Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1853-01-01 · 13 (1853) · p. Seite 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
13 (1853)
Date
1853-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4908862-5999329-6000588--0127-4908928
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

fcin<nt Lobue über eine zerfallene Stelle tyr .<Stattniäuet u»b in den Wald. Cer die Stadl beinahe begränr». Eie wußten sehr vorsichtig sein, weil, wie gtsagt, die ganje ' ■' Umgegent von Mordgesellen erfüllt war.! und ihre erste Sorge war, eirmr silbern Versteck für ibr Kästchen zu sinden, -> Pa dasselbe sie überall der Plünderung aussetzte. AIS die Morgenrötbe gnbrach. suchten sie^ich zu ovienjire». und siebe? sie. befanden sich iw wildesten Tbeilck des Wcckdes unter einer alten Eiche, die über ihren innen bdblen Ssamm die dicht belaubten Aeste weitbin erstreckte, und, weisti man sonst ei» nige Zeichen anbringen konnte, wohl wieder^ zu finden war. Sie nabmen daber Zeter einige leichtzu verbergende Kleinodien berauch und versenkten da- Kästchen! in den boblen Stamm: dann singen sie ihr Rorgengebtt ast. und nachdem wollten sie zuseben, wie sie. freilich obne Werkzeug, an dem Baume noch Erkennungszeichen andringen konnten. Vater unk Sobn nahmen ibre,Gebetriemen heraus, die sie als i. fromme Juden niemals zurückließen, schlanaen sie um Arm > und Haupt. und. begannen um so eifriger und inniger ibr tzrbN, je mebr sie de- Schutzeihres Patert im Himmel be- ——'^durften. Horch! da Menschenstimme», da Rif von verschiedenen Sei«« . . .. nicht befreundete Stimmet,, nicht Ruf von Helfern . . .es kommt unt-geht .... tunüer naher . da-"ssusten der Vater dem Sobne zu, er s Ue bier warten. 1 er wolle durch da- Gebüsch vorsichtig schleich' n, um zu fellen. wo sie waren, was vorginge, und wobin t'tr sich zu wenlen ... Es geßchiebd', Joiepb darret eine nur >e andere Vier» 1elstunr< voll Zitterns. voll ängstlicher: Erw rrtens, der Da». . [ rer kebrr nicht wieder . .. borch! da kommen Menschen näbeö mir Schreren und Toben. schon werten d e Gesträuche sich öffnen . . Joseph springt auf zu schneller, blinker- Flucht, da schlingt'sich das Ende seines Gebefriemei,- um einen Ast der Eicke. .dock nur eine Secünde bält dies ibn auf, feine Rechte bat den Riemen gesicht, ein Ruck und er^erreißt. und Jojdpb stürmt tiefer'in den Wald hinein J 7*. . , Viele Sehre waren verstoffen. Aus dem Jüngling war «in Plann geworden, ein viel geprüfter,. aöer innerlich sieg, reicher Mann. Gr batte seinen Vater nie wi/der.gefunden, von dessen Schicksalen nie etwas gehört. -Die Flucht, noch -r* mebr die Verfolgung batte" ibn damals weisbm geschleudert; nach jener Gegend' war eine Rückkebr lur|gr nicht möglich. Er baue wechselnd mit Glück und Unglüch gekämpft, eine Heimatb gewonnen und verloren, Weib und Kinder gehabt und sie Alle in dem Rasen gebettet. Ta erwachte, als er sich nieder allein sab im Leben, die Sehnsucht! nach der Stätte seiner Kindbett, in ihm; so trink und verworren die Erinnerung voribm lag, da sich iv Vieledazwischen gedrängt, - so höffte er doch, da sich mtt der Zeit ein) Gemeint, dorr wieder angefiedelt batte, einige Spuren, rmndestmvon den Gräbern seiner Abnen, zu finden, und vielwicht daselbst wieder Wurzel zu. schlagen. Aber nichts von Tum. Die Verwüstung war eine zu allgemeine gewesen, alle Güter der Juden eingezoge», selbst der Gottesacker in Land uwgearbeitet, nachdem man dle'Grabsteine als Ecksteine firr Häuser, öder als Schwellen und Schrittsteine verbraucht. Nur die Stadl war noch da und der Wald. Da erinnerte er sich de< Kästchens — je ärmer und hülfloser er war. desto