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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 27 (1854) · p. Seite 108

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
27 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 108 (sequence 4)
Language
German
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108 Leben klopft, Brief. fcfaric lofi o4 der Tßüre steben. Der Briefträger in Möhrenberg jat aber drittenauch ein Amt und torirai konnte er füx lich nicht den ganzen Tag hindurch aq «der Thür " ' ^bleiben.i Mir leisen Schritten näherte ft sich daher dem! ebrer und indem er lhm leicht auf hie Schulter sagte!er: ».Herr Lebrer. ich bringe Ihnen einen einen Trief au-.Amerikas" — „Au- Amerika?" Blumeni häl, griff hastig nach dem Briefe und — erkanrte die Handschrift seine- Benjamin. — r > - R^n bat na^ fteilich oft gehört und gelesen, daß Leute durch ei le unerwartete Freutze getödtek wurden; wir könne i aber z it Beruhigung ves L/serS der Wahrheit gr m5| rzäblen, daß unier Lehrer gar nicht aflS Sterben dachte . baß er vielmehr in bunter Abwechslung bald lachte, bald nenne. l ann wieder fein« Frau umarmt,» feine Kin, der ki ßte. dem'kleinen-dicken .Briefträger die Hand schier zerdri ckte und darin sehL lange sorltübr, nur baß er dieselben Beschäftigungen in verankerter Aufeinanderrolge vornabm Endlich wutde er ruhiger, zog aueinem schmälen 4 eutelchen^einiüfe Münzen, um das Porto zu erlegen und! rückte n ichmalS dem kleinen Manne recht warm die Hand Diese trippelte hinaus, indem e> etwaüber die Kälte-Murmel e. die EineiK das Wasser in hie Augen triebe und las gute Männchen war so seelenvergnügt. daß i t nicht nerkte. wie der Brtts, den er ön nächsten Haus abgeb,i wollte.- ein schwarze- Siegel trug und eine enthielt. So nabe berühren sich. Leben Tode botsckaft und lov. — C lcht drgirgten sich die Setnigen um den Lebrer, als er ib len Benjamins Briet laut verlas. Mit pochendem Herz« i vernaibmen sie sein? Leidensgeschichte, i wie daS Schli gescheit:rt. wie nur er und zwei Marroftn aus ei nem Boot, ich qxretter und nach zweitägiger! trostloser Irrst hrr von einem englischen SLlffe ausgenommen nach New Port geengt waren. Bon rerr au» Hab» er soiort nach Hause ceschlieben und ihnen von seiner unerwarle-, trn iienung Anzeige gemacht; koch scheine e-!ibm, als sei'j ner Bn s verloren gegangen, da er vielt'Monate vergeblich alt eine Antwort gewartet habe, stiun aber lasse rt ihn licht länger ruhen -und er bitte sie^ dringend, ihn »aldigst durch eist Schreiben von den Sorgen zu befreie: . die ih i quälten. 3bm gehe ti glänzend. denn er habe eine eir lrägliche Stelle und genieße da- Vertrauen ^stine > Prinzi >a!S. Daruv« wolle er aiun beginnen, ein Klei» eS auf ne Schuld abzutragen, zu der er sich gegen seine geliebte l Eltern verpflichtet fühle und lege seinem .Schr eiben eir e Anweisung von 10<>-Dollars bei, mit der Litt, das 6 eld zur Erleichterung Ihrer gedrückten Lage zu r -rwenden. : ie weite, Blumenthgl laS. desto unsicherer wurde feine Gtiv me. uit» die! Freude übermannte ihn so sehr, baß iton; evolle Thranen seine Augdn verdunkelten ursd es ihti unm -glich' machten, zu sprechen) Gerührt und vom innigsten Lank erfüllt, hob er den Blick gen oben ugv schickte ein autlosrS Gebet hinauf zum Spender alles Guten.! aßt uns scheiben von den unS werthgewordenen Per; sonn, jetzt wo ste glücklich stnd im ftoben Geyuffe der -Gegenwart, heiterer Aussicht für die Zukunft.».