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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-07-01 · 7 (1.7.1938) · p. Seite 60

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
7 (1.7.1938)
Date
1938-07-01
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
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HO Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 7. 38 XV. Nr. 7 bathe, an dem der nur so selten im Jahre geübte Tonfall des Schalschelet erklingt Ein r junger Fiarmizwah „leint" die schwere Sidra. 1 >ie Ansprache des Rabbiners nimmt auf dieses seltene Ereignis Bezug und stellt den Thoraabschnitt zu den anderen, die die gleiche Melodie haben. Der Knabe, der dies vorgetragen hat, verkörpert die Tradition heiner ganzen Familie. Vor den Toren dieser Stadt liegt ein uraltes Gotteshaus, das heute kaum noch benutzt wird. Jetzt ist der kleine Ort in die große Gemeinde einverleibt, aber einstmals bestand /wischen diesen beiden Orten eine tragische Wechselwirkung jüdischer Geschichte. Wenn unsere Vorfahren, durch Nöte gezwungen ' einen Ort verlassen mußten, so fanden sie in der Regel in dem anderen Aufnahme, denn hier regierte eine andere Gewalt. Wollte der Bischof die Juden nicht haben, so nahmen die Reichsritter sie auf. In dieser heute nun einsam gewordenen Synagoge stehen* gewaltige Zeugen vergangener Geschichte, ein Almemor. der mit zu dem Schönsten gehört, was jüdische Kunst vergangener Jahrhunderte schuf. Hoch oben auf einer Höhe liegt» die Synagoge einer anderen Stadt. Wer hier über viele Stufen hinaufsteigt, der wird nicht an das Wort des Psalmisten anknüpfen können: „Aus der Tiefe rufe ich zu Ihr empor." Und so mancher alte Mann, so manches Mütterchen muß zu seinem Leidwesen davon absehen, den gewohnten Gottesdienst noch aufzusuchen, weil das müderwerdende Herz den Weg nicht mehr schafft. Ich weiß nicht, warum man dort oben das Gotteshaus einmal gebaut hat, vielleicht, daß man schon dem Himmel ein wenig näher sein wollte. Nun aber ist es schön und freudig da oben, eine wirklich jüdische Betstätte ist entstanden. Ks gibt aber auch Synagogen, in denen alles so stumm und kalt bleibt, in denen sich gewiß zur vorgeschriebenen Stunde des Gebetes die vorgeschriebene Anzahl von Männern zusammenfindet, aber man hat das Gefühl, daß sie gerade einer Pflicht genügen, daß ihnen der Raum nichts zu sagen hat. Woran das liegen mag? Steine allein vermögen es nicht! Die Kraft einer Gemeinde hängt von den Menschen ab. die sie leiten. In dem einen Orte ist es eben jemand, der unermüdlich immer wieder die Müden stützt die Wankenden aufrichtet, der immer wieder unablässig arbeitet, jüdisch-religiöses Leben zu entfalten, der sich von keinem Mißerfolg entmutigen läßt, dem im Gegenteil alles, was nicht gleich wird, ein Antrieb ist, aufs neue vertieft zu arbeiten. Dann lebt die Gemeinde, auch wenn sie kleiner wird, manchmal um so intensiver. Aber wo diese Führung fehlt, da sieht es um jüdisches Leben mitunter betrübend aus. Nun, nicht jeder hat die Gabe, auf andere zu wirken! Manchmal ist es auch nur ein Betsaal, eine Stube, die auch anderen Zwecken dienen muß, mit Liebe zu ihrem heiligen Zweck ausgestattet, ein wahrer Mittelpunkt einer kleinen Schar. Lange schon waltet hier kein Rabbiner, ja kein Lehrer mehr seines heiligen Amtes. Nur ein Vorsteher sieht es als seine Pflicht an, neben seinen Berufsgeschäften, seinem Daseinskampf, der auch nicht leicht ist, die Funktionen des Kultus zu erfüllen. Er sorgt dafür, daß an jedem Sabbath gebetet wird, und solange er seine guten Augen nicht schließen wird, wird das jüdische Leben bleiben. Gibt es schon innerhalb des aschkenasischen Teiles unseres Volkes kaum zwei Betstätten, die einander gleichen, vielleicht abgesehen von dem etwas normalisierten jüdischen Leben der Großgemeinden, wie gänzlich anders aber ist die Synagoge der Sephardim! Zunächst vielleicht, wenn wir unversehens eine sephardische Synagoge be- 0 Grosse Auswahl Ankauf von Altgold Silber Brillanten Juweliere R.4 0. Justitz Rotebühlstr. 35 G. B. 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