»ach. 47. 4. r ' * ‘ •) Das. 64. 4. «oed Katoa 28. 2. »») Satt. 444. 4. ' ' ") Um*. ,403. 4. ») Daftlbst: , i ' \ i '