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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-07-15 · 8 (15.7.1938) · p. Seite 70

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
8 (15.7.1938)
Date
1938-07-15
Page
Seite 70 (sequence 4)
Language
German
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70 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 15. 7. 38 XV. Nr. 8 hofft, daß sich sein Betrieb günstig entwickein wird. Sein ganzes Streben ist naturgemäß darauf berichtet. Frau und Kinder sobald als möglich nachkommen zu lassen. Eine unverheiratete Frau: Grete Berliner, jetzt 37 Jahre a!t. ist Anfang 1937 nach Johannesburg gegangen. Beruf in Deutschland vnd in Johannesburg Stenotypistin. Jetzige Arbeitszeit von 1 *9 Hs 1 -6 Uhr. Monatseinkommen 10 Pfund. Davon kann Fräulein Ber Huer zwar keine Ersparnisse machen, abe do.l: ihren Lebensunterhalt bestreiten. Auf die Frage.-was sie falsch gemacht habe, erfolg: c:c Antwort: ..Paß ich nicht früher hierher gekommen bin." Schließlich eine Aksdeinikerin: Berta Horn. 1897 geboren, war in Deutschland Aerztm Durch Inserat in einer tnedizinisch.cn Ze't- Schrtft tritt sie mit einem Hospital in Adelaide in'-Verbindung. Sie '.vir.; engagiert und fährt nach Australien. In dem dortigen Krankenhaus arbeitet sie gegen ein Gehalt voi 200 Pfund (2000 Goldmark) pro Jahr nebst freier Station — ein Einkommen, von dem sie sogar etwas zurücklegen kann. E>ie Position Von Frl. I »r. Horn bietet freilich keine Garanti. Für die Zukunft: denn der Vertrag mit dem australischen Hospital läuft jeweils nur auf ein Ja'ir. Wie häufig er verlängert wird, ist ungewiß. Für welche unserer Auswanderer ist aber die Frage nach e!er Zukunft ceklärt? AU unsere Menschen, die in der Ferne ein neues Leben besinnen, müssen täglich den Kampf um die Existenz aufs neue aufnehmen. Rückschläge und Enttäuschungen bleiben dabei nicht Aus. Aber die Fragebogen des Hilfsvereins zeigen, daß unsere Menschen den Willen haben, das Schicksal zu meistern, daß sie eine Einsatzbereitschaft besitzen, die auch durch.Mißerfolge nicht erschüttert wird. Von der Bücherei der Israel. Gemeinde Stuttgart Von der Leiterin der Gemeindebücherei in Stuttgart wird uns geschrieben: Die Gemeindebücherei ist umgezogen. Entsprechend ihrer wachsenden Bedeutung im Gemeindeleben wurden ihr neue Räume im I. Stock des Gemeindehauses zugewiesen und ein Lesezimmer angegliedert, in dem eine Anzahl jüdischer Zeitungen. Zeitschriften und Nachschlagewerke aufliegt. — Die Einrichtung des Lesezimmers war seit langem ein Wunsch der Jugendlichen, die vielfach keinen ungestörten Raum daheim haben können: auch die übrigen Gemeindemitjrbeaer werden es begrüßen; daß eine Stelle geschaffen wurde, bei der sich jeder, der Lust und Muße hat. einen Einblick in die jüdische Publizistik innerhalb Deutschlands verschaffen kann. Daß eine Gemeindebücherei besteht, ist weiten Kreisen bisher nicht bekannt gewesen. Schon mancher Entleiher, der davon gehört hatte und mit einem gewissen Mißtrauen gekommen war. gab seiner Ueberraschung über die Vielseitigkeit der Bücherei — und über die Unentgeltlichkeit — Ausdruck. Vor allem soll etwaigen ..Mißtrauischen" gesagt sein, daß es sich nicht um eine rein religionswissenschaftliche Bücherei handelt. Wie sich infolge der Ereignisse der letzten Jahre die Funktionen der Gemeinde von einer reinen Kultus-Organisation ins Allgemein-Kulturelle, soweit es den jüdischen Bezirk umfaßt, erweitert haben, so hat auch die Gemeindebücherei ihr Gesicht gewechselt. War sie ursprünglich eine Bibliothek, die dem Zweck diente, jüdisches Wisse» zu verbreiten, so hat sie heute die Aufgabe, alle Gebiete jüdischen Lebens, soweit es DER HILFSVEREIN WEIST DIR DEN WEG ERDE AÜS DEM NEUEN WERBEPROSPEKT DES HllFbvEaEINS sich in der; Literatur darstellt, zu umfassen. Darüber hinaus versucht sie auch, der Nachfrage nach Büchern nichtjüdischer Verfasser und dem Bedürfnis nach fremdsprachlicher Literatur zu entsprechen. Ueber den Kreis der Entleiher, über ihre Altersstufung oder über bevorzugte Bücher ließe sich manches Reizvolle erzählen; dies würde jedoch über