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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-04-01 · 1 (1.4.1938) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
1 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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XV. Nr. I Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg I. 4. 38 | Max Osterberg zum Bedenken | Am 20. März verstarb nach schweren Leiden Max Osterberg, der Begründer und Mitverleger des „Jüdischen Gemeindeblatts für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg", im 73. Lebensjahre. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der, das darf auch an dieser Stelle ausgesprochen werden, zu den besten und edelsten Persönlichkeiten unserer Gemeinde gehörte. Wer den Entschlafenen kannte, der weiß, was seine Familie, sein Verlag und alle, die ihm nahestanden, verloren haben. Von den Seinen schied der treueste Freund, der Tag und Nacht für das Wohl seiner Lieben besorgt war, der alles, was ein Gatte der Gattin nur Liebes erweisen kann, seiner Fhegefährtin erwies, der seine Kinder und sein Enkelkind mit Liebe umsorgte, der kein höheres Ziel kannte, als die in Eintracht und Frieden zusammengeschlossene Familie. Wenn es aber überhaupt ein Beispiel gibt, um das Wesen Max Osterbergs zu kennzeichnen, so ist es die Liebe, mit der er zeitlebens an seinen Eltern hing. Diese Liebe ist ein besonderes Ehrenblatt seines an schönen, aber auch an bitteren Erfahrungen gleich reichen Lebens. Er, der keinen Jahrzeittag oder sonstigen Anlaß vorbeigehen ließ, ohne an den Gräbern seiner Eltern zu weiten, war, bei aller kaufmännischen Nüchternheit und selbstsicheren Eigenwilligkeit des geistigen Arbeiters, im Grunde seines Wesens doch ein echt musischer Mensch. So setzte er auch auf den Grabstein seines Vaters, bei dem er nun auf dem Israelitischen Pragfriedhof schlummert, die Worte: Der brave Mann denkt in sich selbst zuletzt — So klang Dein Nachrut am de* Prieaten Munde. Nie hast Du alnea Menschen Hera verletzt Und mtt dem Outen wareet Du Im Bunde. Drum allen, die Dich kannten, ewig Heben. Dein Bildnis lat Ina Harz* elngeechilebeu. Dein Weib. Dein Kind nur eines aufrecht lallt: Der Trost dea Wlederecbns in einer bess'rcn Welt! Und so war es auch nur natürlich, daß das Grundprinzip seiner Persönlichkeit, die Liebe, sich auf seine Gemeinschaft erstreckte, der anzugehören er stolz, der zu dienen er* als eine Verpflichtung betrachtete. Viele wissen es, was Max Osterberg die „Chewra Kadischa", deren Rechner und 2. Vorsitzender er lange Jahre war, bedeutete. Diese Chewra war sein Verein, dem er mit Hingebung diente, dessen er auch auf schwerem Krankenlager nicht vergaß. Auch im Verwaltungsrat des Jüdischen Schwesternheims arbeitete er über ein Jahrzehnt mit der Inbrunst des hilfsbeieitea Menschen treulich mit. Darüber hinaus erfüllte er aber als Verleger und Redakteur des ..Gemeindeblatts" nahezu 14 Jahre eine wahre Gemeinschaftsaufgabe. Mit klugem Blick für das Wesentliche, mit feinem Takt und vorbildlicher Gewissenhaftigkeit widmete er sich seiner publizistisc Arbeit, immer bestrebt, die Ideale seines Lebens mit der Feder des feinsinnigen Schriftstellers und auch in so vielen Ansprachen zu verkünden. Aber das Entscheidende war bei ihm doch immer die Tat, das persönliche Eintreten für den leidenden Mitmenschen... Wenn wir sagten,-daß ein reiches, arbeitserfülltes Leben seinen Abschluß gefunden hat, so darf auch an die Wirksamkeit erinnert werden, die Max Osterberg in früheren Jahren in anderen Bezirken entwickelte. Er war u. a. der Begründer und 1. Vorsitzende des „Vereins für literarisclie Kultur, Freie Bühne"» in dem das dichterische Wort gesinnungsvoll gepflegt wurde. Die von Max Osterberg geleitete „Süddeutsche Literaturschau" war lange Zeit ein geschätztes Forum verantwortungsbewußter Buchkritik. Er, der als Romanschriftsteller und Novellist so manchen Erfolg verbuchen durfte, hat aber wohl kaum eine größere Freude über sein schöpferisches Schriftstellertum empfunden, als in dem Augenblick, da die Jüdische Universitätsbibliothek zu Jerusalem ihm im Jahre 1935 für die Uebersendung seines um die Jahrhundertwende «entstandenen Romans „Das Reich Innigsten* im T'nach die Grundlage der hebräischen Kultur erblicken. So bewahrheitet sich das Wort von Graetz, daß Gott, Volk und Land in einem mystischen Rapport zueinander stehen. — Auch die Orthodoxie hat sich auf das Feld der sozialen Kämpfe begeben: über eine Neufassung der Halacha kann schon diskutiert werden, und emsig sucht auch das gesetzestreue Judentum den Anschluß an das Volksleben zu erreichen. — Das wesentliche äußere Problem liegt in der Auseinandersetzung mit dem Arabertum. Dieses Problem ist ein p s y c h o 1 o g i - Erfüllt jüdische Pflicht: Gedenket der Armen! s c h e s. Falsch ist hier die Ansicht, die Verhandlungspartner seien auf der arabischen Seite nur Einwohner Palästinas, auf der jüdischen das ganze jüdische Volk. Auch auf der arabischen Seite steht die arabische Welt als Ganzes; mit ihr uns auseinanderzusetzen ist unsere erste Pflicht. — Die Arbeit an Erez Israel ist ein Beitrag zur Erhaltung des Judentums. Ein geistiges Band verbindet die Juden in aller Welt mit Palästina; die Diaspora wird nationalisierte wenn Erez sich spiritualisiert. — Der von hoher Warte gehaltene Vortrag wurde von den leider nicht sehr zahlreich Erschienenen mit lebhaftem Beifall entgegengenommen. Dr. Rieger dankte dem Redner. Die Beantwortung einiger aus dem Publikum gestellten Fragen beschloß den Abend. 3 däa im Jahre 6000" dankte. In diesem Werke zeichnete Max Osterberg, ohne von den politischen Bemühungen Theodor Herzls zu wissen, den künftigen Judenstaat in Palästina, in jenem Lande, dem er von Herzen zugetan war. — Mit wehen Gefühlen nahmen wir von Max Osterberg Abschied. Aber, so wie seine Familie den Geist des Entschlafenen pflegen und seine Ideale betätigen wird, so werden auch Verlag und Redaktion des „Gemeindeblatts" sich bemühen, sein Andenken durch die Tat zu ehren. Seine Gemeinschaft aber wird ihm ein treues Andenken bewahren, denn sie weiß, daß Max Osterberg einer ihrer Besten war. H. St Anläßlich des Hinscheideris Max Osterbergs wird uns von befreundeter Seite das Folgende geschrieben: Was die Näherstehenden mit banger Sorge schon länger vorausgesehen haben, ist eingetreten. Eines der geschätztesten Mitglieder unserer Gemeinde, Max Osterberg, hat die Augen für immer geschlossen. Wenn ihm auch die Erlösung von seinen langen schweren Leiden wohl zu gönnen ist, so erfüllt seine Familie und seine zahlreichen Freunde sein Heimgang doch mit unendlichem Weh und herbem Schmerz. Auch unser Gemeindeleben, dem MaxQsterberg sich auf vielen Gebieten treu- Jaehwidmete, hat einen schweren Verlust erlitten. — Als ein Mann von besonders vornehmer Gesinnung, Herzensgüte, wahrer Menschenliebe und hohem Idealismus wurde er von allen, die ihn kannten, geschätzt und verehrt. Ein gutes treues Andenken wird dem edlen Verblichenen für alle Zeiten bewahrt bleiben. L. H. Eine große Trauerversammlung nahm am 23. März von Max Osterberg Abschied. Vor den schmerzlich bewegten Anwesenden zeichnete Rabbiner Dr. Auerbach das Lebensbild des Entschlafenen mit warmen Worten. Tief ergriffen entbot Leopold Levi im Auftrag der Chewra Kadischa dem treuen Mitglied und Freund letzten Gruß und Dank. Rechtsanwalt Dr. Gunzenhausor sprach namens des Jüdischen Schwesternheims innige Abschiedsworte, und Werner Meyerstein gelobte im Auftrag der Angestellten und Mitarbeiter des „Gemeindeblatts" dem verehrten Seniorchef ein treues Gedenken. Und dann schloß sich die Erde über den sterblichen Resten Max OsteTbergs. jene Erde, die er geliebt und von der er zei^-\ lebens zu Gott geschaut hat. — „Schaffender Wille" Ein Filmbericht aus der Arbelt der Reichsvertretung Die Reichsvertretung, der Israelitische Oberrat und das Israelitische Gemeindevorsteheramt Groß-Stuttgart hatten auf den 23. März zu einem Gemeindeabend eingeladen, der der Umschichtung und der Ausbildung unserer jungen Menschen gewidmet war. Der Abend wurde durch die Kunstgemeinschaft eingeleitet, die mit Chor und Orchester das „Adon olam" von Rössi unter KarlAdlers Leitung eindrucksvoll zu Gehör brachte. Das Tenor-Solo wurde von L e o A d 1 e r, das Violin-Solo von Cläre Nußbaum bestritten. Dann begrößte Leopold Levi im Namen

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