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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1907-10-01 · 1 (10.1907) · p. Seite 2

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
1 (1907)
Issue
1 (10.1907)
Date
1907-10-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Der Verband der Deutschen Juden dagegen ist einerseits nicht auf die blosse Defensive gestellt, ist kein blosses Negativ zum Antisemitismus; er wird in zahlreichen Fällen die gemeinsamen Staatsbürger-Interessen der Juden höchst positiv zu fördern haben, indem er den ausschlaggebenden Instanzen bei allen Gesetzentwürfen, die . das Gemeinsame der Juden tangieren, den "Wunsch dieser Gemeinschaft, ausdrückt. Andrerseits wird der Verband, auch wo er sich mit der Abwehr befasst, nirgends den einzelnen Fall, das speziell zu sühnende Unrecht im Auge haben können; nur 'um die symptomatische Bedeutung solcher Kränkung kann es sich für ihn handeln Aehnlich hat der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" auf einem engeren Feld eine weit mehr ins Einzelne gehende Arbeit zu verrichten als der Verband. Wenn er die Organisations-, .Unterrichts-, Fürsorge- und dergl. Angelegenheiten der Gemeinden pflegt, so ist ihm ein liebevolles Eingehen auf die vielfach verschiedenen inneren Zustände der einzelnen Gruppen Pflicht — aber den Verband als solchen dürfen nur die grossen, allen Teilen gemeinsamen Grundzüge des jüdischen Gemeindelebens angehen, nnr jene Züge, die die Besonderheit und: Einheit des Judentums ausmachen und abgrenzen, die also um der Selbsterhaltung der Juden willen geschützt und gepflegt werden müssen. Aber andrerseits verfolgt der Verband schon mit Rechtsschutz und politischer Repräsentation gemeinsame Juden-Interessen, die weit über das hinausgehen, was der Gemeindebund leisten kann und leisten will. Nicht minder deutlich trennt sich das Wesen des Verbandes der Deutschen Juden von dem Charakter des „Rabbinerverbandes", des „Verbandes der jüdischen Lehrerverejne" und anderer Verbindungen mehr. Denn der Schutz unserer Religieux, die Beschirmung jüdischen Bildungswesens ist Aufgabe des Verbandes, nur wefy und insoweit auf geistigem' Gebiet das stärkste Lebensinteresse hegt, das die jüdischen Bürger Deutschlands eint. Deshalb gehört wohl auch die Apologetik zu den Aufgaben des Verbandes, keineswegs aber ein Eingehen auf die rankeren Fragen unserer Glaubenslehre, unseres Erziehungswesens. Der Verband ist kein Synedrion, kein Kirchenregiment. Die ihm eingeordneten älteren Vereine mögen wohl auf ihrem engeren Felde ein weit mehr zum Einzelnen gewendetes Interesse entfalten — der sie umfassende Verband abstrahiert in völliger Uebereinstimmung mit diesen Vereinen aus ihnen allen nur das eine die jüdische Gemeinschaft bildende Element. Er will zu jeder Frage nur als Träger des jüdischen Gemeinbewusstseins sprechen: diesem Bewusstsein Ausbreitung und sonach Ausdruck zu verschaffen, ist seine erste und letzte Aufgabq. Zu einer Zeit, wo gerade in den sozial begünstigsten Schichten noch ~ier viele Juden dem antisemitischen Angriff gegenüber die Taktik des Verena spielen und ihr Heil in einer ebenso falschen wie unwürdigen Art der imilation suchen; in einer Zeit, wo noch immer die Fahnenflucht im jüdischen Lager sich neben der grobsichtbaren Form der Taufe als Indifferentismus und feige Zurückhaltung offenbart, in solcher Zeit will der Verband jüdisches Selbstgefühl aussäen, will aus diesem Gefühl für das Judentum den Mut es zu vertreten, aus diesem Mut die Kraft es zu schützen, aufwachsen lassen. Denn G00 0O0 Menschen, die ihre Zusammengehörigkeit empfinden und,vertreten, sind

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