Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1910-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- IRI
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Die Gemeindevorstände werden gebeten, das Blatt in Umlanf in setzen. Weitere Abdrücke versendet auf Wunsch unentgeltlich der Verband der Deutschen Juden, Berlin W.85, Potedameretr. 45. TIo. 7. (Apologetische Sondernummer). jfuni 1910., Korrespondenz-Blatt des Verbandes der Deutschen luden herausgegeben von dessen Generalsekretär E.-A. Dr. Mix J. Loewenthal-Berlin. Durch Aufnahme eines Aufsatzes in dieses Blatt Übernimmt der Verband nicht die Vertretung jeder darin enthaltenen Meinungsäusserung oder Anregung. Der Nachdruck aller Artikel ist gestattet. Oesinnung. Von Geh. Regierungsrat Dr. Hermann Cohen, ordentlichem Professor der Philosophie an der Universität Märburg. Gesinnung wird am häufigsten unserem Religionswesen bestritten. Das Vorurteil wurzelt in der paulinischen Bekämpfung des Gesetzes und in der Entgegenstellung des Glaubens. Dass der Glaube selber Glaubens Satzungen einschliesst, wird nicht bedacht; geschweige, dass diese härter drücken können als die beschwerlichsten Bindungen der Lebensformen. Der Glaube wird nach der poetischen Idealisierung Luthers, in seiner Vorrede zu den Psalmen, als etwas schlechthin Inneres aller gottesdienstlichen Werktätigkeit entgegengesetzt. Ea wird ebenso wenig bedacht, dass dieser Glaube, abgesehen von seinem dogmatischen Inhalt, selbst auch Ritualien fordert, und dass unter diesen sich z. B. das Abendmahl befindet, welches nicht nur in der Lehre von der^Transsubstantiatlon sogar die neuere Philosophie in Mitleidenschaft gezogen hat, vollends aber der Geschichte der Tieformation ihr Gepräge aufdrückt, und endlich, das moderne religiöse Bewusstsein des Protestanten zur lebhaften Unterscheidung von Ritus und Bedeutung herausfordert. Es bleibt dabei: im, Judentum waltet der Ritus v<^r, und mithin fehlt ihm die Gesinnung. Es wird gar nicht an die Möglichkeit gedacht, trotz aller historischen Bildung, der man sich befleissigt, dass der Ritus selbst auch im anderen Lager, wie im eigenen, als ein Akt der Gesinnung gehegt und gepflegt werden könne; dass man ihn wie ein poetisches Gut des religiösen Lebens mit innerlichster Sympathie, mit ausdeutender Idealisierung seiner geistigen und sittlichen Beziehungen auf das gesamte Menschenleben lieben und hüten kann. •'\ Dieses Vorurteil führt sogar zu mangelhafter Bibelforschung. Theobald Ziegler, ein Mann, dem sicherlich jede neumodische Gehässigkeit abgeht, und der eine gute theologische Bildung hat, sagt in seiner