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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-05-02 · 3 (2.5.1938) · p. Seite 27

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
3 (2.5.1938)
Date
1938-05-02
Page
Seite 27 (sequence 7)
Language
German
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XV. Nr. 3 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 2. 5. 38 27 des flutenden Lichts über dem Chaos ist ein Erlebnis. Die zarte Jungfräulichkeit des von den Wassern geschiedenen Festlandes, die strahlende Urreinheit der Gestirne — alles wird bei ihm zu religiösem Bekenntnis, das seinen letzten Antrieb vom Bibelwort erhält Der Künstler hat aber auch, das zeigt sein „Tulpenbeet", den besinnlichen Blick für die reale Gewachsenheit. — Margarethe G a r th e s Plastik hat uns mehr zu sagen als ihre Aquarelle. Neben dem glänzend model Herten Kopf des Dichters Jacob Picard fes sein Kleinplastiken antik-kHrssischer Prägung: so „Jüngling mit Zweig" und das „Mädchen mit Spiegel", Werke reifster For mungskraft. — Diesier Bericht soll nicht geschlossen werden, ohne der Kunstgemeinschaft für ihren Willen zu danken, auch die bildenden Künste in den Bereich ihrer Arbeit einzubeziehen Wer die Ausstellung besuchte, der weiß, daß unser Dank auch den Künstlern gilt. Hans Sternheim. Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart An dem von der Gaststätte Bloch am 15. April veranstalteten großen Sederabend trafen sich an festlicher Tafel 180 Gemeindemitglieder, die dem schönen Vor trag der Hagada durch Oberlehrer Leo Ad 1 e r und J a c Adler lauschten. Anläßlich des Benschens kam ein namhafter Betrag für unsere Bedürftigen zusammen, so daß also dieser Sederabend einen schönen doppelten Zweck erfüllte: Religiöse Vertiefung und Wohltätigkeit Stuttgart Die Osterferienkolonie des Sport klubs „Hakoah" brachte auch dieses Jahr wieder unter der verständnisvollen Leitung von Julius Baumann vielen Kindern in unserer Gemeinde wirkliche Ferienfreude Da zogen die Kleinen tagtäglich in Gottes freie Natur hinaus — und ..Onkel Baumann*' sorgte dafür, daß ihnen die Zeit nicht lang wurde. Alle Teilnehmer danken dem Veranstalter recht herzlich! Stuttgart. Die Laienspielgruppe der Kunstgemeinschaft, die bis jetzt in der Stille unter ihrem bewährten Leiter Oberlehrer Leo Adler mit Hingabe und Freude gearbeitet hat, wird sich zum erstenmal in einer Sonderveranstaltung am Mittwoch, den 18. Mai, vorstellen. Zur Aufführung gelangen Teile aus „Jaakobs Traum" von Richard Beer-Hofmann. Darsteller sind: Lotte Adler, Hilde Fischer, Edith Goldschmidt, Kurt Bauer, Werner Friedmann. Hans Oppenheimer. Die musikalische Umrahmung wird von Kräften der Kunstgemeinschaft ausgeführt. Es ist zu hoffen, daß das Bestreben der Kunstgemeinschaft, die Jugend zu eigener Gestaltung zu befähigen, mit dieser »Veranstaltung eine weitere Bekräftigung erfahren wird. Stuttgart Wir machen auf die folgenden Veranstaltungen aufmerksam: Am 2. Mai findet wieder ein Gemütliches Beisammensein der Ortsgruppe Stuttgart des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten — diesmal in der Gaststätte Bloch — statt. — Der Berthold Auerbach-Verein hält am 4. Mai seine Ordentliche Mitgliederversammlung ab. — Die Ein Abend Kammermusik Zur 6. Abonnementsveranstaltung der Stuttgarter Jüd. Kunstgemeinschaft. Die Abonnementsveranstaltungen unserer Kunstgemeinschaft erhielten einen harmonischen Abschluß durch den Kammermusik Abend vom 13. April, der unter der Leitung von Karl Haas stand. Die erlesene Vortragsfolge begann mit der Sinfonie in F-Dur für kleines Streichorchester von Karl Stamitz (1746—1801), ein entzückendes frisches Werkchen in den drei Sätzen der italienischen Opernouvertüre, und machte dann mit der Sinfonia burlesca von Leopold Mozart für 2 Bratschen, 2 Celli, Fagott und Kontrabaß bekannt, eine eigenartige, durchweg auf eine tiefe Tonlage abgestimmte Komposition die aber, trotz der Akzente des Holzblasers, etwas monoton wirkte. Eine sehr geschmackvolle Darbietung war das Quintett in G-Dur von Franz Xaver Sterkel (1750—1817), bei dem 2 Violinen, 2 Violen und das Violoncello melodienvoll zusammenklangen. Prachtvol Iiier das Andante in seiner ruhig-feierlichen Ausgesponnenheit. Ein mitreißender Abschluß war das Sextett in D-Dur op. 110 von FeÜx Mendelssohn-Bartholdy für Klavier, Violine, 2 Violen, Violoncello und Contrabaß, bei dem unsere einheimische Pianistin Poldy Sperling Donath am Flügel wirkte. Die Interpretation dieses Werks riß die Hörerschaft zu wahren Beifallsstürmen hin. Der Komponist hat hier die Instrumente zu straffen Chören zusam mengefaßt und schafft insbesondere durch die perlenden Läufe des Klaviers im Zusam menklang mit den Streichern packendste Stimmungsmomente. — Als Ausführende