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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-05-16 · 4 (16.5.1938) · p. Seite 34

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
4 (16.5.1938)
Date
1938-05-16
Page
Seite 34 (sequence 4)
Language
German
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Sprache keineswegs geläufig ist, und der Film wählt bewußt einen Stoff jüdisch-kulturellen Gehalts. — Obwohl die Technik dieses Films die Vollendung der amerikanischen Großfilme naturgemäß noch nicht erreicht, so hat die gesamte hiesige Presse doch mit Recht auf seinen Wert und seine Bedeutung hingewiesen. Zum erstenmal in diesem Land ist ein Stück echter jüdischer Kunst in jiddischer Sprache verfilmt worden. Peretz Hirschbeins ..Grüne Felder" sind durch die Aufführungen mit Moissi im Deutschen Theater und durch die Aufführung im Kulturbund in Deutschland zu bekannt, um no.h über ihren Inhalt berichten zu müssen. Nur soviel soll gesagt werden, daß in dieser Verfilmung der tiefere Sinn und der symbolische Gehalt des Stückes, die Gegenüberstellung und die schließliche Verbindung von Geist und Frde. ganz besonders klar und stark zum Ausdruck kommt. Der Film wird gespielt von den ersten Darstelletn der jiddischen Bühne in New •York, worunter in erster Linie Michael Goldstern und Helen Beverlev zu erwähnen «ind. In die Regie teilen sich Jacob Ben-Ami und Fdgar G. Ulmer. letzterer in Deutschland von seiner Tätigkeit bei der Ufa her' bekannt. Die I'rodukti >nsgesellschaft setzt sich aus Menschen zusammen, die in enger, meist selbstschöpferischer Verbindung zu jüdischer Kunst und Ktiftur stehen. Man spürt, daß alle, die bei diesem Film direkt oder indirekt mitgewirkt haben, mit Liebe und Begeisterung am Werk waren, so daß eine einheitliche, den dichterischen Gehalt des Stückes in jeder Beziehung erfüllende Darstellung zustande kam. Die weiteren Pläne der Gesellschaft sind die folgenden: Im Januar 1938 begann die Verfilmung von David Pinskis ..Jakob der Schmied ', der übrigens im Jahre 1909 mit Schildkraut in Berlin aufgeführt wurde. Alsdann folgt ein Werk von Scholom Alechem: beide Autoren haben der Gesellschaft das ausschließliche Recht zur Verfilmung ihrer Dichtungen übertragen. Das lyrisch-mystische Stück ,.Im einsamen Winkel" von Hirschbein, dem Dichter der „Grünen Felder", soll alsdann verfilmt werden. Auch dieses Stück ist im Jahre 1910 mit Wegener und Kayßler in Berlin aufgeführt worden. Weitere Verhandlungen werden z. Zt. mit Schalom Asch geführt. Uebrigens denkt die Gesellschaft daran, später nicht nur Stücke in jiddischer Sprache zu produzieren, sondern auch rein jüdische Stoffe in englischer Sprache. Wenn man schließlich noch von der Gesellschaft hört, daß ihr erster Film außer in Nordamerika noch in Polen. Palästina. Rumänien. Litauen und Kanada gezeigt werden wird und daß Verhandlungen mit anderen Ländern, wie z. B. England. Südafrika. Südamerika schweben, so ergibt sich' schon hieraus, welche allgemeine Bedeutung diesem neuen, kulturell betontem jüdischen Film zukommt. Individuell gesehen zeigt es sich schon in den wenigen Wochen, in denen der Film nunmehr in New York lief, daß hier viele Renschen, die dem Judentum schon vollständig entfremdet waren, wieder einen Weg zu jüdischem Bewußtsein fanden, daß sie der jüdische Stoff oder die jiddische Sprache an das erinnert, was sie von ihren Eltern oder Großeltern gehört haben und daß sich damit eine läng^. erloschen geglaubte Beziehung wiedereinfindet. In allgemeinjüdischer Hinsicht wird der kulturell wertvolle jüdische Helft dem „Hilfsverein der Juden in Deutschland" und ihr helft uns allen! Die für den 25. Mai geplante Versammlung des Hilfsvereins ist ein Weckruf an das Gewissen der Juden In Württemberg. In dem Maße, in dem sich die Lage der Juden in Deutschland erschwert hat, ist der Hilfsverein ja neben dem Palästinawerk die Hilfszentrale der Juden in Deutschland geworden. Tausenden, die sich zur Auswanderung entschließen mußten, wurde er der sachkundige Berater, der hilfreiche Freund, der fürsorgliche Führer zu einem neuen Dasein. Im Jahre 1936 hat der Hilfsverein so beinahe 6 000 jüdischen Menschen in Deutschland zur Auswanderung verholten. Allmonatlich nahmen ihn 500 Personen zur Durchführung ihrer Uebersiedlung nach Uebersee in Anspruch. In den ersten neun Monaten des Jahres 1937 war die Gesamtzahl der vom Hilfsverein unterstützten Auswanderer 3 471. Betrugen die von ihm gewährten Auswanderungszuschüsse im Jahr 1934 RM 68.—, im Jahre 1935 RM 140:— für den Auswanderer, so stiegen sie im Jahre 1936 auf RM 285.— und 1937 auf RM 330.