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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-04-15 · 2 (15.4.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
2 (15.4.1938)
Date
1938-04-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden In Württemberg Verlag und Redaktion: OSTERBERO 4 STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAOSANSTALT Feraepr. 23828 STUTTOART-N Kaaemenetr. 13 Bezugspreis RM. 1.13 vierteljährlich, nuflgUch Pottand ZiittcllgcbOhr PosUchecnkonto Stuttgart 38258 $ Erscheint monatlich zweimal, am 1. und 16. Bei Nichterscheinen Int. höherer Ocwalt beiteht kein Anspruch a. Nachlieferung d. Blattei oder Rückgabe dea Bexugageldea Angemeldet beim Sonderbeauftragten dea Relchamlnlatera fflr Volkaaufkllrung und Propaganda betr. Ueberwachong der geistig und kulturell tltlgen Juden Im deutschen Reichsgebiet XV. Jahrgang Stuttgart, den 15. April 1938 Nr. 2 Bewähre Dich und Du wirst leben Ein Vorspruch zum ..Fest der ungesäuerten Brote'4 5698 Seit den Tagen, in denen der Tempel und die Burg Zions zerbrachen,wartet Israel auf die Heimkehr. In der Sedernacht besonders, wenn die Türe offen steht und der Becher auf dem Ti,sch den Gast erwartet, der immer noch nicht kam, richten sich alle Augen zum Eingang und fragen, ob er nicht endlich kommen wolle, der Israel heimführen wird, heim in sein Land und Gottes Reich. In der Stunde, in der Mazza und bitteres Kraut vor uns liegen, erzählen wir einander von dem Auszug aus der Knechtschaft Mizrajims. Und wenn die vier Söhne nach den Satzungen und Bräuchen, den Wundern und den Herrlichkeiten des Festes fragen, so deuten wir zurück und meinen damit ein Voraus. Und hoffen wie in jedem Tischgebet: „Erbaue Jeruschalajim als Stätte deiner Herrlichkeit!" Drei Söhne haben die Frage gestellt, ein jeder nach seiner Art; und einer hat geschwiegen und schweigend auf die Antwort gehofft. Die da nach der Pessachordnung fragen, aus hingebungsvollem Verstehenwollen, aus selbstsüchtiger Ablehnung, aus schlichter Not des einfachen Herzens und aus dem Bangen ohne Frage her, sie wollen nicht nur wissen, was da war, sie fragen, ein jeder in seiner Art, wie es sein wird. Der Verständige, was wird er hoffen? — „Die Erlösung kommt nicht, wenn wir sie nicht verdienen. Unsere Weisen lehren, daß Maschiach ben Dawid nur über d i e Straße kommen könne, die wir selbst ihm gebaut haben. Israel muß reif geworden sein, reif für die Freiheit, reif für den Boden, der wieder ihm gehört Die Hände seiner Jugend, seiner Männer und Frauen müssen tüchtig geworden sein und willig zur harten Arbeit Sie müssen Land und Volk Israel mehr lieben als sich selbst und wieder wissen, wie es Mosche geboten hat: Gottes ist der Boden und darum Boden des Volks, G o t te s ist das Volk und darum zu einem starken, großen, mutigen Leben verpflichtet" Der Abtrünnige, wie wird er sich wehren? „Nein, ich will nicht mit euch gehen. Ich habe jahrzehntelang vermieden, zu euch gezählt zu werden, ich habe mich vor euch Beim Sedermahl Du Abend mit den sanften Sabbatlichtern, Wie milde du uns eingefangen hast: Dein Widerschein glänzt ab auf den Gesichtern. Zum Sedermahl sind wir bei dir zu Gast. Längst Liebgewohntes wird von dir erneuert. Uns schon seit früher Kindheit altvertraut: Die flachen, runden Brote, ungesäuert, Der süße Becher Wein, das bittre Kraut. Im zarten Wiegensingsang der Hagade Wird manches Wort und Gegenwort getauscht Vom Gott des Zornes und vom Gott der Gnade — Und Schmaus und Fröhlichkeit macht uns berauscht . . . Die Sterne schimmern durch den Nebelschleier Zur Erde, die im Frühlingsrausche gärt. Wie eine zweite große Pessachfeier Des Ewigen, der war und ist und währt . . . George A. Goldschlag. und vor mir selber mit Glück verborgen. Nuii lasse ich mich nicht mehr hineinzerren in eure Wege, die ich nicht verstehe und die ich nicht billige. Ihr wollt wohl erlöst werden? Wovon? Ich spüre keinen Druck. Und wenn ich ihn spüre, so habe ich immer noch die Geisteskraft und die äußeren Hilfen, daß ich diesen Druck vor mir selbst verleugnen kann. In der Nacht eures Auszugs werde ich schweigen und mich vor euch ebenso verbergen, wie ich mich in den Tagen eurer Kämpfe und eures Leidens', eurer Hoffnung und eures Opfers verborgen habe." Der Schlichte aber wird nach einer knappen Frage still an die Arbeit gehen, Werkzeuge schleifen und sein Bündel schnüren, seine Wanderschuhe antun und sich zu den Gefährten stellen, die wie er sind. Er weiß in seinem Herzen alle die Träume und alle die Gewißheiten, die der Verständige auszusprechen vermag und für ihn mit aussprechen soll. Er kämpft! Den Abtrünnigen sieht er nicht; aber wenn er einen findet, der umkehren und heimkehren möchte, so hilft er ihm einfach in die Reihe zurück. 0* steht, in der Nacht des Auszugs, wie seine Ahnen vor Mosches Zelt und begehrt die Tat zu tun, die seine und die des Volkes ist. Den Schweigenden aber, der weder eine Frage des Herzens noch der Hände hat, den suche in der Nacht des Auszugs das große Erbarmen. Denn er ist .die Waise, die Eltern nicht belehrt haben, und Gottes Namen war nicht auf seinen Lippen. Geh* d u zu ihm hin und hilf ihm die Lippen auftun, die ihm jetzt die Scham verschlossen hat, weil er keine (ilut im Herzen trägt. Aber wäre er mit in Mizrajim gewesen, er wäre mit hinausgeführt worden, anders als der Abtrünnige. Und wenn er mit aufbricht, mit seinem Volk, so wird er eines Tages nicht mehr der sein, der noch nicht zu fragen wagt, sondern ein Getroster und Tapferer, vielleicht ein Held und ein Kämpfer. Aber ganz gewiß wird er die Lieder unseres Volkes singen, nach dem Auszug aus seiner Einsamkeit Wenn die Türe in der Sedernacht sich auftut und die Schwelle leer scheint, fragen wir alle, ein jeder in seiner Art: „Wie wird es in der Nacht vor dem Auszug sein?" Und über die leere Schwelle wird die Antwort kommen: „Wie ihr selbst seid, so wird euer Auszug sein, wie ihr selbst geworden seid!" Martha Wertheimer. Die Zählung der hilfsbereiten )uden in Deutschland Eine Großaktion der Jüdischen Winterhilfe für jüdische Notstandsgebiete. Wenn auch die Jüdische Winterhilfe mit Ende des Monats März ihre Tätigkeit beendet hat so möchten wir unseren Lesern durch die Veröffentlichung des nachfolgenden Artikels doch noch einmal vor Augen führen, welch außerordentlich bedeutungsvolle Arbeit die Jüdische Winterhilfe im Interesse von vielen Tausenden von Hilfsbedürftigen in Nach Nord- und Südamerika Afrika / Palästina durch Siegfried Schwarzschild Stnttgart, K5nigstrafl« 43a. Telefon Nr. 28992

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