des Programms waren genannt: Poldy Sperling- Donath (Klavier). Mari-Elisa Thalmessingei (Violine), Willy Colm (Violine). Karl Haa« (Viola), Oskar Kleinberg-Frankfurt a. M (Viola und Violine). Anni Rosenthal-Frankfurt a. M. (Viola). Wolfgang ßretschneider- Frankfurt a. M. (Violoncello), Gerhard Löwe (Violoncello), Dr. Fritz Rheinhold-Frankfurt a. M. (Fagott), Poldi Palm-Frankfurt a. M (Baß). Karl Haas hat es hervorragend gut verstanden, trotz eines Mindestmaßes von Proben seine Leute zu Höchstleistungen zu führen. Dafür sei ihm und den übrigen Künstlern der Dank aller Musikfreunde ausgesprochen. Staatszionistische Orga isation (Vereinigte Revisionisten Deutschlands) veranstaltet am 7. Mai einen Vortragsabend mit Dr. Kuhn (Berlin), der bereits mit starkem Erfolg in Hamburg, Berlin und München sprach. Das Thema ist: „Drei Programmpunkte des Staatszionismus in Deutschland". — In der Zionistischen Vereinigung referiert der Präsident des Israel. Oberrats, Dr. S. G u m b e 1. am 9. Mai über ..Palästina 1938 - Erfahrungtn einer Palästina-Reise". — Im Lehrhatis spricht Dr. Ludwig Feucht wanger (München) am 14. Mai über „Das Jüdische Mittelalter". Wir weisen auch auf die K u r s e des Lehrhauses hin. insbesondere auf den neuen Kurs von Ignaz Kaufmann für Walen, Zeichnen und Plakatschrift. Buchau. Am 19. April wurde Frau Sa'y Einstein zu Grabe getragen. Unerwartet traf sie am zweiten Jontefmorgen. als sie sich zum Gottesdienste rüsten wollte, ein Gehirnschlag. Die anspruchslose Frau erfreute sich der Achtung ihrer Gemeinde, was auch durch das große Trauergeleite zum Ausdruck kam. Lehrer Zodick sprach am Grabe den Nachruf. Buttenhausen. Am 12. Mai feiert Fräulein Berta Goldschmidt ihren 70. Geburtstag. Sie ist die Seniorin von sieben Geschwistern, die in treuer Anhänglichkeit verbunden sind. Der älteste Bruder der Jubilarin war der bekannte Botaniker Moritz Goldschmidt der 1916 in Geisa verstarb. Schon gleich nach der Schulentlassung mußte sich Berta Goldschmidt auf eigene Füße stellen, und sie darf als ein Vorbild des Fleißes und tätiger Nächstenliebe bezeichnet werden. Wir wünschen der rüstigen Jubilarin einen gesegneten Lebensabend. Creglingen. In der Frühe des 4. April verstarb, fast 80jährig, Oberlehrer Joseph Preßburger. Er gehörte 61 Jahre lang dem „Verein israelitischer Lehrer in Württemberg" an, 46 Jahre hiervon als Ausschußmitglied. Schriftführer, Vorsitzender und Ehrenvorsitzender. Nach kurzer Verwendung in Freudental war er von 1877 bis 1924 an der Freiwilligen Jüdischen Konfessionsschule in Creglingen als Lehrer tätig. Finer Würdigung des Entschlafenen, die uns der Israel. Lehrerverein übermittelt, entnehmen wir das Folgende: Seine ganze Kraft gehörte den Kämpfen für eine gerechte soziale und rechtliche Stellung der Lehrer. So war er jahrelang Vorsitzender des Creglinger Filialvereins, der ein Glied des Württemb. Volksschulleh-' rervereins war. Aber seine ganze Hingabe und Finsatzbereitschaft widmete er den jüdischen Lehrern in Württemberg und ganz Deutschland. 1904 trat unser Verein dem Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche bei. Preßburger gehörte von 1904 bis 1922 seinem Vorstand an. lange Jahre als dessen Schatzmeister. Besonders widmete er sich der Lehrerhilfskasse, die der Not vieler jüdischer Lehrer steuern sollte. Von 1924 bis 1930 war Preßburger auch Mitglied der Isr. Landesversammlung als Vertreter der Lehrer. — Er besaß die seltene Fähigkeit, sich seiner Aufgabe ganz hinzugeben. Aus> all seinem Tun sprach das Ganze, das Ungeminderte, sein Ich. seine Eigenart. Ein heiliger Ernst lag in ihm. Seine Stimme gewann einen feierlichen Klang, wenn er sprach. Er war eine selbständige eigenartige Persönlichkeit, die ihre Kraft aus einer reichen Innerichkeit und echten Idealen gewann. Nichts entging ihm in seinem weltfernen Creglingen. was die .ludenheit bewegte, was die Lehrerschaft berührte. Immer ist er ein Weisender, ein Lehrender gewesen, der seine Kultur und seinen Rhythmus hatte. Bis in seine letzten Lebenstage ist er uns Lehrern ein "ehrlicher Mahner geblieben, der freimütig seine Meinung sagte und so die Stimme der guten alten Zeit in eine neue Welt mit neuen, schweren Aufgaben trug. Dabei war der Grundzug seines Wesens schlichte Geradheit und Echtheit: alles Gesuchte, aller Schein, alle bloße Geltung waren ihm fremd. Auf ihn konnte man sich verlassen; er war uns allen ein treuer, selbstloser Freund. Sein ganzes Leben war ein großer Dienst. Von seinem Worte und seinem Schweigen, von seinem ganzen Sein ging eine tiefe Wirkung aus. Nicht nur wir Lehrer, unsere ganze Gemeinschaft hat einen ihrer Besten verloren. Wir werden ihm die größte Pankbarkeit bewahren und versuchen, in sei-

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