Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 22 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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j Belege hiesür gäbe es .viele anzuführen, doch soll.znan sich hüten, de« schlafenden Leu zu wecken, unschädlich wird es aber sein, an Tischrücken und Geifterklopfen zu erinnern, und etwanaher eingehen wollen wir auf die verschiedenen Ansichten über die jüdischen Vornamen. Es ist in neuester Zeit wieder viel von römischen und böhmischen Erlassen die Rede, welche das Halte» christlicher Dienstboten, und die Annahme 'christlicher Dornamfn bei den Israeliten zu beschränken beabsichtigen; verschiedene Blätter, vorzugsweise die Allgemein, Zeitung dev Zkden-. thums. haben die Sache einer genauen Beleuchtung unterzogen, und eine bedeutsame Wirkung-jener Erlasse mag nicht zu befürchten sein*). Da indessen! jedes Dorurcheil immerhin die Wirkung irgend einer Ursache ist. so drängt sich uns die Krage auf: „Was mag wohl die nächste Der^ aosaffung zu jenen namenbeschrankjenden Erlassen gewesen sein?" Und ich wage eS. hieraus zu erwiedern, daß die Israeliten selbst den Anstvst dazu gegeben haben mögen. Es ist schon viel von der Unselbstständigkeit, oder von dem Mangel an Selbstachtung auf Seiten unserer Glau, bensgenoffen geredet worden (s.z. P Jüd. Voltsbl. No. 9); diese Schwäche beweisen fl, auch namentlich bei der Wahl ihrer Vornamen. __ Wird ein israelitisches äkinv geboren.' so forschen El. tern, Großeltern. Onkeln, Tanten und Hausfreunde in den Ahnenregtftern des Neugebornen, um recht gewissenhaft den Namen zu ermitteln, welcher ihm beizulegen wäre, und hat da irgend einmal ein Urgroßvater Hlrz.Lammle, oder Mendel, irgend eine Urgroßmutter Dolz, Iachet, oder Reichel geheißen, §o muß eben dieser jName in dem Neugeborenen wieder tn- Selben gerufen werden'). Diese ist die erste Unselbstständigkeit, wozu es in der ganzen heiligen Schrift keinen Anhaltspunkt giebr^ denn da finden wir unter den 12 Söhnen Jakobs keinen Abra» ham *), und unter allen seinen Enkeln änd Urenkeln keinen Jizchak und Jakob (was doch so wohlklingend gewesen wäre, als Chezron, Muppim u A); dann auch keine Sara und Rebecka (wa» wohl so schön als Gchifrah und Puah wäre), und von den spateren würdigsten Namen eines MoseS, David, EliaS, Jesajas, einer Deborah, Abigall u. s. w., finden wir auch nicht eine Wiederholung. Die zweite Unselbstständigkeit, besteht dann darin.' haß man stch i« öffentlichen Leben nicht blos jener ängstlich ausgesuchten wirklich obsoleten Namen schämt und sie mit modernen vertauscht, sondern daß man auch die Namen der Edelsten in Israel, welche zum Stolze und zum Sporn der Nachahmung ihrer ersten Träger gereichen sollten, mit fremdartigen, zuweilen heidnischen, zuweilen ganz bedeutungslose^ Namen verwechselt. ÄLHrenb Ehtisten, welche leuchtende Sterne der Wissenschaft, der Weisheit oder der Macht find, Lcht biblische Namen unverändert trugen, wie Isaak Newtckn. Jakobson England, Benjamin Kranklin, David Hume, Immanuel ßkant. JosephII.. Samuel Johnson, Daniel O'Eonnel, Michel Angel», Kvtthold Ephraim Lesstng u. A. m., bestreben sich vie Israeliten, ihre Unselbstständigkeit auch in der Gestaltung ihrer Vornamen zur Schau z» stellen. - Es giebt keine *) S. iasoaders das verdienstlich« Wart vo» gang: Die Ra»e» der Inden. Abraham, Isaak, Jakob. Moses, Ahron, David, Elias, Jesajas mehr, sondern Adolphe. Jstvoae. Juliust, Moritze. Antone, Auguste, Erneste, JustuS u. s. keine Sara, Deborah. Esther, sondern- Eölestina, Dorothea. Emilia u. s.' w. — Dieser lächerliche Mißbrauch hat aber auch seine verdrießliche ernste Seite, die schon oft zu großen Verwirrungen Anlaß gab: Ein Heinrich soll vor Gericht als Zeuge vfrüommen, daher von* seinem Rabbiner über den Eid belehrt und mit Zeugniß versehen werden; der Geistliche thut nun seine Pflicht, und sich streng an sein Geburtsregister haltend, stellt er das Zeugniß für den Henoch aus. DaS Gericht nimmt nun billig Anstand, auf daS hin den Heinrich zu beeidigen, es werden Schreibereien nothwendig, um die Sache aufzuklären. Laura ist Braut, fie bedarf eines Sittenzeugniffes, man ertheikt es ihr gern, aber nach dem Geburtsregister, worin sie als Lea eingetragen ist. Das veranlaßt wieder Schreibereien. — Ein Herkules b^nterläßt ein Testament. ' worin er den AchUleS besonders bedacht hat; dasselbe wird aber mit verschiedenen Argumenten angegriffen, der verwegen«, gegnerische Anwalt leugnet sogar die Uristenz dieser Personen, die Standesbücher werden angerufen, tmd stehe »a, diese kennen wirklich nur einen Hirsch und einen Anschel! Welche Verwirrung es da giebt, welcher ungerechte Nachtheil hieraus entstehen kann, ist einleuchtend. In solchen Vorkommnissen aber, die ohne Zweifel unter noch vielerlei Formen schon erschienen sind, mögen die oben erwähnten, zumeist in der Neuzeit erfolgten Erlasst zur NamenbeschrLnküng der Israeliten,- ihre erste Veranlassung gefunden haben; nur hatte man bald.die wahre Ursache mir einer falschen verwechselt, und gerieth -auf ' den gehaltlosen Gedanken, den Israeliten im Allgemeinen die Annahme christlicher oder heiliger Namen,zu untersagen, während eS der letzteren nur sehr wenige giebt, die nicht jüdischen-oder heidnischen Ursprünge» sind. (Sind gesetzliche Maßregel zur Ordnung jener willkürlichen babylonischen Namrnverwtrrung erscheint aber allerdings vollkommen gerechtfertiget, in sofern damit erzielt werden-soll, daß Jedermann den einmal erhaltenen Vornamen für^ immer» beibehalter Bei der Wahl der Namen dürften nun folgende Buncte Beachtung verdienen: 1) Biblische Namen sollen, nicht aus Eitelkeit und Schwache, abfichtlich vermieden, oder bis zur Unkenntlichkeit »odernistrt werben. 2) Selbst manche nichtbiblische-Lltere^Ramen kß»»en, ohne Verletzung de» guten Geschmackes, noch beibehalten werden. Z. B. die Mianeroamen Liebmann. ManeS, Maier, die Frauennamen Bella, Ella u. A., sind, wenn sie nur nicht verderbt ausgesprochen werden, wenigsten» nicht minder wohlklingend, als Lorenz, Mar, Marr. -Paula. Eleonora u. s. w. 3) Perderbte und übelklingende Namen, die man sich später mir Recht beizubehalten schcimt, z. B. Gom'pel, Loppel, Mark«. Fradel. Drendel, äkaul u. s. w., sodann die jedenfalls stch nur zu Geschlechtsnamen eignende« Thiernarnen'), als Bär, Hirsch. Kalk. Vogel n. s. sollten auch schon von der Geburt an vermie. den werden, und man wähle dafür fteundliche Namen a«S der Gegenwart-und lieben Heimath, ferset aus der Geschichte und Vorzeit des Daterlaude». JO. i