Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 19 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Matt. rBpfeOruiifl und Anlerhatlunli aüf jüdischem Zebiese/ Herausgegebea von |. Rabbiner Dr. Ludwig Phittppso« in Magdeburg. sNo. 19. 1854-1 Von dielee rlfit^ft'r'fr fHihfinl n'wt'emlidi eine Rummel Viel« re« Jat'rfldnft« 1 Xtoir. Bierielsäbrq *'/f Rar ÜB« t*u.t\bjnt unqen. ■tfriUmicr unk jeitangBeireMliPnen nehmen feArUnti en an. sl-Iahrg. 3. ffinartal.J Z>tt jüdische PlebS und feine Deukuug-weife. Von S. Ntler-m Prag. ..Verworfene Juden sind nicht schlechter» Herzenalverworfene Christen, und ste haben einen Vorzug, ste find beffern Geistes." Börne — . Ob wir'dem großen Börne beistimmen and einen Vorzug darin finden '-können, dürfen wir schon ^e-halb in Krage ziehen, da der verworfene Jude gerade um so verworfener zu betrachten ist, weil, im Geiste Übersegen, sein unerlaubte- Treiben, raffinirter und um so strästicher unv unverzeihlicher erscheint. — Ob eüberhaupt Wahrheit ist, daß der Eine vor dem Andern im Geiste letwaS zuvor habe, dawill ich nur auschuldiger Achtung vor dem großen Menschenkenner unangetastet vähin gestellt sein lassen. Unbestrittene Wahrheit hingegen bleibt eimmer,', bin, daß der - gemeinere Jude den auf gleicher Bildungsstufe und unter gleich ungünstigen Verhältnissen stehenden Christen in seiner DenkungSweise überrag». Mit dem Worte „gemeiner Jude" wollen wir keinen andern bezeichnen, als den, dem eS vom Hause auS an aller Bildung fehl», dem jede Gelegfnheit abgeschnitten, sich der beffern Gesellschaft nähern zu können, der in der Hütte drückender Armurb geboren und im tiefsten Elende erzogen wor^ den. der, um sein ärmliche- Leben zu fristen, nicht- Anderezu unternehmen versteht, alSmit dem leeren Kacke, mit leerer Hand, aber mit vollem betrübtem HeHen Jahr au-, Jahr ein. von dem sorgenvollen mühseligen SonntagS- Morgen angefangen, biS zur beseligenden ro« 2^r - Stunde die allein nur im Stande ist. wie ein Zauber auf sein bedrängte- Herz einzuwirken, ezu ermuthigjen, zu er« freuen, und jede Sorgenfurche auf seiner Stirne zu glätten. mit^ftinem „HandelewoS" und ünt nichtweitem als mit diesem himmelschreienden „HandelewoS" von einem Hause zum andern umher zu laufen, oder nicht selten auch gejagt zu werden, der mit dem drückenden schmerzvollen Bewußtsein jeder Aussicht, jeder Hoffnung aüf Verbesserung seiner Umstände bar zu sein, hinautritt au-seiner kaum bewohnbaren Stube detiefen Elendmit der e i - n e n Bitte im Herzen und auf der Zunge, der liebe Gott möge ihm eine Meziob bescheren. Diese- Bild giebt Dir den gemeinern Juden, aber dieser Jude denkt. —{ Sein Sorgen schon bekundet ein Denken. — Der in ähnlichen Verhältnissen, obschon noch immer nicht vn dem allzuerbärmlichen ,,HandelewoS" lebende Christ kennet die Sorgen für den Einen Tag nur, er will heute leb « un^ arbeitet heute, für ihn ist der Morgen eine shäle Zukunft erst, und Thoren nur werden die sichere Gegenwart l! ° i der so fern, n unsicher» Zukunft aufopfern, sie genießen das Heute nicht sMen Such'zum Ueberdruffe. Anderist der „Handelewr S," er sorgt nicht für da- Heute nur, für ihn qiebl eeir en Morgen.^ inv tr, für ihn bat die Zeit eine n eitere Ausdehnung, er mißt ste nach Wochen, nach Jahren, und'kennt den Genuß zum Ueberdruffe kaum dem Name, nach. Seine Sorge beschränkt sich.nicht auf sein selbstn he» Ich. er denkt, daß er nicht alleln'stehr auf Gottes grgßem Erdboden, in ihm lehr der Gedqnke auch für! ie, die treu mit ihm den zehrenden Kummer theilt, und für die, die ihn Vaternennen. er sorgt für Weib und Kind. Nicht zu den Gemeiner» mehr, .zu den Verworfensten, deren wir, (feott gedankt, doch nur sehr wenige zä »len, müßte er .gehören, wenn er nicht auch schon die e ilere Sorge trüge, seinen Kindern eine bessere Erziehung geben zu wollen, al- <r fU genossen. ES bleibt immer zuni Staunen, und zu-unsereln Lobe s«i egesagt, eist jüdi cher Charakter, daß selbst die drückendste -koth beim Judo» nur in den seltensten Fallen hierin Schranken zu ftyl r? mp Stande gewesen. —- * „Mein Kind soll da» nicht perden, waich leider sein muß?" so spricht gewöhnlich! unser HandelewoS; er will sein Kind.glücklicher wissen, aler ist — er denkt also für seii/'Aind. So könnten wir unfern unglüHlichen HandelewoS, den gemeinen Juden, in. allen den freftn geräumigen, engen und schmalen Straßen, in den lichten und dunklen Gaffen allen, bicfrt zu durchlaufen bat, und in den unzähligen dunklen Durchhäusern auf Um», vielleicht gar Unwegen begleiten, lind wir würden unfern HandelewoS denkend finden.! i Bei dieser Betrachtung, müssen wir unwillkührltch auf unfern eignen Werth etwaaufmerksamer werden, und gewissermaßen einige Selbstachtung fßr sin» gewinnen, die wir seit äsurzem auunerlaubter Bescheidenheit. oder sonderbarerweise au» übermäßigem Stolze nicht zu beanspruchen ungetrauen', und endlich habet» wir uuf die Letzt^ Ursache zn sehen, derwir von jeher die befriedigend, Selbstacht mg zu verdanken haben. Gewiß ist diese Ursache nur in den reinen Quelle», unserer erhabenen @r setze zu stiden, zu deren Träger Israel berufen, .und da» fich bi» in die letzte Faser de» jüdischen Herzen», ohne baß man sich dessen auch immer wahrhaft bewußt ist, tief inkarnirt und Wurzel gefaßt, und so auf da- Herz-und Gemüth, auf den Geist und-da» Leben Israelde« wohlthätigsten Einfluß auSgdübl. WaS^felbst in dem eivUistrtesten St aate nur durch die Furcht vor de» Polfteistocke «-gehalten und verhindert werden kann, wird vvu ihm schon aub heiliger Scheu vorde« himmlischen Gesetze