Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 11 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4908862-5999329-6000586--0114-4908917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Jüdisches Volksblatt. Zur! Lelehru'ng und Anlerhattung au Heraü»gegebe» von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in jüdischem Gebiete. i Ragdeburg. . ~ >Ro. 11. j htftt Z«ii>«t>rlkr cr>»»ttzr errd'^nH■ rb »ine Nimmer. itimrljiHij 7% N.tr. JIU[ ittfllmirr u«k j( tiin^errrht'irnrit nrt< 1858- J 11 Aabrivm^s 1 XNr. Ein großes Tchauspiel. Allerdings ist eS erbebend. dem Kampfe zuzuichauen. der siegreich bestanden wirk; einem Kampf,/ v/r nicht Ijurch rohe Gewalt, durch Faust und Eise» und Pulver auSgesochten wird. sondern dlirch Eisentestigkeis des EbarakterS, durch männliche AuSdauer, durch unerschütterliche Ueberzeugungsrreue. GS ist dieS ein Schauspiel, an dem eine. Welt sich wobl erbauen könnte, von rem ile lernen mtfjjf! In einer Zeit blasirter Kultur, unterwüblter Gesittung. in einer Zeit Alleüberragenden EigevnutzeS, oder wie man es auSzudrücken pflegt, des materiellen Erwerbes unv Genusses —rea eine ganze große Masse von mehreren Millionen, ungebildeter und gebildeter, .roher und feiner, niedrigunq dbchgesteliter, armer und reichnl'Menschen sich willig, wenn auch schmerzlich den Beschränkungen. .den Ausschließungen, der Zurücknabme bereiterlangter und tadellos auSgeübter Rechte unterziehen zu feben — unv zwar um des Glauben-, um dereligiösen Bekenntnisses, um der Idee, um devosn Gott auferlegten BernfeS willen — daist ein großes erbebende» Schauspiel ... \ ' War dies gescheben in einer Zeit , wo deb Geist über die seilJahrhunderten errichteten Schranken! zu schauen nickt gewohnt war, so hatte eS nicht- Außerordentliches — aber dies ist ja bei den Juden unsrer Zeit längst nicht mebr d/r Fall. War es geschehen von Personen, welche ^ichtS Anderes wußten, als in den Wegen der Vätep gehen, als in. den uralten religiösen Formen stch bewegen 7— so aber geschieht eS von solchen, dir darin beharrliche Treue be währen, alS auch von solchen, die mebr odet weniger von den Formen abgeftreifl haben, die Lehre JsiraelS alS ihr lbeuersteS Kleinod erachten — Heil ihnen Allen! So wehe die Vorgänge thun^ so bedausrlichsfle nach, allen Seiten, hinsichtlich aller Thelle sind: so ist doch dieser Anblick großartig genug, um reiche' Tröstung zu.' 'enthalten ... >! Aus dem Leben. Gint (Ir^blung. Erlauben Sie mir, gerhriester Herr Redacleur! Ihren geschätzten Lesern ein kleine- Lebensbild vorüberzuführen. dakeinen weitern Anspruch macht, alh , einfach die Wahrheit zu zeichnen, und dadurch eben vielen chlauhenSgenoss sen den Weg zu weisen. In der. äußern, wie in der sttt-. lichen Welt, > nd darum auch in der gesellschaftlich«, steht der Balsam licht neben dem Gifte, um daS Leben über den Tod siegen zu machen. , \ . I ' 1 8 4 7. In dem - -erzen einer Mutter'liegt oft die größte Seligkeit dicht neben dem-größten Schinerze.'i Die größte Seligkeit ein r Mutter ist, wenn vor ihre»' Augen der Sohn. den sie unter ihrem Herzen getrageif, gedeihlich heranzewachst n ist, unddurch eine Fülle von! Talent und nach einem großen «Maße von Anstrengungen «eine bedeutende AuSzei )nung errungen unv eine schönt Stute erstiegen bat. Der größte Schmerzt einer^'Mlltter ist, Hch gerade darur, von dem heißgeliebten Kinde rreünen, und den sie tägli,. stündlich in Schöne und Liebes um .sich zu sehen daS Glück gehabt, nun Monate. Jahrej entbehren zu müssen. O. Bruder und Schwester werden im Gleichmaß der Tage sic» gleichgültige selbst Gatte Und Gattin können im stür dlicken Verkehr den Reiz für finaichek -verlieren. und ie größte NristeSfülle schützt nicht davor, sich^ langweilig-, z i werden — aber ein Mutterüqrz wird des KmdeS. nie überdrüssig, und würde am U bsten — die ganze Eipig eit so mit ihm vor sich sehen .... ^ie Witwe B. in dem schlesischen Städtchen O. batte einen einzig n Sohn', der friffTn Vater schön tut zweit« Jabrk feinet LebenS verloren hatte. SS Png ihr kümmerlich, abe nicht elend, unv sie > vermochte/-zwar mitvle» len Horger und Nöthen kämpfend, aber, «e vermochte doch ihrem Bernhard eine gute Erziehung z» geben. <54 waren glück iche Tagt, wenn der Knabe ans 'dem Gvmna» stnin nach - -ause kam und eine treffliche Ejensur, dii seinen Fleiß »nd feine glücklichen Anlagen aberkannte, mitbrachte, uw so glücklicher, al» sie schwer erlangen und erkauft werd n mußten. Die Lehrer warew fther auch dem ebenso geinwie gemülhreich/n Knaben,, hem die Vorsehung noc > dazu ein glückliches Aeußere gegeben,^überaus fteund ich gesinnt. Bei ollem Fleiße. r6ti allem heiligen Erns e, den er seinen. Arbeiten widmgtie. war er ein heiterer, fröhlicher Knabe, der Alleleicht nahm, unh zu rechter Zei einen Angriff durch einen Witz,, der, nichklbeleidigte. zt entwaffnen verstand. Die Au^chchnungen, die tx auf der Schule errang, bestanden aber auch nicht blos in Worten ja nicht allein in schönen Büchern, sondern man erth ilte ihm auch kleine Stipendienals Prämie, welche die Mutter sorgfälttg für die Studienzeit sammelte. - Für diese hatte übrigens ein begüterter Oheim genügend« Unterstützt og zugesagt, so daß sich die Ankunft lichtvoll den beide» Herzensmenscheu eröffnete. Unser Bernhard.