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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-06-01 · 5 (1.6.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
5 (1.6.1938)
Date
1938-06-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Judisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg Verlag und Redaktion: OSTERBERO A STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLA OS AN ST ALT Feraspr. 23828 STUTTOART-N Kasernenitr. 13 Bezugspreis RM. 1.13 rlertel|Jhrllch. luiflglicb Poit- und Zuslellgebühr Postscheckkonto Stuttgart 38358 * Erscheint monatlich zweimal, am 1. und 16. Bei Nichterscheinen Inf. höherer Oewalt besteht kein Anspruch a. Nachlieferung d. Blattes oder Rückgabe des Bezugsgeldes Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Relctaamlnlsters für Volksaufkllrung und Propaganda betr. Ueberwaehung der geistig und kulturell tätigen Juden Im deutschen Reichsgebiet XV. Jahrgang Stattgart, den 1. Juni 1938 Nr. 5 Aus unseren Kindern werden Briefe Aber Fühlung wahren ist die Forderung unserer Zeit Die Juden Deutschlands haben schnell und still und in einem Umfang, den man früher kaum für denkbar gehalten hätte, gelernt, den Wanderstab wieder in die Hand zu nehmen «(eingemeinden, oft ehrwürdigen Alters, schrumpfen teilweise bis zum plötzlichen Zer fall, viele unserer Menschen ziehen in die Großstädte, noch weit mehr aber hinaus über die Grenzen des Reichs, in der Mehrzahl nach fernen überseeischen Staaten, deren Namen zum Teil bisher nur den gewiegten Geogrä phen unter uns ein Begriff war. Wir haben aber schnell überseeische Erdkunde zu erlernen gewußt und mancher Zurückgebliebene kennt durch die Briefe seiner Kinder (sagt doch ein bitteres Wort, daß in dieser Zeit aus Kindern Briefe geworden sind), deren neue Umgebung fast besser als seine eigene neue Umwelt . . . In dieser Zeit, da Tausende hinausgezogen sind und weitere Zehntausende ihnen noch folgen werden, erscheint es von vordringlicher Bedeutung, dafür zu sorgen, daß der Kontakt zwischen der Heimat und den neuen Wohnländern erhalten, gefestigt und gestärkt wird. Wir denken an den Kontakt in b e i d e n Richtungen: Sowohl uns, die wir vorerst noch hier zu leben haben, erwächst die Aufgabe, die Fühlung zu unseren hinausgezogenen Freunden und Verwandten zu bewahren, als auch ihnen, die sich dort neu eine Lebensgrundlage zu erkämpfen haben, die Verbindung zu uns nicht aufzugeben. Ein Wort zunächst zur Lage der Ausgewanderten: Es hat sich als — von allen innerjüdischen Richtungen akzeptierte — Grundhaltung herausgebildet, für alle Wanderung zu empfehlen: 1. nicht in Gruppen zu wandern (das gilt so nicht für Palästina, Agrarsiedlung in Südamerika usw.) und 2. nicht in den Wohnzentren und Großgemeinden, wo sich bisher bereits Juden in größeren Massen ansiedelten, zu konzentrieren. Es heißt, nur ein offenes Geheimnis zu wiederholen, wenn man die Vermutung ausspricht, daß z. B. die südafrikanische Elrrwanderungsgesetzerschwerung vielleicht nicht i gekommen wäre, wenn unsere Südafrikawanderer in stärkerem Maß dort die Kleinstädte und das flache Land aufgesucht härten. — Die zukünftige Lage wird also so sein, daß mehr als bisher Siedlungspunkte aufgesucht und errichtet werden müssen, die fernab von jüdischem Leben liegen. Dies ist notwendig, um das materielle Leben unserer Freunde zu si ehern; natürlich werden sie dadurch schwerer als in schon bestehenden Gemeinden in der Lage sein, ein wirklich erfülltes und ge staltetes jüdisches Leben zu bauen. Und gerade da in