größeh das Glück, wenn er es fände f Aber in dem großen, wüsten! Walde, wo ohne Regel niedergehanen wurde, was zum Brennen und Bauen tauglich schien, und bei seiner psadlosen Flucht dämals...., (Ir irrte off* im Walde umher, aber ganz nutzlos, überall Plätze, die mit dem Bilde in seiner Erinnerung nicht übereinstimmten. Ach., er halte ja damals alle Edelsteine seiner Jugend verloren, warum' nicht auch dao Kästchen? Ergab die Hoffnung aus, er beschloß nicht mehr in denWalv zu geben. nannte man ibn doch schon Joseph den Träumer-: Und per Jude hält wohl etwavon Träumen, aber nicht von Träumern .... Die Gage erzählt, da fei ihm eines Nachtim Traume sein Vater erschienen, und habe ihm befohlen, noch einmal in den Wald und zwar abendwärts zu gehen. ES mag DieS sei»r-vder auch nicht, kurz, Joseph ging wieder in den Wald." und zwar abendwärts, aber fand abermals nichlS— Baume. Eschen, hohle Eichen genug, aber in keiner ein Kästchen mit Kleinodien ... Er kehrte um, wollte nach der Stadt zurück, von der er weit entfernt war. Da war unterdeß ein schwere- Gewitter heraufgezogen, schon fuhren die Blitze im Walde nieder.,dumpf rollte der Donner, Joseph eilte bang, aber obne Furcht, nachdem er die Segenssprüche gesprochen, vorwärts. Jetzt rauschten die Regentropfen nieder, bald Regengüsse, Joseph flüchtete Kch unter einen alten Eichbaum, der au,' einer kleinen Erhöhung stand. Da tobte das Unwetter, der Sturm schüttelte die bemoosten Aeste der Eiche, der Regen drang selbst durch dakichle Laubdach. Joseph schauerte . . . siede, was fällt da unserm Manne in die Augen . sind das nicht einige Enken alten verschimmelten RiemenS. die der Wind am Aste hin und herbewegt? . . . Ein plötzlicher Gedanke durchleuchtete, heller als ein Blitz, die Erinnerung . . . sind das nicht abgerisiene Enden einer Gebetschnur? hakte er sicv. woran er Me wieder gedacht, bet jener Flucht nicht loSreißen müssen, als seine unp den Kops gewickelte Gebetschnur sich um einen Ast geschlungen? .... TäS Unwetter ist vergessen, er wendet sich nach, dem Stamm der Eiche, mit Stab und Messer entfernt er von der Oeff« nun.; des boblen Stamme- Gerßll und Mooö, er faßt hinein, und sein Arm bringt damit Eisen beschlagene Kästchen, freilich schon dem Verfaulen nahe, hervor. Dies war auch ein Wendepunkt im Leben um'reS Josephs. Bald batte er sich ein Heimwesen gegründet, bald erntete er reichen Gewinn. Ansehen und Verttauen; auch ein liebenves Weib beglückte ibn noch einmal, und zwei gedeihliche Knaben . . 3l och bei seinen Lebzeiten baute er die KlauS, und fundirte sie. beschenkte die kleine Synagoge mit Zierratben, und ließ daselbst'zum ewigen Gedächtnis die Enden der Gebetschnur. die am Ast der bohlen Eiche geflattert, in einer silbernen-Kapsel aufbängen. Er und sein Zeitalter und sein ganzes Geschlecht sind deimgegangen, und unachtsame Nachkommen ließen selbst seinen Grabstein verwittern, daß die Ruhestätte seiner Gebeine nicht mebr gekonnt ist. Aber da-Werk seiner.Frömmigkeit und .Wohlthätigkeit besteht noch, und viele Menschen schützen sich noch unter seinem Dache und essen noch von seinem Brode, wenn fie auch nur „lernen," und nicht lehren. 9r,*tr)ttH(u tHr Sb. HL ff* »rtifri»: „Brrfufcf. (ra t(*Nl »a* taffe« 3*Tt#rH«t »ietrr aifiutonf«." tit fit. IT. er«, «rttfrl«: ,«a« »offta Moichrtz »» de» Sigffr t - (• »ir fle. Ili- ,»« ..Von sah »llr«. «a» rr gr»a»t ff." f»4rn toi» tat «ichffr» Quartal. Ei* »*»«*»<»». V rauttuortlicher Redakteur: G. .Wienhold. * Serta« >•> Va.u » , t * e« ffr'» Vatdaidta», ta -rtaii-. — Druck von Ul*ra«der Wird* ta Sei»»1,. t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.