Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 20 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. gur .IZetklirung und Änlerhailung auf.jüdischem Zebiet^. HerauSgegeben von Rabbiner vr. Lud» »ist Philippson in Maqdebnrq.. ::j*\ - , A, A.» a , Beil e,«ikk «r«h*ii [9co. 20, 18o4.J / 1 irM’rtltfirt' (lir »itmmft. 4<iti» tf« Jahr- ,ä , a | 1'/, Wbt. UH« PitäbjnHunnfii, ’i't'fljmkr 1 1 jflBril Uütlfirifll. I »tinen.ii itthmni *r««llun*rn a». * » * J a ■! Die drei Brüder. Don G ch r a g g t.; lS-bluß von Hl. «. H. US. 16. 11., j j „Nicht weit von Tiberias, am südlichen En^e deS! Sees. liefen die Trümmer einer vor Aliers jirmltd größt,, Stadl, Sfnnabriö genannt. Als ich die Um ieg^b von TiberiaS zu durchstreichen begonnen, um für meine Unternehmungen reu besten Boden, die angemeffenst>n ®fi legrnheitcn aufzüfinden — da kam ich auch zu diesen Trümmern. Meine Leute batten die Zette in .einige: Entfernung auigeschlogen. Ich begab mich allein dorthi i. mit .ungestört AlleS beachten und erivägen zu können. NlS ich so zwischen den Trümmern bin- und derkietterie. schlug plötzlich ein Gespräch nu meine Obren, das bald leiser, bald'lauter geistbet ward; endlich kreischte eine u^iange« nehme ManneSstimme: ..Tu kannst nicht weiter. Dein Bitter kanii nicht weiter — hier mußi Du Dick entscheiden — e, tweder Dein Nater verschmachtet, und Du verschmachtest -- oder Du wirst mein, Du schwörest hier, daß Du willst mein Weib werden wollest ... stehst Du. hier bad' ich daS Gefäß voll WafferS, hier den Schlauch voll Weines, bftr den Sack voll Datteln — schau, Dein Vater lieg» schon in Ohnmacht, Du selbst bist hin im nächsten Auginbluh, wähle, nur noch eine» Äugenblick . . . Ich vernahm keine 'Antwort, obschon iw mit »Anstrengung lauschte. Aber plötzlich rief es wie eine! angstvolle Frauenstimme: „Hülfe! Hülfe!" Ich sprang vor. setzte über einen Trümmerhaufen mir geschwungenem Schwerte — va sab ich einen. Manu über 'ein mf die Erde gestrecktes Mädchen eine Geißel schwingen — ich schnell hinzu, und mit dem Säbel dem Frevler ül er den Arm gehauen, daß er erlahmt an die Seite sank. DaS Mädchen» war 'ohnmächtig geworden, und neben ibr sah. ich jetzt einen ältlichen Mann, völlig bewußtlos, liegen. Ich setzte mein Horn an den Mund, und bevoi einige Minuten verstossen. waren meine Leute auf das ihnen bekannte Signal herbeigeeilr. hoben, nach meiner Anweisung, beide auf und trugen ste behutsam nach denlZelre». Mittlerweile war der Bösewickr. der daS Mädchen ^geschlajgen. verschwunden. »Meine Bemühungen waren nktt Erfolg gekrönt, und Äater und Tochter bald inS Lehen zurückgekehrt. Sie erholten stch stchtlich, und ich nahm ste mir mir nach TiberiaS. wo ich ihnen eine angemessene Wohnung einräumte und alle ihre Bedürfnisse reichen ließ. Der Mann wollte eine Beschäftigung; da aher seifte Kähigkeiien gering und seine Kräfte noch geringer, gab ich ihm eine Art Aufsicht, damit er den Glauben Haie.:sei» und seine- KindeS Brob zu verdienen. DaS Mädchen durchschaute dieS, und war 'mir dankbar dafür. Ibr wollet wissen, wer diese Leute waren? Ichjwill Euch eine Scene schildern, die zwei Monde später vvtstcl. und Ibr werdet Alles verstehen. Ich faß in dem schöjnenr wenn auch einfache» Hause, welcheich mir in Tiberiabatte Herrichten lassen.» Ein, Erkerzimmer,- von r-em auS man die ganze, halb noch in Ruinen verhobene, halb wieder erbaute und lebhgft durckwogte Stadt übersehen, den Spiegel de» Sees Überblicken, ja an lichten Tagen die Ebenen am östlichen Ufer gewahren konnte, war mein Lieblingsaufenthalt. Ich faß auf einem Divan, und war in Sinnen versunken. Ich batte Befehl gegeben, daß Niemand mich störe, und bald war mein Geist in dal Reich de^ Träume geflogen, Vergangenhelk und Gegenwart. Erinnerungen und Hoffnungen vermählten sich —■ plötzlich stand eii> Mann vor mir. ES war ein gar häßlicher, fchieliger. rvthhoariger' Bursche, da erkann.' ich ibn, ich fuhr auf. meine Hand griff nach meinen! Schwerte: rslwar der Mensch, der die Geißel über, das Mädchen - geschwungen. . . - .Lasset nur. Herr!" begann er ruhig, „ich komme in friedlicher Absicht, ich will nur ein iHvn zu Euch sprechen^ und bieS mir zu gestatten, seid Ibr selbst mir schuldig." — x „Wer seid Ihr?" Wie käme» Ibr hierher?" * A „Hörer mir zu. Herr," erwiederte er. „und eS wird Euch Alles klar sein.!' — Ich winkte ihm. — ..Ihr!' ba» bei meinen Weg durchkreuzet, und komme Euch zu. fragen. mit welchem Rechte? Jene Leute, die Ihr. hier ausgenommen, die Ihr verpfleget, sie sind mein, ich will-sie wieder haben ... Hörer. Der.Mann, Ihr wisset.-daß wir eingeborne Juden ^sind und in Chebron ivohncn — der Mann ist mein Oheim. der jüngere Bruder meine- VaterS. Bon jeher bat er nur zu verzehren verstanden, und waS er in Besitz hatte, verschwand; Ungeschicklichkeit, Leichtgläubigkeit' dazu MißwachS, Krankdeit, kur^ er warb- Bettler/sein Weib starb in Elend. Da nab« ich mich ihrer an. Mirjam wuchs hrr-m. sie ward. schön, herrlich, ich liebte sie. Jahrelang erhielt ich Beide, sie aßen mein Brod. sie tranken meinen Wein, sie kleidete« sich in mein Gewand. Da warb ich um ste — abefr Mirjam schltzg mich auS. In derselben Nacht verließen ste und ihr Barer ' mein Haus. Die Folhe war. daß jje bald Noth litten. Ich bot ihnen meine Hülfe an* ft? wiesen mich zurück, fid verboten mir die Schwelle ihres^