der .Ausgesetztheit" (in jedem Sinne des Wortes), die diese erschwerte Lage darstellt, wird sich zu erweisen haben, ob und wie tief jene Bewegung gewirkt hat, die wir als jüdische Erneuerung bezeichnen und die vom Geschehen des Jahres 1933 ihren Ausgang nahm. Wenn diese Erneuerung jüdischen Lebens — wie wir hoffen und annehmen ■ mehr war als eine bloße Mode- und Konjunktursache, dann wird sie ihre Kraft jetzt erweisen müssen! Wir, die hier Verbliebenen und die Hinausgegangenen, müssen beide ihren Teil zu diesem Beweis beitragen: Sie werden zeigen, daß, auch unter härtesten äußeren Bedrängnissen, der Wille und die Kraft zu jüdischem Lernen und jüdischem Tun lebendig bleiben, und sie werden auch auf diesem Lebensgebiet Pioniergesinnung erweisen! Wir dagegen werden von uns aus alles dazu tun müssen, um ihnen jüdisches Leben in neuer Umgebung unter erschwerten Bedingungen zu erleichtern. Der seelsorgerischen Aufgaben, die hieraus erwachsen, beginnen sich Rabbiner und Gemeinden bereits anzunehmen. Durch regelmäßige Weitersendung jüdischer Literatur, jüdischer Bücher und Zeitschriften, kann jeder von uns diese Arbeit erweitern und vertiefen. Der „Hilfsverein der Juden in Deutschland" wirkt auf mannigfachen Gebieten der Betreuung unserer Auswanderer bereits ungemein segensreich und dankenswert. Er würde sich ein neues Ruhmesblatt erwerben, wenn er auch diesen Fragen verstärkte Aufmerksamkeit zuwenden könnte. Vielleicht könnte mit der Zeit ein Korrespondenzblatt geschaffen werden, das allen Auswanderern zugeht und ihnen Kunde voni jüdischem Leben bringt, das ihnen Anweisungen und möglicherweise sogar auch Predigttexte zu den Festtagen übermittelt und das andererseits auch von ihren Erfolgen und Brfahrungen der Heimat Bericht gibt . . . Damit kommen wir zur „Rückseite der Medaille", die wesentlich materielleren Charakter trägt. Es ist der Wunsch, mit unseren aus- Einsamkeit Silbern leuchtet das Laub des Baumes, Wind weht leise durch seine Blätter, Rauschendes Mahnen vom Werden und Leben, Rauschendes Mahnen vom Sein und Vergehn. Wolken wandern von Westen nach Osten, Weißgrau leuchtend durch das Geäst. — Lauter als Lärmen spricht Einsamkeitsstille, Stille der Einsamkeit weckt dich nun auf! Hans Sachs gestorben za Stuttgart am 13. Mai 1938 gewandexten Freunden in Fühlung zu bleiben. An sich und ursprünglich ist dieser Wunsch natürlich ein elementarer, rein von menschlichen, ganz unmateriellen Regungen getragener. Der Verfasser dieser Zeilen etwa hat Verwandte und Freunde in allen fünf Erdteilen, in Indien so gut wie in Chile, in Südafrika und Australien, von Palästina und Nordamerika ganz zu schweigen. Bei allem Optimismus glaubt er nicht, annehmen zu dürfen, nur einen Bruchteil von ihnen je wiederzusehen. So ist es mehr als begreiflich, daß man ängstlich besorgt ist, wenigstens brieflich mit ihnen in Verbindung zu bleiben und — wenn auch in gemessenen Abständen Nachrichten und Eindrücke, Gedanken und Empfindungen auszutauschen. Ein solcher Briefwechsel trägt seine Rechtfertigung durchaus in sich selbst und ist an sich von jeden Nebenabsichten ungetrübt. Und doch... wie anders liegt bei vielen der Fall, wie sehr drangt es sie. die hier ohne Lebensgrundlage geworden sind, hinaus. Ein junger Freund von mir, der nun verlassen auf einem indischen Hochplateau als Zahnarzt wirkt, schreibt mir, Nach Nord« und Südamerika Afrika / Palästina durch Siegfried Schwarzschild Stuttgart, KönigstraBa 43 a, Tateion Nr. 28992

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