— Strenge Gerechtigkeit. Einen Beweis vön der strengen Gerechtigkeit der Talmudistell liefert folgende Stelle im Talmud, Kiduschin 29,1. Rabbi Gidal wollte ein Ackerstück kaufen. Wahrend er fich nach den Mitteln zum Kauf umsah, kaufte eS Rabbi Abba.- - Jener klagte dem Rabbi Sira bas ihm geschehene Unrecht, und dieser zeigte edem Rabbi Jitz» chäk, dem Schneidermeister und.versitzenden Lehrer, an. Dieser erwieverte ihm: er wolle die Sache beruhen lassen, bi- Rabbi Abba ihn zum bevorstehenden Fest besuchen werde. (ES war zur Zeit Sitte, dem obersten Rabbi am Festtag einen Besuch abzustaklen.) Als Rabbi Gidal zu ibm kam, ftagte er unter andern: „Was würdest Du wohl von einem solchen sagen, der. während ein Armer sich Brod zu verschaffen bemühet ist. ibn drum brächte?" —- „Ich würde ihn Bösewicht nennen," erwiesene-dieser. „Thatest Du gegen Rabbi Gidal anders?" ftagte ihn hierauf derMabbi. „Ich wußte keineSwegeS." sagte Rabbi Abba. „BG Rabbi Kidal daS Feld kaufen wollte." — „Sv überlasse ihm solches," sagte hierauf der Rabbi. Rabbi Abba emgegnete ibm hierauf: ..Verkaufen mag ich. eS ihm Nicht, weil ,S -aö erste Feld ist, daS ich käuflich erworben, und ein Wiederverkauf würde keinen guten Eindruck für mich bewirken; mag er es als Geschenk von mir annehmen." Dies wollte aber Rabbi Gidal nicht, weil es beißt: Wer keine Geschenke annimatt, lebt glücklich (Sprüche 16.) Und Rabbi Abba wollte fortab dies Feld nicht benutzen, weil er erfahren. Rabbi Gival habe sich früher um dessen'Kauf bestrebt. Rabbi Gidal, aus angeführtem Grund, eben so wenig. Und so blieb dies Ackerstück zur Benutzung armer Gelehrten liegen und führte feit der Zeit den Namen: das Feld der Gelehrten. Koppenbagen in Wongrowiec. Anekdote. Ein junger Rabbiner freite umdie Tochter eines reichen Mannes, das Mädchen hatte Neigung zu ihm, aber der-Bater zog ihm einen jungen jüdischen Avvocaten vor und zwang die -Tochter zur Einwilligung. Der Advorat kam zum Rabbiner , und fragte ihn höhnisch: „was sagst Du zu meiner Heiratb?" — Da erwieverte dieser: „Jetzt sannst Du beweisen, daß Dü ein guter Advocat bis., wenn Du Deinen Schwiegervater vertheidigst. daß er Dir seine Tochter giebt." Allgemeine Zeitung de- Iutenrham«. Ro. <2. Da» beilige Land und seine jüdische Bevölkerung. II. — Sin Blick auf di« Weltlage^ — Zeitungsnachrichten aus Berlin, Erefeld. d. Dona». Schleswig, Paris. Eonstratinopel. Jerusalem. — Aorrespondenz au« (kibeuschttz: Lehrercouferen,. Berichtigung.—, Anzeigen. — NB. Zu beziehen d)«rch jede- Postamt und jede Bnchhandlnng. Iabrlich Z.Tbaler. vierteljährig */« Tbaler. Bera»t»»rt1ich«r Aedactenr: G. Wiettßold. «erl^, v-«W,ärt»er « Buckbpni-l-»^ i»?rtrtf«. — Crutf »ra «Ier»nr»r ®ie6e in Wpjig. -:Ar: ]_

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