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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-05-16 · 4 (16.5.1938) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
4 (16.5.1938)
Date
1938-05-16
Page
Seite 35 (sequence 5)
Language
German
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3G Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 5. 38 XV. Nr. 4 dische Volk in aller Welt ausgeht, ist außer ordentlich hoch. Voraussetzung ist aber immer: Erziehung zur zionistischen Idee dnd Verwirklichung derselben in opferbereiter Tat. — Dr. E i s n e r dankte dem Redner, dem stürmischer Beifall gespendet wurde, für seine wegweisenden Ausführungen. Stuttgart. Die 63. Generalversammlung des ..Isr. Männervereins für Kranken pflege und Leichen be stattung"' (Chewra Kadischa) vom 30. April erwies sich auch in diesem Jahre als eine Institution, der man mit größtem Interesse aus allen Kreisen unserer Gemeinde begegnet. Der Vorsit zende. Leopold Levi, begrüßte die Her ren Rabbiner, den Gemeindevorsitzenden, die Vorsteher sowie die Vertreter der Wohltätigkeitsvereine und entbot dem erkrankten Synagogenverwalter Krämer die Grüße der Versammlung. Im Verlauf des Geschäftsberichts widmete er dem durch Auswanderung ge scliiedenen Ausschußmitglied Karl Ellenb e r g warme Dankesworte und gedachte in einem tiefempfundenen Nachruf des unlängst verstorbenen stellv. Vorsitzenden Max Osterberg. Auch die im Berichtsjahr verschiedenen Vereinsmitglieder und die Toten der Gemeinde wurden durch Erheben von den Sitzen geehrt. Aus dem Geschäftsbericht ergab sich bezüglich der allgemeinen Vereinsverhältnisse das gleiche Bild, das wir heute immer wieder bei unseren Organisationen feststellen müssen: Die jüdische Situation findet auf vielen Gebieten ihren zahlenmäßig negativen Niederschlag. Aber, so betonte Leopold Levi, die Chewra Kadischa wird auch in Zukunft alles für die Hebung des Gemeinsinns tun, sie wird sich für ihre Ziele nach wie vor mit allen Kräften einsetzen. Notwendig ist aber die Ergänzung des abnehmenden Mitgliederbestands, insbesondere auch aus den Reihen der nach Stuttgart zugezogenen Gemeindemitglieder. — Der Bericht des Kassiers, Menko Kupfer, wies auf der Einnahmenseite durchweg erniedrigte Positionen auf. Die Spenden besonders haben einen außerordentlichen Rückgang erfahren (1936 621 RM. 1937 170 RM). Die Ausgaben für Beerdigungskosten und Spenden an Vereine haben sich im Berichtsjahr etwas vermindert, die Aufwendungen für Krankenunterstützung und sonstige Hilfe dagegen um beinahe 80% erhöht. Die Mitgliederzahl betrug am 1. Januar 492 gegen 532 im Vorjahr. — Adolf Kops dankte der Chewra für die Hilfe, die sie den Kranken geleistet hat, Siegfrie Schwarzschild dem Vorsitzenden und dem Kassier für ihre verantwortungsvolle Mühewaltung. Darauf wurde dem Ausschuß Entlastung erteilt. Die Herren Julius Simon, Josef Ottenheimer und Julius Paul Eppstein hatten die Kasse geprüft und in Ordnung befunden. — Aus der sich anschließenden geheimen Ersatzwahl gingen Hugo Davidsohn und Hugo Oberdörfer als neue Ausschußmitglieder hervor. Im Mittelpunkt der traditionellen Aussprache über Gemeindeangelegenheiten stand der neue Steinhaldenfeld-Friedhof. Eduard Weil nahm zu den dort geplanten Hochbauten vom Kostengesichtspunkt aus Stellung. An Hand eines Plans gab der Gemeindevorsitzende darauf eine ausführliche Darstellung des Gesamtprojekts (Trauerhalle, Leichenzellen usw.. Gärtnerwohnung) und begründete die diesbezüglichen Beschlüsse des Kollegiums, die unseren Lesern aus dem „Gemeindeblatt" bekannt sind. Die Versammlung nahm von diesen Ausführungen mit sichtlicher Befriedigung Kenntnis. Karl Levi wandte sich dann an die Anwesenden mit der Bitte um Vertrauen für die Arbeiten^ des Vorsteheraints und ersuchte, an Stelle unproduktiver, auf falschen Informationen beruhender Kritik um jeweilige Rücksprache mit dem Gemeindevorsitzenden, der jederzeit uncTlectem zur Auskunft zur Verfügung stehe. Er behandelte dann die Frage des neuen Betsaals für die Isr Religionsgesellschaft und stellte die Errich tung derselben unter dem Beifall der Versammlung als eine Verpflichtung der Gemeinde heraus. — Von anderen Anfragen erwähnen wir noch die von Louis Uli mann, der die Besetzung des zweiteri Rab binerpostens forderte, und die Anregung Hugo Davidsohns, daß jedes Gemein - dcmitglied, das zur Thora aufgerufen werden wolle, diesen Wunsch beim zuständigen Dezernenten des Vorsteheramts anmelden soll. Im Zusammenhang mit den Ausführungen des Gemeindevorsitzenden wurde im Verlauf der Aussprache von verschiedenen Sei ten für eine größere Publizität der Arbeiten des Vorstelieramts eingetreten und eine vermittelnde Wirksamkeit des „Gemeindevereins" als für beide Teile nützlich erachtet Auch von dieser Stelle entbieten wir nun der Chewra nochmals den Dank der jüdischen Oeffentlichkeit für ihre stete segensreiche Tätigkeit im Dienste der Grundpflichten des Judentums und fordern alle