Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 8 (15.7.1938)
- Date
- 1938-07-15
- Page
- Seite 69 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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XV. Nr. 8 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 15. 7. 38 69 schickt und in Hunderten bereits sorgfältig beantwortet zurückerhalten hat. Hier werden dem Auswanderer ganz präzise Fragen gestellt: „Welches war Ihr ursprünglicher Beiuf — welches ist Ihr jetziger? Wie lang ist Ihre Arbeitszeit? Wie hoch ist Ihr Verdienst? Wie verteilen sich Ihre Ausgaben auf die verschiedenen Hauptposten, wie Nahrung. Kleidung, Wohnung usw.? Wie sind die Schul Verhältnisse? Mit wem verkehren Sie (Juden aus Deutschland, Ostjuden, Landesbevölkerung) usw.? Ueberblickt man das eingegangene Material, so ergibt sich eine ungeheuere Buntheit der Schicksale — und im großen und ganzen, die beruhigende Gewißheit, daß die meisten der Antwortenden eine produktive Einordnung in Uebersee allmählich gefunden haben. Greifen wir einige dieser Schicksale heraus, um auch der jüdischen Oeffentlichkeit dadurch einen Einblick in das Leben unserer Auswanderer zu verschaffen. Geändert sind im folgenden nichts als die Namen. Da ist Hans Bloch, ehemals Angestellter aus der Teppich- und Gardinenbranche. 1906 geboren, unverheiratet. Seit Januar 1937 in Buenos Aires, hier zuerst zweiwöchige Arbeitssuche. Dann Stellung als Spuler in einer Seidenfabrik. Stundenlohn 50 Centavos. Arbeitszeit 8 Stunden täglich. — „Mit welchen Schichten verkehren Sie vorwiegend?", will der Fragebogen wissen. ..Ich verkehre mit keinem und habe keine Zeit, da ich spanisch lerne", lautet die Antwort. Anders Herr Wertheimer, ebenfalls in Buenos Aires. „In gesellschaftlicher Hinsicht", so schreibt er, „habe ich gar keine Schwierigkeiten. Wir verkehren in allen Kreisen ohne Unterschied". Trotzdem kann Herr Wertheimer von sich sagen, daß sein Leben nicht gerade leicht ist. Fünf Monate eifrigen Studiums waren notwendig, um die Landessprache notdürftig zu erlernen. „Durch die klimatischen Verhältnisse", konstatiert der jetzt Achtundvierzigjährige, „lernt man hier, besonders in fortgeschrittenem Alter, viel viel schwerer als drüben." Aber die Anfangsschwierigkeiten scheinen überwunden zu sein. Herr W. sucht sich und seine Familie jetzt durch Vertretungen zu ernähren. Das Monatseinkommen ist jedoch naturgemäß „noch ganz unbestimmt". Fritz Bergmann. 58 Jahre alt, betrieb in Deutschland ein Herrenartikel- und Pelzgeschäft. Etwas Kapital stand ihm zur Verfügung. Damit ist er 1937 nach Neu Seeland gegangen, wo er sich eine Kuhfarm gekauft hat. Hier arbeiten er und sein achtundzwanzigjähriger Sohn „oft zwölf Stunden täglich". An Sparen ist noch nicht zu denken. Aber in zwei Jahren hofft er soweit zu sein. Hans Hamburger, 38 Jahre alt, wanderte mit Frau und drei Kindern nach den Vereinigten Staaten aus. Da ihm ein nicht unbeträchtliches Kapital zur Verfügung stand, beteiligte er sich dort an einer Transportgesellschaft und zwar in Kansas City. Sein Monatseinkommen ist verhältnismäßig sehr hoch — 450 Dollars. Aber das ist, wie Herr H. schreibt, „natürlich kein Maßstab", da er ja an dem Unternehmen beteiligt ist. Auf die Frage „Vor welchen Fehlern möchten Sie besonders warnen?", antwortet H.: „Trotz der von mir begangenen Fehler ist es falsch, nichts zu riskieren und zu keinem Entschluß zu kommen. Viele Einwanderer tun das". Und dann gibt er einen Rat, den der Hilfsverein allen von ihm Betreuten Nordamerikafahrern immer und immer wieder, aber leider oft vergeblich erteilt. „Ich halte", so heißt es auf dem Fragebogen, „die Anhäufung größerer Mengen oft berufsloser Juden aus Deutschland in den Riesenstädten des Ostens für gefährlich und bedenklich, sowohl für die Einwanderer, als auch für die Einwanderung." Ein Umschichtler: Franz Alexander, jetzt in Cali (Columbien), war ehemals Vertreter. Dann lernte er schweißen. Seit Mitte Die nächste Nummer erscheint am 1. August Anzeigenschluß: 26. Juli Redaktionsschluß: 39. Juli 1937 betreibt er in Cali selbständig eine Schweißerei. Seine Familie — er ist verheiratet und hat. 2 Kinder — blieb"vorerst in Deutschland. Der Verdienst fn Cali ist noch gering, 50 col. Pesos im Monat. Davon müssen die Kosten für die Werkstatt mit 20 Pesos bestritten werden, weitere 20 gehen für Kleidung drauf und 10 bleiben zum Leben. Bei diesem Etat muß man sich einrichten. Herr Alexander tut das. Vor allem dadurch, daß er sich an die columbianische Kost gewBL.it, „weil deutsche Kii.he bedeutend teurer ist." Freilich ist diese Umstellung nicht ganz einfach. „Von allen Einwanderern", so schreibt der Befragte, „haben es nur vier Mann (ich eingeschlossen) fertig bekommen, längere Zeit columbianisch zu essen." Trotz mancher Entbehrungen ist Alexander optimistisch. Er Die Arbeitsgemeinschaft für Kinderu. Jugend-Alijah sorgt für die Zukunft unserer Kinder Sie Will Jugendliche, denen in Deutschland die Berufswege versperrt sind, in Palästina landwirtschaftlich und handwerklich ausbilden. Sie hat bereits mehr als 2000 Jugendliche in Palästina untergebracht und sorgt für sie bis zum Abschluß ihrer Berufsausbildung. Sie muß noch Tausenden von Jugendlichen, die hier untätig warten, den Weg zur Arbeit in Palästina ermöglichen. Sie Will Juden aller Richtungen fUr diese Aufgabe gewinnen. Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugend-Aliiah Berlin-Charlottenburg 2, KantstraBe 158