Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 7 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- Seite 62 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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62 , .y Jüdisches Gemeindeblau für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg ' 1. 7. 38 XV. Nr. 7 fördert die jüdischen Vereine! die noch nach über einem halben Jahrtausend den Stolz und aufrechte Haltung, die ihnen einstmals auf der fernen Pyrenäenhalbinsel, in Spanien und Portugal eigen war, nicht verloren haben. Wenn sie das „Schma Jisrael" sprechen, dann bedecken sie ehrfürchtig ihre Augen, als wollten sie sich ganz In sich selbst versenken. Welch gewaltiges und einigendes Band die hebräische Sprache, die Sprache des Gebets, nun auch wieder die Sprache des Lebens ist. merkt man erst, wenn man sich in einer Synagoge befindet, wo die Umgangssprache der Beter eine fremde ist. Gewiß, es gibt auch in unserer Gebetsordnung Abweichungen, aber im Grunde ist es doch der gl.iche Kern,°nach dem wir überall unsere Worte, unsere schwachen Worte, zu dem Ewigen emporsenden. Dies ist es, was uns überall heimisch1 werden läßt Synagogen haben ihre Schicksale. Israel ist über die Erde gewandert und wandert weiter. Es baut sich neue Gotteshäuser und es verläßt andere. Die Steine bleiben. Die Rollen, auf die die Thora geschrieben ist. folgen uns und sorgen dafür, daß der Geist erhalten bleibt. .Machen wir uns den Abschied von den alten Gotteshäusern nicht allzu schwer. Gewiß, die Steine haben ihre Ueberlieferung, und sie sprechen zu uns. Aber wichtiger als sie ist die Erhaltung des jüdischen Lebens, wo immer unser Schicksal, das in der Hand eines Stärkeren liegt, uns hinführt. Studienrat a. D. Dr. Willy Cohn, Breslau. Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart. Am 13. Juni fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Ortsverbands Stuttgart des „Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten" statt, die von dem Vorsitzenden, Adolf Emrich, mit herzlichen Begrüßungsworten an die zahlreichen Anwesenden eröffnet wurde. Nach einer Minute des Schweigens zu Ehren der 12 000 jüdischen Gefallenen des Weltkriegs erstattete der Vorsitzende einen kurzen Geschäftsbericht. Er stellte fest, daß die seit der letzten .Generalversammlung im Januar veranstalteten Kameradschaftsabende sehr gut besucht waren und daß an ihnen auch über Fragen der Jüdischen Kriegsopferfürsorge Auskunft erteilt wurde. Viele Kameraden des Ortsverbands haben sich am 27. Februar der Jüdischen Winterhilfe für eine Sammlung zur Verfügung gestellt und so. wie einst in den Tagen des Weltkriegs, ihre Pflicht erfüllt. Adolf Emrich forderte die Kameraden auf, auch weiterhin, wenn um ihre Hilfe gebeten wird, zur Stelle zu sein. Die Kassenführung liegt nach wie vor in den bewährten Händen des Kameraden Moritz Lindauer, und Kamerad Willy Gideon ist ebenso vorbildlich als Referent für die jüdischen Kriegsopfer tätig. Seit Januar des Jahres sind 24 Kameraden ausgewandert. 11 neue Mitglieder sind dem Ortsverband beigetreten. Eine Anzahl Kameraden von Ludwigsburg und der Ortsverband Oberdorf-Bopfingen haben sich dem Stuttgarter Ortsverband angeschlossen. -- Auf Grund einer Verfügung von zuständiger Stelle hat der im Vereinsregister unter „Ortsgruppe" eingetragene Stuttgarter Bund sich, wie die andern Ortsgruppen im Reich, künftig „Ortsverband" zu nennen. Ein diesbezüglicher Antrag des Vorsitzenden wurde einstimmig gutgeheißen. Ebenso gab die Versammlung dem Vorsitzenden das Recht, Satzungsänderungen ohne formelle Gutheißung der Mitgliederversammlung vorzunehmen. Mit diesen Beschlüssen fand die Versammlung ihr Ende. Die Anwesenden blieben aber noch kameradschaftlich beisammen und hörten mit großem Interesse, was Oberrechnungsrat Julius Wißmann über die Unterbringung von jüdischen Kindern in englischen Schulen und Familien erzählte. Diese Hilfsaktion wird vom Israel. Oberrat maßgeblich unterstützt und darf als ein wirklich segensreiches Unternehmen bezeichnet werden. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß der nächste Kameradschaftsabend des Ortsverbands am Montag, den 4. Juli, stattfindet. Stuttgart. Die Ordentliche Mitgliederversammlung der Israel. Waisen- und Erziehungsanstalt „W i 1 h e I m s pf 1 e ge" fand am 19. Juni statt. Der Vorstand, Dr. Alfred Schweizer, eröffnete die Versammlung und teilte in seinem Verwaltungsbericht u. a. mit, daß das Waisenhaus zur Zeit 78 Kinder (53 Knaben und 25 Mädchen) betreut Von diesen sind 36 aus Württemberg. Von den 22 Kindern, die im Berichtsjahr die Anstalt verlassen haben, sind 12 ausgewandert Die* Knaben konnten in Lehrwerkstätten und Lehrstellen untergebracht werden, die meisten Mädchen fanden Stellungen im Haushalt. Die Lehrer sind die gleichen geblieben wie im Vorjahr. Infolge der Verheiratung von Schüler Jportfett für sämtliche jüd. Schulen in Württbg. am Mittwoch, den 6. Juli, vormittags 9.30 Uhr, auf dem Sportplatz der Jüd. Gemeinde, Stuttgart, Feuerbacher Tal veranstaltet vom Oberrat der Israel. Religions« gemeinschaft Württembergs. Leitung: Sportlehrer HALLE von der Sportschule Bloch, Stuttgart, mit den beiden Sportvereinigungen „Hakoah" und „Schild". Wettkämpfe im 100 m» Lauf, Weitsprung, Hoch« sprung, Kugelstoßen, Schlagball Weitwurf usw. Für die Kinder, die an den Wettkäropfen nicht^teilnehmen, finden gemeinschaftliche Spiele wie Tauziehen usw. statt. VCir bitten, für dieses Fest Preise und Freiquartiere für Kinder von den Landgemeinden :ur Verfügung zu stellen. Mitteilung hierüber bitten wir an unsere Adresse gelangen zu lassen. Die Kinder werden durch den Israelitischen Frauenverein» Frauenbund e.V. auf dem Sportplatz verpflegt. Die Eltern der Schüler sowie die übrigen Gemeindemitglieder in Stadt u. Land werden hiermit zu dieser Veranstaltung eingeladen. Oberrat der Israel. Religionsgemeinschaft Württembergs Sonnlag, den 3. Juli 1938, nachm. 16 Uhr Gemeindesportplatz, Feuerbacher Tal Fußball-Großkampf Hakoah" Stuttgart I fl II gegen Schild" Stuttgart I Sonntag, den 10. Juli 1938 Gemeindesportplatz, Feuerbacher Tal Leichtathletik- Meisterschaften der „Schild"- Sportbundvereine von Württemberg«. Baden Vorkämpfe: 9 Uhr Entscheidungen: 2 Uhr Ihre Danksagung immer ins Gemeindeblatt! mtmu