Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 11 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 92 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492308-5442837-5443511--336-4908617- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
92 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 9. 38 XV. Nr. 11 stellt wurde, die immer auch die Frau persönlich, und gerade sie als die Mutter der neuen Generation, als die Wahrerin der häuslichen W erte, mit anging. Das Wissen um diese . Wahl muß heute in den jüdischen Frauen, die in Deutschland Umstellungen im Aeuüeren und Umbildungen im Innereu vollzogen haben, so lebendig sein, daß sie das Unterschiedensein von ihrer Umwelt nicht mehr mit einem Bedauern oder gar mit einem Schmerz ansehen. Gerade die jüdische Frau darf heute nicht zu denen gehören, die nicht vergessen wollen oder es nicht können. Wer zurückschallen will, muß stillstehen, damit er zurückschallen kann. Wer vorwärtsgeht, blickt auf den Weg voraus. Die Fntscheidung, die von der jüdischen Frau heute verlangt wird, liegt darin, daß sie entschlossen einen Strich macht unter alles das. w as war. Fs ist auch nicht so, daß gerade die alten Frauen unter uns nicht den Blick voraus hätten, und daß es die Generation zwischen dreißig und fünfzig eher vermöchte, vergessen zu haben und neu anzufangen, ganz abgesehen natürlich von denen, die heute Kinder und junge Frauen sind. Vielmehr ist es, so. daß gerade die alten Frauen, die noch weit mehr gestützt sind, durch das Wissen um das Wesen des Judentums und die Werte des häuslichen und synagogalen Kults, mehr Mut zu dieser Entscheidung und mehr Kraft für die Umstellung aufgebracht haben als die jüngeren. Gerade die alten Frauen haben die großartige Haltung noch, die sich in dem Wort ausgeprägt hat: „Der Tisch des Hauses entsühnet Israel"; in diesem großartigen Wort, das in die Frauenhände die ganze Verantwortung dafür gelegt hat, daß das jüdische Haus und die jüdische Familie Träger der alten Verpflichtung und Verwirklicher der Mizwoth blieben. Fs gibt eine talmudische Geschichte, in der erzählt wird, wie bei dem Gebet um Regen die Wolken zuerst auf der Seite der Frau aufstiegen, und die Erklärung, die ihr frommer und gelehrter Mann dafür gibt, ist die: ..Weil es die Frau ist, die dem Bedürftigen das Brot reicht". Die Bedürftigen unserer Tage sind aber nicht nur diejenigen, die Brot und Kleid von uns wollen, die Bedürftigen unserer Tage verlangen sehr oft das geistige Brot und das Kleid für ihre Seele, die des alten, hochmütigen Prunks beraubt worden ist. Hier vermag aber nur zu geben, wer nicht zurückschaut. Nur wer entschlossen ist. sich der Forderung des Tages und den wirklichen Verhältnissen ohne Beschönigung und ohne törichte Hoffnungen, zu entscheiden, der hat begriffen, was von der jüdischen Frau heute verlangt wird. Es ist nichts anderes, als was von all den Frauengenerationen vor uns immer "wieder verlangt wurde. Darum ist es an uns |ZU beweisen, daß wir kein kleines Geschlecht in der Reihe der Geschlechter Israels sind. M. W. Ein Vademecum für Auswanderer Von Rechtsanwalt Dr. Gunzenhauser, Stuttgart Täglich nimmt die Zahl der Glaubensgenossen, welche aus Deutschland auswandern, zu. Der Hauptstrom der Auswanderer geht nach den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. Wir machen die Beobachtung, daß ein großer Teil derselben mit ganz falschen Vorstellungen die Ausreise antritt: Die einen machen sich große Illusionen, als kämen sie in Amerika in das „Gelobte Uand", wo jeder ohne weiteres Arbeit und Brot findet; die anderen sind verzagt und kleinmütig und wollen es eben wagen, weil sie müssen, und weil ihnen keine andere Wahl bleibt. Es ist ganz gewiß besonders wichtig für jeden Auswanderer, sich ein richtiges Bild zu machen von dem Uand, in das er sich begibt, denn nur dann kann er einerseits die Vorbereitungen richtig treffen und andererseits