Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 24 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Retehrung und Anterhstllung aus jüdischem ZeKieke. Herausgegebe« von Rabbiner Df. Ludlvig Philippsou in Magdeburg. sNo. 84. 1854-1 Bo« dieser Zeirktkist eri'tdeiM iroit>e>1li» eine AntniMt. 9)teM »»« gjoflt I Tdlr. Sierlfljahni /I1/» Wjr fl Ile t'«tf-hjHN:mg<n. PrKL»«e und Ikitungdexsednionen nedme« Beftevungen an. sl.^atzq. L.iLuarlal.) Die drei Brüder. von Schrag.gr. 1»'. S- >4. I.> IK. 17. Jetzt begann der dritte Bruder seine Srzälhlung. Sanzo hatte lange.sein Haupt gedankenvoll in dir flache Hand seiner Rechten gestützt gehabt — da erhob ere» plötzlich, ein ungewöhnliches Feuer blitzte auS seinen Augen; vor ihm stanven seine beiden Knaben, und s^e-Hingen an seinen Lippen. | Ich bin kein Mann von vielen Worten, g,liebe« Brüder, wie. Jbr, der ehrwürdige Rabbi und der getpaudu^ Handelsunv^.Staatsmann. Erwartet daher nui einen einfachen Bericht über die wechselvollen Ereignisse, itie über mich dahingegangen. I | Kaum hatte vor zehn Jahren daS Schiff, welches i bestiegen, denc Haren von Malag» verlassen, ülS ei Sturm eS überfiel, und ihm die. Maste zersplitteite und die Segel zerriß und das Steuer zerbrach. In diesem hülflosen Zustande trieben eS die Wellen Einige Zeü das 'bin, alS plötzlich ein maurischer Seeräuber aus das Wrari stieg, und uns allesammi gefangen nahm. Niemand wis dersetzt, sich, denn was hätte er auf dem geborstenen Schiffe vertheivigen sollen? So ward ich <3c(dt»r^ deni^, auf dem tunesischen Markte verkauft, wurde ich uitterlhati einem Bey, der tief im Innern des Landes sein^ klein^, aber unumschränkte Herrschaft hatte. Geduldig b-rrte ich auS. und suchte mit Eifer alle Aufträge,'die mir wurden, zu vollziehen. Dadurch und durch Nnen kleinenl Dienst, den ich unmittelbar seiner Person zu leisten d«s Glück hatte, wurde der wohlgesinnte Bev auf mich aufmerksam und .gewann mich'lieb. Endlich srug er mich eine- Tage-, welcher Religion ich angeböre, da ick Än Propheten nicht verehre? Ich antwortete ihm: ..ich bin estr Hohn Iehud'S." — „Wie," sagte er. „bist Du Einer.von den Kiübern der Wüste, welche dort im Süden leben,! Keinem gehorchend und selbst die Steppe überwindend?" Ich schüttelte mit dem Kopfe, indem ich ihm hemerkliiy machfr, daß ich von deren Dasein nicht einmal wüßte. , Ich Erzählte ihm von Spanien, meinem Daterlande, ton bim Kämpft brr Mauren und Christen, von dem UNtergaftge jener, und wie nun dieselben Herrscher, welche den Thron Abo-Abdeli'S umgestbrzt, die Hand auch an ufis Juden gelegt, und uns mit eiserner Consequen; ans Sitze» »srl> trieben, welch« unsre Pater lange vor allen Christen r»v Mauren bewohnt hatten. Er aber berichtete mir von tzkn wilden Stämmen der Beni Iehud, welche hinter I bnn hoben Gebirge*). an dessen Fuß des Bey's Herrschaft lag, dicht an der großen Wüstf**), die noch f<h\ menschlicher Fuß ganz durchzogen, lmuseten, und, obschon gern mit ankeren Stämmen in Frieden lebend, doch mit keinem sich verbrüdern, NiemandeS-Hberherrschaft-aüerkennen, stets * mit dem Schwerte in der Rechten den Pflug leiten, mit dem Bogen in. der Linken die Heerden weiden. Diese Nächricht ergriff mich wundersam. Glaubens- und Stam- '• m^-genossen frei, unabhängig. daS schärft Schwert in der Faust. Niemandem umerthan, aldem Felbstgewählten Oberhaupt-mein.Wachen und mein Träumen wareü davon erfüllt. Ich suchte über die Gegrüben der-ßewohnten, Näheres zu erfahren, aber in der ganzen Um- T-’. gebung deS Bey wußte Niemand davon, und dieser selbst, den ich listig auSzuforschen suchte, merkte meine Absicht und sagte nichts weitex, als daß er einst unter ganz besonderen Umstände» mit ihnen zusammengrtroffen. So verging Mir ein halbe- Jahr in Sklaverei. Was sollte ick machen?- Ich mußte Alleder göttlichen Vorsehung überlassene Meinem Herrn entlaufen. mochte ich nicht, denn er war gütig, batte mich rechtmäßig erworben, und., wohin ftillte ich* , Ueberall erwartete mich noch härtere Behandlung.' . . Eines Tagerückte, der Bey mit einemstarken Gefolge zur Jagd in die Berg,. Auch ich war darunter. Mit einem kurvst Messer an der linken Seite, sonst un- - bewaffnet, mußte ich unter mehreren Sklaven Nabrungsmittel für den Bey und seine Freunde tragen. An einem schönen Platze, unter bimmrlhobe.n Palmin wurde daS Frühstück eingenommen, und nun ginss eS ratsch in die Berge hinein. .Antilopen, Sträuße, Büffel wurden ausgejagt. bald zerstreute sich die Jagd, und zufällig waren ich und noch fünf Sklaven die einzigen,-, welche bei dem Bey verblieben waren. -Wir waren jn eine Schlucht gerarhen und vor unS lag ein dichtes Gestrüpp, alS plötzlich auS demselben ein furchtbarer. --wL-ftchr unk-dicht vor dem Bev stehen blieb. Das Pferddes Bey scheute voll Schrecken und warf seinen Reiter ab. der mit einem Beine unter den Bauch "de» Rosses kam. Die Sklaven schrieen entsetzt und flohen nach allen -Seiten. - Ich hatj» -nur einen Blick auf diehülflvss Lag« meines Herrn geworfen, als ich mit heißem Muthr, aber kaltem Blute zwischen ihn und den Löwen, dicht vor diesen trat. Mit Weinem Ackge suchte ich das des Löwen, und senkte den kräftigste» Strahb in das feine. Da hob der Löwe seine >*) «rla». ►•) Sahara.