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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1910-01-01 · 6 (1.1910) · p. Seite 9

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
4 (1910)
Issue
6 (1.1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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/ — 9 — von der Beamtenklasse auageht, einen der wichtigsten Gründe dafür zu suchen, dass das Verhältnis der Christen zu ihren jüdischen Mitbürgern sich nicht entscheidend bessern, will. Ueber unmittelbare Angriffe dos Antisemitismus ist zwar selten Klage zu führen, aber von einem wirklichen privaten Verkehr zwischen christlichen und jüdischen Deutschon können nur ganz wenige Vertrauensmänner melden: in kühlem Abstand, wie es «ich für Söhne eines gemeinsamen| Vaterlandes keineswegs ziemt, bewegen sich die Beziehungen zumeist.' Und Bekundungen eines offenkundigen Antisemitismus sind immerhin auch wieder vereinzelt zu verzeichnen. In der Mehrzahl der Fälle scheint dabei der Geist der Unduldsamkeit eben aus den Kreisen des Beamtentums hervorzugehen. So unbefriedigend nun diese Zustände im ganzen auch siud^ so gibt uns doch die geschilderte Ungleichniässigkeityder Verhältnisse mit ihren Ausnahmen zum Guten wenigstens die beruhigende Gewissheit, dass die überwiegend schlechten 'Zustände nicht Folgen/eines einheitlich schlechten Prinzips, einer unüberwindlichen feindlichen Neigung sind. Es liegt wohl, vielfach mehr Gedankenlosigkeit und Unüberlegtheit als böser Wille vor, und so darf man hoffen, dass jede Kundgebung, die.ernste Beachtung für Wesen und Willeb des deutschen Judentums zu erwecken vermag, die Sachlage verbessern muss. Viele Kränkungen, die uns heute offiziell und privatim widerfahren, werden unterbleiben, wenn erst weiteren Kreisen unserer christlichen Mitbürger klar geworden sein wird, dass die deutsche Judenschaft einige Hunderttausend Menschen umschliesst, die gern bereit sind^ zu allen guten Zwecken im deutschen Vaterland mitzuarbeiten, die aber auch fest und nachdrücklich für die Angehörigen ihrer Religionsgemeinschaft diejenige Achtung fordern, die jedem Staatsbürger zukommt. Im Sinne solcher Aufklärung ist zum guten Teil die Arbeit unseres Verbandes zu verstehen, und wir dürfen uns wohl der Hoffnung hingeben, dass auch der Breslauer Tag dazu beigetragen hat, Klarheit über das Wesen, Achtung vor der Arbeit der deutschen Juden zu verbreiten, und dass er so seinen Zweck in schöner Weise erfüllt hat.

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