Leser, die noch nicht zu ihren Mitgliedern gehören, auf, sich auf eine selbstverständliche Pflicht zu be sinnen. — Stuttgart. Das vierte gemütliche Beisammensein der Ortsgruppe des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten, das am 2. Mai in der Gaststätte Bloch stattfand, bewies, daß diese Zusammenkünfte sich immer größerer Beliebtheit erfreuen, denn der Besuch war ganz ausgezeichnet. Der Vorsitzende, Adolf E mrieh, machte zu Beginn interessante Ausführungen über die Bundesnadel. Man unterscheidet, neben der allgemeinen, Nadeln für die jüdischen Kriegsopfer sowie die Silberne und Goldene Ehrennadel, die verdienten Mitgliedern verliehen werden. Inhaber djeses Ehrenzeichens in Silber sind zur Zeit Moritz Lindauer und Theodor Marx. Im Anschluß an diese Mitteilungen überreichte Adolf Emrich die Silberne Ehrennadel untfer dem Beifall der <l|.MitgIieder dem bewährten Kameraden Hugo Davidsohn, der für die ihm erwiesene Ehrung mit sinnvollen Worten dankte. Zum Schluß machte der Vorsitzende noch Ausführungen über das Ehrenmal auf dem Jüdischen Pragfriedhof und teilte mit, daß dieses sowie die Gefallenengräber von der Gemeinde sorglich betreut werden. — So brachte auch dieser Abend interessante Einzelheiten und diente in vorzüglicher Weise der Pflege echter jüdischer Kameradschaft. Stuttgart. Nach längerer Pause veranstaltete der Ortsverband der Staatszionistischen Organisation (Vereinigte Revisionisten Deutschlands) am 7. Mai einen Vortragsabend mit dem geschäftsführenden Vorsitzenden der Organisation, Dr. Werner Kuhn (Benm); das Thema seiner Ausführungen, die wir in Anbetracht ihrer Vielfältigkeit nur in den Grundzügen wiedergeben können, war: „Drei Programmpunkte des Staatszionismus in Deutschland." Mit dieser Problemstellung wurde von vornherein dargetan, daß der Abend, der von Ludwig Bauernfreund geleitet wurde, einen maßgeblichen Reitrag des revisionistischen Zionismus zur Judenfrage geben wollte. Dr. Kuhn stellte im wesentlichen — übrigens in formvollendeter Rede - die tragenden Forderungen der Organisation aufs neue heraus. Er wies auf die kulturbiologische Wende," wie sie unsere Epoche darstellt, hin und zeichnete die sich aus dieser Neuordnung ergebenden Notwendigkeiten für das jüdische Volk: Alle jüdischen Bestrebungen müssen auf dessen E i n - h ei t abzielen, und aus dieser nationalen Einheit heraus verlangt das jüdische Volk ein Territorium — das ungeteilte Palästina zu beiden Seiten des Jordan — auf dem es unter staatszionistischer, vollkommen unabhängiger Führung seinen Staatsgedanken verwirklichen kann. Dringend erforderlich ist auch, so betonte Dr. Kuhn in bezug auf die Juden in Deutschland, .daß in -Zukunft jüdisches Schicksal von jüngeren Menschen gestaltet wird. Männer, die insbesondere als Frontkämpfer sich bewährt haben. Jede Konservierung des Judentums hat zu unterbleiben — für Liquidierung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland mit Palästina als Wanderungsziel ist mit um SO größerer Anstrengung Sorge zu tragen. Der Redner verwies hier andeutungsweise auf einen konkreten staatszfbnistischen Plan einer Auswanderung mit Genehmigung der zuständigen Stellen, eine geordnete Emigration in Schüben und Etappen. — Das Referat stellte ein starkes Bekenntnis zu Judenvolk und Judenstaat dar und fand stürmischen Beifall. Stuttgart. Vor außerordentlich zahlreicher Hörerschaft sprach auf Einladung der Zionistischen Vereinigung der Präsident des Isr. Oberrats, Dr. S. G um bei, am 9. Mai über ..Palästina 1938 — Erfahrungen einer Palästinareise". In. überaus fesselnder Weise gab der Referent, der vor kurzem von Erez Israel zurückgekommen ist, einen Bericht, der die verschiedensten Gebiete und Probleme des Landes behandelte. Von besonderem Interesse waren seine Ausführungen über die Rexinger Kolonie „Malchutia", die neuerdings in „Schawe Zion" — d. h. „... die nach Zion zurückkehren" - umbenannt wurde. Man entnahm aus diesen Ausführungen, wie sehr Dr. Scheuer, früher Heilbronn, der das Projekt maßgeblich bearbeitet hat, auch in Erez Israel sich für den neuen Siedlungspunkt, dessen Bürgermeister er werden wird, einsetzt. Aus einem Brief der Gattin des Genannten, die ebenfalls in „Schawe Zion" mitarbeitet, konnte man entnehmen, mit welchen Opfern auch dieses neue jüdische Dorf entstanden ist, welche Opfer von den Kolonisten für ihre neue Heimat noch gebracht werden müssen. Aber: es hat bis jetzt alles geklappt blitzschnell erfolgte die Landnahme, an einem Tag stand das Dorf, an e i n e m Tag hatte es Wasser und elektrisches Licht. Schawe Zion steht, und Juden aus Rexingen bewachen es mit geschultertem Gewehr. -- Sehr interessant war auch die Darstellung, die Dr. Gumbel von den Rechtsverhältnissen der jüdischen und arabischen Frau in Palästina gab, war insbesondere auch das Bild, das der Redner vom Erziehungssystem Erez Israels entwarf, in seiner landsmannschaft-

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