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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1910-06-01 · 7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer) · p. Seite 12

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
4 (1910)
Issue
7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer)
Date
1910-06-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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— 12 — Freüdenlied anzustimmen. Da sprach der Herr: Meine Geschöpfe sinken ins Meer und Ihr wollet Lieder singen?!" Im Jalknt lesen wir S. 20b „Israelit oder Heide, Mann oder Frau, Knecht oder Freier, Alle sind gleich für mich; jedes gute "Werk ist vom Lohne begleitet." Ebendaselbst S. 20 b und weiter S. 267a: „Liebe den Ewigen Deinen Gott —> dies zeigt an, sich geliebt zu machen von allen seinen. Geschöpfen, sich fern zu halten von der Sünde und dem Betrug sowohl in Bezug auf Israel.) wie auf die Heiden und auf jeden Menschen. Wer ein Dieb ist gegen den Götzendiener, wird auch ein Dieb sein gegen ganz Israel. Das Gesetz wurde gegeben nm den grossen Namen Gottes zu heiligen." Mit diesen beiden Jalkut-Stellen haben wir bereits die talmudische Epoche (im engeren Sinne) verlassen und befinden uns im zehnten Jahrhundert. Dass die Juden solche Gesinnung auch in den Zeiten fürchterlichster Verfolgung bewahrten, zeigen viele Aeusserungen. R. Juda der Fromme (1217 gestorben) schreibt in seinem Sitten-Buche: „Wenn zwischen Juden und Nichtjuden ein Vertrag zu gegenseitigem Beistand abgeschlossen wurde, müssen erstece Beistand leisten, wenn letztere ihrer Verpflichtung nachkommen. Will ein Jude einen Nichtjuden töten, dieser aber nicht jenen, so müssen wir dem Nichtjuden beistehen. In dem Verkehr mit Nichtjuden befleissige Dich derselben Redlichkeit wie mit Juden. Fliehet ein Mörder zu Dir, so gewähre ihm keinen Schutz, auch wenn er ein Jude ist, begegnet Dir aber \auf schmalem, schlechtem Wege ein Lastträger, so mache ihm Platz, auch wenn er kein Jude ist." Ungefähr zur selben Zeit sprechen christliche Prediger in ihren Reden von den Juden in den allergehässigsten Ausdrücken. Selbst der milde Berthold von Regensburg empfiehlt die völlige Ausrottung der Juden für den Fall, dass sie sich allzusehr vermehren sollten. Immer weiter breitet sich im XH.—XVI. Jahrhundert unter den Christen die Vorstellung aus, Juden hinzuschlachten sei ein gottgefälliges Werk. Christlich - Deutsche Familien setzen ihre „Ehre" drein, sich „Judenbreter" d. h. Judenbrater zu nennen aus Stolz darüber, Juden verbrannt zu haben!! Niemals ist einem Juden trotz aller unsagbaren Unbill der Gedanke gekommen, es sei ein frommes Tun, den Christen Unrecht zuzufügen. Auch in den finstersten Jahrhunderten der Verfolgung hütete Israel den Lichtgedanken der Menschen-Verbrüderung, defi es zuerst gedacht, und für den es gedultet und gelitten hatte. Das heidnische Altertum mit seinen autochtonen Völkern hatte grosse nationale Geschichtsschreiber, aber das Wort „Menschheit", das, wie Max Müller sagt, nie über die Lippen eines Sokrates, Plato, Aristoteles gekommen ist, kannte es nicht. Und deshalb wusste dass heidnische Altertum nichts von einer zuzammenhängenden Entwickelung. des Menschengeschlechts. Steinthal sagt irgendwo: ^Dächten wir uns die Griechen noch begabter, als sie waren, so hätten wir vielleicht zehn Sophokles, zehn Phidias statt des einen, oder schönere Tragödien, noch vollendetere Bildsäulen, aber keinen Gottes- und Menschheitsgedanken. Diesen den Völkern gebracht zu haben, ist und bleibt Israels unvergleichliches kulturgeschichtliches Verdienst (allen wissenschaftlichen und unwissenschaftlichen Jadenfeinden zum Trotz)". i, r ' i I

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