—: sie haben sich also verfünffacht. In den letzten anderthalb Jahren wurde die Auswanderung von über 8 000 Menschen durch den Hilfsverein ermöglicht. Durch seine in Deutschland neu geschaffenen 15 Beratungsstellen hat er eine großzügige Dezentralisation durchgeführt und die sachkundige persönliche Beratung der ratsuchenden Auswanderer im ganzen Reich ermöglicht Leider muß der Größe dieses Hilfswerks gegenüber die Unterstützung der Hilfsvereinsarbeit durch die Juden in Deutschland als unzureichend bezeichnet werden. Wohl hat der Hilfsverein in Württemberg einen treuen Stamm von begeisterten hilfsbereiten Freunden. Die Erkenntnis der sittlichen Verpflichtung jedes Einzelnen dem Hilfsverein gegen- Film' aber dazu beitragen, jüdischen Menschen über die ganze Welt hin jüdisches Kulturgut zi/Vermitteln, das ihnen bisher oft unzugänglich war. Darüber hinaus wird die künstlerische Gestaltung jüdischen Schicksals vielen Menschen ein seelisches Gemeinschaftsbewußtsein geben, dem sie neue Kraft und Ansporn verdanken. Ich würde mich freuen, wenn auch die in Deutschland lebenden Juden — etwa im Rahmen des Kulturbunds — diese künstlerisch wertvollen jüdischen Filme zu sehen bekämen. : Am den Gemeinden Württembergs Stuttgart. Unserem Bericht über den Kammermusikabend' der Kunstgemeinschaft ist nachzutragen, daß bei den erwannten sinfonischen Werken von Karl Stamitz und Leopold Mozart die Herren HansMayer (Violine), Frankenstein (Bratsche) und Hans Lenk (Cello) als Verstärkung mitwirkten. Beide Werke wurden vom Leiter des Abends. Karl Haas, mit ausgezeichneter Einfühlung in den Geist der Komposition dirigiert. Sämtliche Stücke wurden in Stuttgart erstmals zur Aufführung gebracht, und es ist ein besonderes Verdienst von Karl Haas, daß er auf Grund intensiver musikwissenschaftlicher über ist aber Tausenden In unserer Glaubensgemeinschaft noch nicht offenbar geworden. Jeder bewußte Jude hat eben die Ehrenpflicht, Mitglied des Hilfsvereins zu sein und kann so zu seinem Teile an dem ^großen Hilfswerke mitarbeiten. Wer sich in so ernster Zeit dem hilfesuchenden Bruder entzieht, begeht eine Sünde. »Heimatlosen die Heimat bereiten, ist göttliche Tugend (Jesaja 58,7)!" Helft dem Hilfsverein der Juden in Deutschland und ihr helft uns allen! Stadtrabbiner i. R. Dr. Rieger. * Unter dem Leitwort „Wohin auswandern?" findet am 25. Mai eine Großkundgebung des „Hilfsvereins der Juden in Deutschland" (siehe Ankündigung in dieser Nummer) in Stuttgart statt. Als Hauptredner des Abends wurde eine der prominentesten Persönlichkeiten der Juden in Deutschland gewonnen: Max M. Warburg, der Vorsitzende des Hilfsvereins. Des weiteren sprechen Dr. H. M. M a i e r (Frankfurt a. M.). Leiter der dortigen Hilfsvereins-Beratungsstelle, sowie Frl. Thekla Kauffmann, die der Stuttgarter Beratungsstelle vorsteht. Während Max M. Warburg aus der"umfassenden Tätigkeit des Hilfsvereins und über seine in Sachen der Auswanderung gemachten Erfahrungen im allgemeinen berichten wird, referieren die folgenden Redner über die Tätigkeit der Beratungsstellen und ihre speziellen Erfahrungen auf diesem Arbeitsgebiet. Nachdem schon oben von berufener Seite die lebenswichtige Bedeutung des Hilfsvereins für unsere Gemeinschaft dargetan worden ist. richten wir noch einmal den dringenden Appell an alle unsere Leser, bei der Kundgebung, für die sich Max M. Warburg in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat, zu erscheinen und darüber hinaus die Bestrebungen des Hilfsvereins mit allen Kräften zu fördern. Studien eine so interessante Vortragsfolge zusammengestellt hat. Wir können unseren Kulturbünden die Uebernahme dieses Konzerts nur wärmstens empfehlen: sie werden ihren Mitgliedern damit eine außergewöhnlich gute Darbietung vermitteln. — Stuttgart. Im Rahmen der Zionistischen Vereinigung sprach am 25. April Rabbiner Karl Richter (Mannheim) vor einem großen Hörerkreis über das Thema „Zionistisch«? Idee in unserer Zeit". Der Redner betonte, daß sich die Ziele des Zionismus nicht allein auf den Aufbau Palästinas erstreckten, sondern daß er den Juden und seine Gemeinschaft in ihrer Ganzheit umformen wolle. Der Zionismus gab der uralten Zionsliebe poliiische Gestalt, er setzt sich für eine umfassende nationale Willensbildung des jüdischen Volkes ein. So will der Zionismus auch für -d i e Menschen gültig sein, die nicht nach Palästina gehen, denn diese brauchen in der Diaspora einen besonderen seelischen Halt In Erez Israel haben die Juden wieder die Möglichkeit, Subjekt der Geschichte zu werden, und deshalb muß auch die Entscheidung eindeutig für den Judenstaat im Gegensatz zu einem Minderheitsstatus sein. Dem geplanten Judenstaat gegenüber muß das ganze jüdische Volk zur Verantwortung erzogen werden. Die moralische und politische Kraft, die von einem Judenstaat auf das fü-

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