Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 15 (1938)
- Issue
- 4 (16.5.1938)
- Date
- 1938-05-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg Verlag und Redaktion: Bezugapreis /y Erscheint Angemeldet beim sonderbe.uttr.gten de. Reich.- OSTERBERO A STERNHEIM RM. 1.13 vlertelj.hillch, ruiügllch VT V M,B8ä£Ä!5,!l»?i25*<& mtaUtm für VolkMufUSrang und PropifiBd». ISRAELITISCHE VERLAOS ANSTALT Portand Zu.tellg.bdhr «\ A b«»lehl k t'n Antpruch N«chYle ferungd b*tr- "«"^»«"ang der g.l.tlg and kulturell Fernipr. 23828 STUTTOART-N Kucmciurtr. 13 Postscheckkonto Stattgart 36358 V Butte* oder RQckg.be de. Beiug,gelde« Utigtn Juden Im deutschen Ret eh »gebiet XV. Jahrgang Stuttgart, den 16. Mal 1938 Nr. 4 Bildnis einer Jüd. Landgemeinde Die Jüd. Gemeinde Freudental einst und jetzt 32 km von Stuttgart, 35 km von Pforzheim und 23 km von Heilbronn entfernt liegt Freudental zwischen zwei Ausläufern des Strombergs und auf drei Seiten von Bergen und Wald umschlossen. Mit seinen 51 jüdischen Seelen steht es an 25. Stelle der 41 jüdischen Gemeinden in Württemberg. Um die Wende des 19. Jahrhunderts war Freudental die größte jüdische Gemeinde Altwürttembergs. 1723 gründete S e 1 i g m a n n Wolfen aus Flehingen mit seiner Familie und sechs weiteren Haushaltungen die Gemeinde. Man sieht daraus, daß er von Beginn auf die erforderliche Minjanzahl abzielte. 1731 wurde nun der Schutzbrief ausgestellt welcher 24 Familien gegen eine sofortige Abgabe von 1000 Gulden, ein jährliches Schutzgeld von 15 Gulden pro Familie und einen jährlichen Grundzins von 4 Gulden für den Friedhof den Aufenthalt zusicherte. 1736 kam Freudental durch Verkauf an Württemberg. 1738 zählte man 101 jüdische Seelen. Ursprünglich begnügte man sich mit einem Betsaal. 1770 schritt man aber zum Bau einer Synagoge. Es haben hier deshalb schon bald Rabbiner und Lehrer gewirkt. Während man im Jahre 1817 in Stuttgart 110 Juden und 1832 deren 130 zählte, wohnten 1832 in Freudental 359 Juden. Vor 1832 wird der Stuttgarter nach Freudental zum Rabbiner gegangen sein! 1853 zählte man bei 868 Einwohnern 364 Juden. Mit dem Aufkommen der Industrie begann die Landflucht, und in den 70er Jahren zogen viele Freudentaler nach Stuttgart und in andere Städte. 1894 sank die jüdische Bevölkerung bei einer Einwohnerzahl von 737 auf 188, und am 1.12. 1900 wurden von 628 Einwohnern nur noch 144 Juden gezählt 1925 zählte man mit Zaberfeld und Mühlacker 90 Seelen, am 16. 6. 1933 waren es 75, am 1. 1. 1937 59, am 1. 7. 1937 56 und seit 1. 10.' 1937 leben hier 51 Juden. 1938 wird die Zahl bedeutend weiter herabsinken. Von den zur Zeit bestehenden 17 jüdischen Schulen in Württemberg ist Freudental die älteste. 1816 begründete Baruch Elsa sser die hiesige Elementarschule. In der Jeschiwa hatte er sich gründliche Kenntnisse im Talmud erworben. Ueber ihn berichtete am 24. 12. 1912 Oberlehrer Spatz in der „Kantorenzeitung": „Seine weltlichen Kenntnisse hatte er beim damaligen evangelischen Ortspfarrer erworben und vom christ- Alte Grabsteine auf dem liehen Ortslehrer wurde er informiert so daß er beim Spezial in Besigheim die Lehrerprüfung mit gutem Erfolg ablegen konnte. Der schwäbische Volksschriftsteller Nefflen hat den „Judenlehrer von Freudental" als einen gelehrten, aber bescheidenen und äußerst frommen Mann geschildert." Mehr als 50 Jahre war eine* Schülerzahl von über 50 normal. Durch das Gesetz vom 25. 4. 1828 „Ueber die Rechtsverhältnisse der Israeliten" wurde der Schulzwang für 6- bis 14jährige eingeführt. EsVwurde gefordert, daß auf Kosten der jüdischen Gemeinden Schulen zu errichten sind. 1836 bestimmte das Schulgesetz, daß in Gemeinden mit mehr als 60 Familien die israelitischen Elementarschulen in Volksschulen der politischen Gemeinde zu verwandeln sind. Dies geschah auch mit der hiesigen Schule. Um die Jahrhundertwende sank nun die Schülerzahl so, daß 1912 diel Schule in eine freiwillige Konfessionsschule umgewandelt wurde.. Dieser, Vorgang stützte sich auf einen Erlaß des Königlichen Ministeriums vom 13. 12. 1910, welcher bestimmte, daß zur Kostenersparnis d i e Konfessionsschulen aufgehoben werden soll- Fot. Mögle Jüd. Friedhof Freudental ten, deren Erhaltung keinem wirklichen Bedürfnis entsprach. Wegen zu geringer Schillerzahl wurde 1920 nach Versetzung des Dr. Wochenmark nach Tübingen die Stelle nicht weiter besetzt. 1935 wurde die freiwillige Konfessionsschule in eine Jüd. Privatschule umgewandelt Damals zählte man 6 schulpflichtige und 5 vorschulpflichtige Kinder. Heute wird die Schule von 6 Kindern besucht wovon der größere Teil im Laufe dieses Jahres auswandern wird. Ein vorschulpflichtiges Kind wandert ebenfalls aus. Die Liquidation ist schwieriger als der Aufbau. Freudental hat aber das Glück, daß ihm die richtigen Männer zur Leitung der Gemeinde nicht fehlten. Seit 1931 ist Leopold Wertheimer der Vorsitzende des Vorsteheramts. Er durfte vor kurzem seinen 70. Geburtstag feiern. Im Jahre 1934 hat er die jüdische Schule als eine Notwendigkeit für die Erziehung seelisch-starker Juden verlangt. Am 1. 4. 1935 konnte die Schule wieder eröffnet werden. Sein Wunsch ist es, das religiöse Leben der Gemeinde zu erhalten, denn gemeinsame Feier und gemeinsames Gebet können in bester Weise Halt für den