Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 6 (1.1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Oberlehrern,*) ungefähr 1,150 o der -preussischen Oberlehrer überhaupt, stehen 26 Getaufte gegenüber: von diesen ist eine Anzahl schon im jugendlichen Alter, insbesondere während der Studienzeit, zum christlichen Glauben 'übergetreten und nur bei 9 von, iknen hat festgestellt werden können, dass sie kurz vor oder kurz nach Erlangung der Anstellung oder des höheren Amtes den Uebertritt vollzogen haben. Ein Einfluss der Taufe auf das Avancement ist aber aus den oben erwähnten Gründen auch hier nicht festgestellt. Ist also eine ungleiche Behandlung der Juden während der Anstellungszeit nicht festzustellen gewesen, so ist eine solche doeh"Dei der Uebertragung der Lehrfächer zu konstatieren. Der Unterricht im Deutschen wird manchmal jüdischen Oberlehrern "vorenthalten. Auch vom .Geschichtsunterricht hält man zuweilen die Juden fern, als ob die Zugehörigkeit zur jüdischen Religion für den Unterricht der Staats- und' Kulturgeschichte von schädlicher "Wirkung sein könnte. Noch deutlicher tritt die Beschränkung der Juden hinsichtlich ihrer Anstellung an königlichen im Vergleich zu städtischen Schulen und hinsichtlich der einzelnen Anstellungsorte in die Erscheinung. Es gibt in Preussen 53 jüdische Professoren und 43 jüdische Oberlehrer. Davon sind nur 11 an' königlichen Schulen (8 an Gymnasien, 3 an Realgymnasien), von den übrigen sind 69 an städtischen Schulen' und 16 an den beiden jüdischen Schulen in Frankfurt a. M. angüsfeTft. Von den 11 an königlichen Schulen angestellten sind je 2 in Berlin und Posen, je 1 in Breslau. Alienstein, Bromberg, Graudenz, Strasburg i. "W.-Pr., Thorn und Wittstock ansässig., i Von den stadtischen Oberlehrern jüdischen Glaubens sind 17 an Gymnasien, 19 an Realgymnasien. 1 an einem Realprogymnasium, 6 an Oberrealschulen und 26 an Realschulen tätig. Von diesen 69 sind allein in Berlin und Charlottenburg 56, Breslau 4.- Frankfurt a. M. 3, zusammen also '63 angestellt, daneben nur noch in einer Stadt (Kattowitzi 2, *in vier Siädten^je 1 (Magdeburg, Danzig, Calbe, Crossen i. 'Hieraus 'geht klar hervor, dassNlie jüdischen Oberlehrer, wenn ilierhaupt!Anstellung erlangen wollen, diese ganz überwiegend nur in wenigen grossen Städteiv rinden: charakteristisch ist hierbei, dass in .der Rheinprovinz und Westfalen, in Pommern und Schleswig-Holstein überhaupt kein jüdischer Oberlehrer angestellt ist.- Aber auch die Mehrzahl der getauften Oberlehrer ist an städtischen Schulen und in grossen Städten — in Berlin 14 an städtischen, 1 an einer königlichen — angestellt, sodass auch in dieser'Beziehung die Taufe eine Bevorzugung nicht zur Folge hat. I; Die Taufe nützt also bei der Schulverwaltung' überhaupt nichts. Auch die Getauften werden nicht Direktoren. Das ist das Einzige, was man der bisherigen preussischen Schulverwaltung zu Gute ' halten kann.' Schritte zur Besserung der Verhältnisse der jüdischen Oberlehrer zu tun. erscheint' so lange aussichtslos, wie die preussische Schulpolitik auf ihrem bisherigen Wege verbleibt. *) Anm. Die in dem Aafsatz zusammengestellten die Oberlehrer betreffenden Zahlen beruhen auf den Angaben von Kunze's Kalender für das höhere Schulwesen Preussens von lj909.