den Rahmen des uns zur Verfügung stehenden Raumes hinausgehen. Statt dessen ist jedes Gemeindemitglied herzlich eingeladen, sich die Bücherei und ihren Katalog anzusehen und sich auf diese Weise vom Aufbau der Bibliothek ein Bild zu machen. Wir sind überzeugt, daß es nicht bei diesem einen Besuch bleiben wird, sondern daß aus dem Besucher ein Freund unserer Bücherei werden wird. Zum Schluß noch eine Bitte an die auswandernden Gemeindemitglieder: Stellt die Bücher, die Ihr nicht mitnehmt, der Gemeindebücherei zur Verfügung! Manche Spende, die wir auf diese Weise erhalten haben, hat anderen Menschen Freude und Ablenkung geschaffen. Die Gemeinde hat den Wunsch, durch diese Bücherei ihren Mitgliedern seelische Hilfe zu bringen. Man kann nicht von einer bestimmten Gruppe von Büchern sagen, daß sie allein diese Hilfe schaffe. Der eine holt sich Kraft in der jüdischen Literatur, wie sie insbesondere der Schocken-Verlag in den letzten Jahren in zielbewußter Arbeit herausgebracht hat; der andere findet in einem guten Roman, einer Biographie, Reisebeschreibung oder Werken über Kunst die Zerstreuung, die ihm nottut. Nicht zu vergessen sind die Vielen, für die ein fesselndes fremdsprachliches Buch (Englisch!) eine wirksame Unterstützung ihrer Sprachstudien bedeutet. Wer uns Bücher dieser Art zur Verfügung stellt, hilft uns, einem großen Kreis Freude zu bereiten. Dieses Bewußtsein mag es ihm erleichtern, sich von seinen alten Bücher- Freunden zu trennen. — Die Bücherei ist im allgemeinen von 16—18 Uhr, der Lesesaal von 10—20 Uhr geöffnet. Vom Schülersportfest für die jüdischen Schulen in Württemberg Mine dankenswerte Einrichtung des Israel. Oberrats Wie im Vorjahre hat dek Isr. Oberrat am 6 Juli wieder die jüdische Schuljugend von Württemberg eingeladen, damit sie Gelegenheit habe, sich in ihren sportlichen Kenntnissen zu messen. Veranlassung dazu waren die Ausschreibungen der Reichsvertretung für die Schüler der jüdischen Schulen in Deutschland. Es galt, die Reichsbesten von Württemberg zu ermitteln, die dann mit den besten Kämpfern aus Bayern und Baden am 7. Juli zu einem Wettkampfe zusammenkamen. Der Oberrat hatte veranlaßt, daß sich nicht nur die oberen Jahrgänge der jüdischen Schulen treffen konnten, sondern daß alle jüdischen Schulkinder von Württemberg, sowohl die der jüdischen Schulen als auch die jüdischen Schüler, welche sich noch in Höheren oder Berufsschulen befinden, in ihrem sportlichen die Kämpfe im Auftrag des Oberrats eröffnet Kinder auf dem Sportplatz der jüdischen Gemeinde Stuttgart zusammengekommen und es herrschte dort ein fröhlisches Treiben. Während die über 10 Jahre alten Schüler, die an den Wettkämpfen teilnahmen, ihre Leistungen zeigten, beschäftigten sich die jüngere Jugend und die Kinder, die nicht Wettkämpfer waren, mit Spielen. — Der Jüdische Frauenverein-Frauenbund hatte mit verschiedenen Damen aus der Gemeinde die Verpflegung übernommen. Es war eine Freude, die Kinder so herumtummeln zu sehen und es fanden sich die Kinder vom Lande mit denen von der Stadt in herzlicher Kameradschaft. Viele Kinder waren schon am Tage vorher hier angekommen und durften die Gastfreundschaft einer großen Zahl hiesiger Gemeindemitglieder genießen. Sie hatten auch dabei Gelegenheit, sich Stuttgart anzusehen und so ihre Eindrücke zu erweitern. — Der WettkamjM stand unter der Leitung von Turnlehrer Haile, dem sich die Herren Baumann von der Hakoah und Viktor Strauß vom Schild zur Verfügung gestellt hatten. So lag die Leitung in den besten Händen. — Die Spiele hatte Lehrer Samuel, Eßlingen übernommen. Die jüdischen Lehrer von Württemberg und die Sport- und Gymnastikschüler der Sportschule Bloch hatten in beiden Abteilungen genügend Arbeit, um den Ablauf das Tages programmmäßig zu gewährleisten. Anstaltsdirektor Rothschild, Eßlingen, begrüßte im Auftrag des Isr. Oberrats die Kinder und wies darauf hin, daß es Aufgabe der jüdischen Schule heute sei, den Körper zu stählen, aber auch den Geist nicht zu vernachlässigen. So müsse Körper und Geist gleichmäßig in unseren jüdischen Schulen ge-

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