Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 7 (1.7.1938)
- Date
- 1938-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden In Württemberg Verlag and Redaktion: OSTERBERO 4 STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAOSANSTALT Fernipr. 23828 STUTTQART-N Kasernenstr. 13 Bezugspreis RM. 1.13 vierteljährlich, zuzüglich Kost- und Zustellgebühr Postscheckkonto Stuttgart 38268 0 Erscheint monatlich zweimal, am 1. nnd 16. Bei Nichterscheinen Int. hoher« Ocwalt beatebt kein Anspruch a. Nachlieferung d. BUttts oder Rückgabe det Bezugigeldes Angemeldet beim Sonderbeauftragten de» Reicheministen für Volkaaufkllrung nnd Propaganda betr. L'eberwachung der geistig nnd kulturell tatigen Juden Im deutschen Reichsgebiet. XV. Jahrgang Stuttgart, den 1. Juli 1938 Nr. 7 Gang durch jüdische Gotteshäuser Ein Wort von Synagoge und betender Gemeinde Zu jedem Juden spricht das heimische Gotteshaus,' die Stätte, an der zu beten er gewohnt ist. Zu ihr hat er im Laufe der Jahre eine besondere Beziehung gewonnen. Hier hat er meist schon mit seinem Vater, vielleicht mit seinem Großvater gestanden, und eigene Gemütswerte scheinen von den Wänden zurückzuströmen. Wenn wir durch das Land fahren, dann begegnen uns mancherlei jüdische Gotteshäuser, große und kleine, gewaltige Synagogen, vor einigen Jahrzehnten errichtet, mit mächtiger Orgel ausgestattet, und kleine Beträume, einfach und schlicht, schon ein wenig verfallen. Jedes Gotteshaus hat seine besondere Stimme. Nach kurzer Zeit sprechen die Steine. Auch so manches Gebäude haben wir erblickt, in dem heute nicht mehr gebetet wird, das mitunter schon seit Jahrhunderten seinem Gebrauch entzogen ist und das doch von Schicksalen längst untergegangener Judengemeinden so viel zu sagen weiß. Hat sich doch die Geschichte der Juden in Deutschland in früherer Zeit an einzelnen Orten geballt abgespielt; nicht Großgemeinden waren es, in denen der Strom des Judentums floß, als noch an Tausenden von Orten verteilt Juden weithin im Lande lebten. Ob wir Namen nennen? Es scheint nicht so sehr auf die Namen als solche anzukommen, auf die Orte, sondern vielmehr auf das Typische, von dem gesprochen werden muß. Im Herzen einer alten Stadt ein kleiner Platz. Ohne daß es einer besonderen Frage bedarf, sagt ein Blick, daß dies einstmals die Judengasse gewesen sein muß. Die alte Synagoge ist deutlich zu erkennen. Wohl sind die Fenster nicht die gleichen, aber das Mauerwerk zeigt die typische Gestalt Sie ist jetzt eine Turnhalle, und wenn wir sie betrachten, so scheint sie nicht nur von der Vergangenheit einer längst verschwundenen Gemeinde zu erzählen, sie scheint auch von der Zukunft zu künden, die nun einmal Häuser, Gebäude länger leben läßt als die Menschen, die sie schufen. Welche Gründe mögen es gewesen sein, die diese Gemeinde zur Auflösung brachten? Viele Jahrhunderte später bildete Jakob ringt mit dem Engel Daa nebenstehend von uns veroffent. lichte Bild Rembrandts haben wir mit freundlicher Genehmigung des Verlags J. Kaürrmann, Frankfurt a.M.. seinem Büchlein ..Bilder zur Bibel" (Erzvater) entnommen. Ea ist nach einer Au/, nähme der Photographischen Gesell, »chift, Berlin,wiedergegeben. Die Red. sich in der gleichen Stadt eine neue Judengemeinde, und aus ihrem modernen Gotteshaus kommt ein anderer Hauch zu "uns. Und doch ist es heute stark zu spüren! Diese scheinbar so modernen Menschen, denen der Klang der Orgel ein notwendiges Beiwerk ihres Gottesdienstes zu sein scheint, fühlen die unlösbare Verbundenheit mit dem doch immer gleichbleibenden Schicksal unserer Gemeinschaft So ein gewaltiges Gotteshaus! Auch wenn die Gemeinde bis zum letzten Mann in ihm erscheinen würde, sie würde den Raum niemals mehr ausfüllen! Und täglich entstehen neue Lücken. Wie lange wird die Gemeinde dieses Gotteshaus noch halten können, das ist die Sorge, die die Menschen erfüllt, die mit rührender Treue an dem Orte hängen, wo zu beten sie gewohnt sind. Eine altehrwürdige heilige große und konservative Gemeinde! Keine Orgel, kein Harmonium, ein begnadeter Vorbeter, der mit freudiger Stimme den Raum füllt ein gutgeschulter Knabenchor. Aber vor allem, dies der stärkste Eindruck: eine betende Gemeinde! Kein „Publikum", das zuhören will. Man antwortet dem Vorbeter an den vorgeschriebenen Stellen. Man ist hier zuhaus, und es steigt jene Kraft zum Himmel empor, die man zutiefst nur als die Stimme des Gebetes bezeichnen kann. Es war einer jener Sab- Auswanderer! ihre Reisebüro | durch das Siegfried Schwarzschild _ItWttfJeart, Königstraße 43 a, Telefon Nr. 28992