sich auch im Land selbst am besten zurechtfinden. Es ist deshalb ein besonderes Verdienst des Hilfsvereins, daß er in einem neu herausgegebenen Korrespondenzblatt besonders eingehend die Vereinigten Staaten von Nord- Amerika bespricht, daneben auch Cuba und die Philippinen. Es darf wohl gesagt werden, daß eine gründlichere Darstellung über das, was der Einwanderer wissen muß, speziell über Nord-Amerika, bis jetzt wohl nicht gegeben wurde. Es liegen wohl Beschreibungen von Amerika in verschiedenen Formen vor, welche teils in anekdotenhafter Form einzelne Schlaglichter geben. Die in dem genannten Korrespondenzblatt enthaltene Schilderung ist aber gründlich abgewogen und beruht auf Berichten von Persönlichkeiten, deren Urteil wertvoll ist und die in vielen Jahren gesammelte Beobachtungen niedergelegt haben. Ii; dem Bericht sind die Einwanderungsbestimmungen, genaue Beschreibung von Land und Leuten, insbesondere auch die klimatischen und kulturellen Verhältnisse, vor allem aber die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Aussichten, in den verschiedenen Betrieben unterzukommen, die Art des Verdienstes und des Verbrauchs, der Lebensstandard, ferner eine Darstellung des jüdischen Lebens gegeben. Die Darstellung macht den Eindruck absoluter Zuverlässigkeit, die weder zu viel verspricht noch zu wenig erwarten läßt. Dem Einwanderer werden Anhaltspunkte gegeben, wie er sich, wenn er ins Land kommt, zu verhalten hat, welche Fehler er vermeiden muß. daß er insbesondere sich nicht als Mull- Amerikaner fühlen, sondern versuchen soll, die Sitten und Gebräuche des Landes so in sich aufzunehmen, daß er vollständig in ihm aufgeht. Die Darstellung versäumt nicht, die vielen Fehler, die gemacht werden, deutlich vor Augen zu führen, während andererseits auch anerkannt ist, daß ein guter Teil der Einwanderer, vor allem die Frauen, sich vorzüglich bewähren. - Es würde zu weit führen, auf Einzelheiten einzugehen; es kann aber jedem, der vor der Frage der Auswanderung steht, empfohlen werden, das Korrespondenzblatt gründlich durchzusehen. Dies wird ihm für seinen weiteren Lebensweg sicherlich von sehr großer Bedeutung sein. Da die Zahl der Auswanderer nach Cuba und den Philippinen ja nicht sehr groß ist, so soll auf diese beiden Länder hier nicht weiter eingegangen werden. Gerade aber deshalb, weil über die Einwanderungsmöglichkeit in diese Länder und die Verhältnisse dort nur wenig bekannt ist, muß es als willkommen bezeichnet werden, daß auch über diese beiden Länder gründliche und zuverlässige Mitteilungen nunmehr vorliegen. Das Korrespondenzblatt kostet RM. 1.50 und kann in der Beratungsstelle des Hilfsvereins, Stuttgart, Gartenstraße 15, bezogen werden. Selbst für denjenigen, der nicht an die Auswanderung denkt, insbesondere für solche, die Angehörige in Amerika haben, ist es eine nützliche und unterhaltende Lektüre. J. BAUER & Co. STUTTGART Rotebühlstr.67c Eck« Sllberburgstraßa MASCHINEN u.WERKZEUGE ZUR EISEN-, BLECH- U. M ETA LI. - B E AR B EITU N Q SpoxIaTwarkzauge f. Autogarag«n und Autoreparatur OroS« Lagerhaltung Juwelen« Gold* Silber Silbergerate, Schmuck, Trauringe Bestecke echt Silber und versilbert p Ich nowsky I Anu. Verkauf. Umarbeitungen. g.b Nr. ateoe WEINBERG-BENDHEIM Packpapiere / Pappen Leichtbau —Platten STUTTGART Fafflfaanzeifien jjjg Gemeindeblatt Probieren Sie unser ßß Siesgin €( das vorzügliche, aelbttutlge Wttchmittel. jedem Konkurreosprodukr gleichwertig. Ein Vernich macht Sic in unterem dauernden Kunden. Versind erfolgt franko unter Nachnahme direkt an Verbraucher. Pottpaket mit 9/1 Pfd. RM. •.— Schwarxwälder Oal- und Fettwaren vertrieb loh.: Hermann Qideon Horb a.N. | udwig Martin Lederwarenfabrik ULM/Donau Dr.Ernst Blum Devisenberater fOr indische Auswanderer Jetst: Mannheim A3,9 Telephon: 289 73 \ /£b\ SCHUHE Immer gut! Immer preiswert' erhältlich bei Schuh-Katz Stuttgart, Leonhardsplatz 8 Telefon 24864