Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 12 (10.1912)
- Date
- 1912-10-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 16 — Schulen. Denn die jüdischen Schulen Preussens sind seit Jahrzehnten ständig in ausserordentlich starker Weise zurückgegangen. Im Jahre 1886 wurden noch' 13 249, im Jahre 1901 nur noch 6 937 jüdische Kinder in jüdischen Schulen unterrichtet, während im Jahre 1901 im ganzen 24 022 jüdische Volksschülkimler in Preussen vorhanden waren. Ebenso wie für die Kinder, war die vorgeschlagene Regelung auch von grosser Tragweite für die jüdischen Lehrer und Lehrerinnen, da sie nach Lage der Verhältnisse in absehbarer Zeit nur auf dem vom Verband befürworteten Wege auf erweiterte Möglichkeiten der Anstellung rechnen konnten. Endlich übersieht die Gegenpartei, dass nach alter Erfahrung Einrichtungen, die nicht im Anschluss an neuere Entwickelungen zeitgemäss gesetzlich geregelt werden, dem allmählichen Verfall preisgegeben sind, und dass daher nötigenfalls selbst ein Opfer hätte gebracht werden müssen (was im vorliegenden Fall aber in Wirklichkeit nicht verlangt war), um das jüdische Schulwesen im lebendigen Zusammenhang mit der sonstigen Neuregelung des öffentlichen Volksschulwesens zu erhalten. Was diesmal erreichbar war, wird nur schwer nachträglich erlangt werden können, und Herr Cahn hat überdies die Freundlichkeit,, im Verlaufe seiner Darstellung der Regierung auch für die Zukunft zahlreiche Winke zu geben, durch welche Einwände sie den Juden die Gleichberechtigung mit christlichen Minderheiten auf diesem Gebiet dauernd vorzuenthalten in der Lage sein möchte. Herr Cahn ist offenbar sehr stolz auf seinen Erfolg. Er höhnt den Verband wegen „der ernsten Klage über die erlittene Niederlage" und des „wehmutsvollen Tones", in dem das negative Ergebnis mitgeteilt werde. Es ist aber durchaus nicht stihwer, dadurch, dass man sich mit dem gemeinsamen Gegner verbündet, ein Parteiinteresse zu fördern, wenn man nur entschlossen ist, .hierbei die Interessen der Gesamtheit unberücksichtigt zu lassen. , Man kommt dann, auf staatliche Verhältnisse angewendet, etwa zu den früheren polnischen oder den jetzigen persischen Zuständen. Zunächst erlangt die eine Partei einen Sondervorteil. Nur schade, dass am Ende aller Dinge sie mit nicht grösserer Schonung als die andere Partei vom gemeinsamen Gtfgner niedergezwungen wird. Nicht anders im Widerstreit der religiösen Gesamtheitezfr^Seit altersher führen die christlichen Kirchen den Kampf gegen das Judentum. Die Kampfmittel sind mildere geworden; der Kampf ist geblieben, und er richtet sich nicht weniger gegen die orthodoxe als gegen die liberale ^nscnauung- ^aä8 unter den Jaden selbst sehr verschiedene Glaubensmeinungen bestehen, und zwar nicht nur die zwei, die Cahn willkürlich herausgreift, sonjdern ungezählte in langsamer Abstufung, wer leugnet das? Und wer leugnet/ dass die beiden äussersten Flügel ziemlich weit von einander entfernt sind? Aber es ist ein Trugschluss, wenn Cahn aus diesem weiten Auseinanderfallen der Anschauungen die Unmöglichkeit eines Zusammengehens nach;aussen