Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 26 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BolkSblatt Zur ' — . Belehrung und Anterhulluilg auf jüdischem stekiele. Herau-gr-eben »cm Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg» sRo. SS. 1S5+ ] «c»n bitf»r 3«H*rlft «rttwint »c^,nN>» cmr Nu«»»r. Qi<i« »,« A^br fljtiftl 1 Iblt. LierteljätzriA 7'/, N»r. «II, «‘ud-bantlunnrtl. “ uu» 3,itnnfllrfMti|ion,r» nrtmuo *Vft<nun*m an. #.*Ä sl.Iahrg. 2. ©uartil.] Ein vertrauliches Wort Die Zeit der Noch, die Zeit der Bedrängnis. die Zeit der Sorge, die Zeit der Beängstigung — sie hat wenig« ften» da» Gute, daß sie die Menschen naher bringt, daß sie Biele» von der steifen Förmlichkeit vergessen macht, und dafirr ein vertrauliche» Wort hüben und drüben mit' einander sprechen läßt. Wer so in diesem Augenblicke rückwärts blickte und kann schon oder beinah ein Dieneljahrhusiden überschauen, welche er mit Bewußtsein verlebt hat, oder gar noch mehr — welche Gegensätze, welchen Wandel bat er schon erhebkl wie veränderten sich Meinung und Ansicht. Gestaltung!und Wollen, Streben und Schaffen vor seinen Augen! wat ist Alle» schon geschehen, wa» er vielleicht kurz zuvor nicht für möglich gehalten hätte! ... Da» gesteht er sich in der That ein: wir leben in einer Zeit, in welcher allerding» der Wandel in allen Dingen schneller al» jemals vor sich geht. So! »eit die saufende Lokomotive die schleichenden Postwägen ^e» vorige» Jahrhundert» hinter sich läßt, so weit ist die träge Langsamkeit früherer Zfiten in da» unaufhörliche Kreisen der Gegenwart umgeschlagen. * <£» kann daher auch gar nicht verwundern, wenn auch für den Juden in kurzen Zeiträumen sehr verschiedene Perioden. Lagen und Stellungen vorübergegangdn; wenn die Duldsamkeit, die Verträglichkeit, die Mensch^nachmng, die Humanität, da» Bewußtsein de» allgemeifien Pen» schenrecht», die gesellige und gesellschaftliche DereinigMng, welche vor zehn, vor sechs Jahren alle Schichten der Men. schenwelt durchdringen zu wollen schien, jetzt wieder in'» gerade Gegentheil umgeschlagen ist, sowohl bei^ zahllosen Einzelnen, al» in der öffentlichen Meinung; gar! nicht verwundern, wenn die religiöse Aufklärung, weich« die Welt erobert zu haben schien, und die von Bielen b^S zu! dem Wahne getrieben worden, als ob alle positive > und concrele Religion überflüssig wäre — in » gerade Gegentheil umgeschlagen ist. unv überall eine Jsolirung, eine Spaltung. ein Rückgang biin die mittelalterlichsten Forpreln und Formen, eine Ausschließung unv AuSschlieGichkeij an. gestrebt wird, die man vor Kurzem nicht mehr für möglich gebalten. ... Aber halt! Jude, gerade daran merkst Du, wie nokhwendig Du der Welt bist uvd noch lange, )ange sein wirst; daran merkst Du.' daß Du Dich auf Abjchleifungen und Berschleifungen niemals einlaffen darfst, stader» fest auf Deinem religiösen Grund und Boden behasre» mußt; daran merkst Du, welche ungeheure Unterschied» der religiösen Ueberzeugung und Anschauung vorhanden sind; daran merkst Du, wohin man Dich, bringenwill, für was Du die Religion Deiner Väter hingeben sollst .... \ Wohlan! ist einmal in so vielen Dingen ein Äandel vot sich gegangen mein Jude, s» laß auch in Dir einen Wvndel Vorgehen, daß, wenn Du gleichgültig gegen Deine Religion gewesen, weyn Du lau. sehr lau auf sie geblickt» wenn Du am liehst,» ihrer ganz vngaßest — die» AU .le» sich in einen schönen Eifer, in ein eifrige» Festhalten, in eine feste Deständigketr. in eine bestäkdige Thatkraft wqndl, für den Einig-Einzigen, den Dü doch nur allein bekennen kannst, für da» Licht, da» allein Er geschaffen ui^d Dir angezündet, für da» Recht, da» ewig, ^nverän» detlich. ein Rech^.allfr Menschen, rin Recht, nicht nach Ländern, nicht nach Völkern, nichts nach Kirchen bemessen, stzndera eia Recht Aller sein soll, wie Mose sagt, für die Liebe, mit der Du auch den Kremdling, für die Barm» herzigknt, mir der Du auch Deinen Feind <3 Mos. 13.17. . Gpr. Gal. 23, 24.) behandeln sollst, mlMSinnn Worte, für da» echte, wahrhaftige Zudenthum ..... Ich wollte nur ein veyrauliche» Wort zu Dir sprechen, o daß e» Dir ein trauliche» sei und Dir eia vertraute» werde ... - Die vier Ellen deS Talmuds. Die persönliche Freiheit de» menschlichen Individuum» . bedingte zu jeder Zeit die Nothwendigkei», einen Kreis z« bemessen, dessen Grenzen Schutz vor äusierm Angriff boten, bi» zu welchen jene Freiheit sich erstreckte und innerhalb derselben vor Un- und Ueberfall gefichrrr war. Da» Naturrecht bestimmte zunächst da» Hau» zu jene« Raume, der begrenzt von außen, nach innen jedoch die freie Entwickelung und Entfaltung der menschlichen persönlichen Freiheit schützte und sicherte. Da» mosaische Recht bezeichnete auch eine Anzahl von Städten, innerhalb— welcher eia Flüchtling vor Nachstellung und Verfolgung sicher war (Deüt. 19). Im späterN Alterlhnm war es Griechenland besonder», und in neuerer Zeit (seit 1679) ist e». England, wo durch Staat»gesetze die pnisönliche Freiheit eine» Jeden^ ohne Ausnahme in gewissen Rauckeff (Tempel. Hainen, Wohnung) geschützt wird. Da» deutsche Bewußtsein der persönlichen Freiheit äußert sich in de» Ausdruck „drei Schritt vom Leibe!" indem Hier ' gleichsam die Dimension von drei Schritten i» Umkreise »l» Rayon gezogen wird, welcher von dem Feinde nicht überschritten werden dan. Der Talmud strikt diese Dimension auf piep Eklen. Der Flächeninhalt eine» Kreise»,