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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1908-05-01 · 2 (5.1908) · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
2 (1908)
Issue
2 (5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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schreiben, wenn die Korrespondenz der lejtzten zwei Quartale (1907 III. und IV.) einen so viel günstigeren Eindruck macht, als die der ersten Berichtsperioden. Zwar sind wir bei weitem noch nicht am Ziel unserer Wünsche. Die Zahl der Bezirke, deren bestallte Wächter in der Mehrzahl der .Quartale oder gar regelmässig schweigen, ist noch immer betrübend gross. Die erfreuliche Veränderung liegt vor allem bei der Schar derer, die überhaupt Bericht senden; die Qualität des einlaufenden Materials hat sich in ganz überraschender Weise gehoben.' In: den Quartalen unserer vorigen Uebersicht machten die „Fehlberichte", die einfachen Meldungen, dass „nichts vorgefallen" sei, noch nahezu 54% (!) des ganzen Einlaüfs aus. Diesmal, unter den Berichten der letzten zwei Quartale, betragen sie nur noch 23% (!) Während wir voriges Mal kaum ein halbes Dutzend wirklich eingehender Referate besassen, erfreuen wir uns diesmal einer grossen Zahl von Schilderungen, die ihren Gegenstand wirklich allseitig erfassen und uns ein rundes Bild vom Leben der jüdischen Bewohner jener Bezirke geben. Jener kleinen Zahl, deren vorzügliche Exposes wir schon damals rühmen konnten, haben sich nun mit sehr orientierenden, sehr eingehenden Referaten die Korrespondenten aus Stuttgart, Strassburg, Metz, Schweinfurt, Düsseldorf, Bielefeld, Kattowitz, Thorn .und manchen anderen Orten angeschlossen. Und diese erfreuliche Veränderung. geschah nicht etwa, weil das Leben der Juden im Deutschen Reich plötzlich um soviel reicher an auffälligen, bemerkenswerten Vorgängen geworden war, sondern weil bei vielen Korrespondenten erst jetzt das rechte Interesse geweckt und der Blick geöffnet war für das eigentliche Ziel unserer Korrespondenz: ein Material zusammenzutragen, das den Äusschuss des Verbandes jederzeit in die Lage 'setzt, sich ein Bild vom Zustand der deutschen Juden in allen irgendwie wichtigen Beziehungen zu machen und auf solcher Einsicht fassend seine Entschlüsse zu fassen. Dass dies Ziel erreicht sei, dass solch vollständiges Bild ans unserer Korrespondenz gewonnen werden könne, daran fehlt freilich noch immer sehr viel. Die Lücken, die jene beharrlich schweigenden Bezirke in unserm Material lassen, sind noch viel zu gross, als dass man die Resultate aus den vorliegenden Berichten nun schon als definitiv richtig, als\ unbedingt charakteristisch für die Gesamtlage der deutschen Juden bezeichnen könnte. Aber mit wieviel Einschränkung man auch von der Allgemeingültdgkeit der so zu gewinnenden Einsichten sprechen muss, die diesmal so erfreulich viel zahlreicheren Zustandsschilderungen aus den verschiedensten Teilen Deutschlands zeigen doch zu viel gemeinsame oder auffällig korrespondierende Züge, als dass man sich scheuen müsste, ihre Zusammenfassung für ein doch in manchen Stücken treffendes Bild von der gegenwärtigen Situation der deutschen Juden überhaupt zu halten. Mit allem .nötigen Vorbehalt. sei denn das Bild, das uns die vorliegenden Berichte im Anschluss an die im Anhange abgedruckten, für die Vertrauensmänner bestimmten Fragebogen gewähren, in seinen wichtigsten Linien) umrissen: Was zunächst die Bewegung der jüdischen Bevölkerung anlangt, so sind irgendwie anormale Vorgänge vpn nirgends berichtet; es ist nur zu sagen, dass die Juden an den allgemeinen Erscheinungen der Zeit auch insofern

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