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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-04-01 · 1 (1.4.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
15 (1938)
Issue
1 (1.4.1938)
Date
1938-04-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden In Württemberg Verlag und Redaktion: OSTERBERO * STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAGSANSTALT Fernspr. 23828 STUTTQART-N Kuerncnitr. 13 Bezugspreis RM. 1.13 vierteljährlich, zuzüglich Poftand Zualellgebflhr Postscbecnkonto Stuttgart 38258 Erscheint monitlleh zweimal, am 1. und 18. Bei Nichterscheinen Inf. höherer Gewalt betteht kein Arupruch a. Nachlieferung d. Blattes oder Rückgabe des Bezugsgeldes Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reiehsmlnlsters für Volkaaufkllrung und Propaganda betr. Ueberwachung der geistig nnd kulturell tltlgen Juden Im deutschen Reichsgebiet XV. Jahrgang Stuttgart, den 1. April 1938 Nr. 1 \ Jüdisches Galiläa — größeres Erez Israel Von Dr. Hans Capell, Berlin Wer heute die Landkarte von Erez Israel anschaut, wird auf ihr große zusammenhängende Flächen feststellen, die jüdischer Besitz sind und auf denen sich eine stattliche Anzahl jüdischer Kolonien erhebt. Ueber 200 Siedlungen zählt die jüdische Landwirtschaft Palästinas nach fünfzig Jahren ununterbrochener Mühen. Die Biluim (die ersten Chaluzim aus dem Osten, die im Jahre 1882 nach Palästina kamen) sahen den Boden in öder Verlassenheit liegen. In den Ebenen herrschte der Sumpf und all jene Krankheiten, die den Pionier in seiner Arbeitsfähigkeit schwächten und manche von ihnen unfähig machten, den Uebergang vom Städter zum Bauer und Landbewohner zu vollziehen. Wenn man heute die Geschichte der jüdischen Kolonien in Palästina überschaut, so wird man eines feststellen können, was gleichzeitig ein Ruhmesblatt der Palästina-Kolonisation ist — der Keren Kajemeth Lejisrael, das große Bodenkauf-Instrument des Palästina- Auf baus, der 400 000 Dunam Boden besitzt, hat hiervon allein 253 000 Dunam entsumpfen müssen. Wo vorher Oedland war, ist heute fruchtbares Ackerland. So sind die großen Ebenen von Erez Jisrael für die jüdische Kolonisation erschlossen worden. Emek Chefer, Emek Sebulon, Emek Jesreel, Emek Beth Schean — alles das sind heute geläufige Namen für jeden Juden. Aber wir sollten hierbei auch wissen, daß die Erschließung dieser Ebenen der jüdischen Kolonisation zur Ehre gereicht. Wir haben den Boden für unsere Kolonisation erst geschaffen. Der Araber hatte ihn öde und sumpfig gelassen. Was wir ihm entrissen haben, ist Sumpf, der das Land verpestete, und was wir dem Land gegeben haben, ist fruchtbares Ackerland, das sich für die Gesamtheit seiner Bewohner als nützlich erweist. Schon im vergangenen Jahre haben die für das Kolonisationswerk in Erez Jisrael verantwortlichen Stellen die Aufmerksamkeit der jüdischen Welt auf den Norden Palästinas gelenkt Die Hule-Konzession wurde erworben, ein neues Sumpfgebiet sollte in fruchtbares Ackerland verwandelt werden. Galiläa ist schön, Galiläa ist groß, Galiläa ist fruchtbar! Es bietet Raum für weitere 30000 landwirtschaftlich tätige jüdische Familien. Eine gewaltige Zahl, wenn man bedenkt, daß in der gegenwärtigen jüdischen Kolonisation nur 11 500 Familien landwirtschaftlich tätig sind.' Galiläa hat aber nicht nur diese ästhetische und wirtschaftliche Bedeutung. Sein Wasserreichtum und seine strategische Lage machen es zu einem Juwel für den zukünftigen jüdischen Staat. Die geschichtliche Erinnerung verbindet die Juden im reichen Maße mit diesem Gebiete. Kabbala und Schulchan Aruch haben in der heiligen Stadt Safed im Mittelalter ihre Stätte gefunden. Das Galil war lange Zeit ein Stiefkind der jüdischen Kolonisation. In ihren Anfängen zogen die ersten Pioniere in den Norden des Landes und gründeten eine Reihe von Getreidebau-Kolonien. Der Strom der lebendigen Kolonisation ist seit dem Jahre 1917 abgebrochen. Zwar haben einige Chaluzgruppen und vor allen Dingen die zukunftsfreudige und das Land bereichernde Jugend-Alijah, die in Tel Chaj, dem Ort der Erinnerung an den jüdischen Helden Josef Trumpeldor und Ajeleth Haschachar lebt, einen frischen Zug in diese überalterte und von bodenständiger Jugend entblößte Gegend gebracht. Aber der Anschluß an das neue jüdische Kolonisationswerk ist noch nicht hergestellt. Der Keren Kajemeth Lejisrael hat es sich in Zusammenarbeit mit der Ica und einer jüdisch-südafrikanischen Gesellschaft zur Aufgabe gestellt, dieses Gebiet, das an Zukunftsmöglichkeiten so reich ist und in der Gegenwart so vernachlässigt wird, für die jüdische Besiedlung zu erschließen. Das ist eine Aufgabe, die sich auf mehrere Jahre erstreckt, und zu der er in jedem Jahr, insbesondere auch jetzt wiederum zu Pessach, die Juden Wir gedachten unserer Toten Zur Gefallenengedenkfeier auf dem Israel. Pragfriedhof vom 13. März Wie in jedem Jahre hatten sich die Mitglieder der Stuttgarter Ortsgruppe des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten", die Angehörigen des JSV. „Schild" und außerordentlich viele Mitglieder unserer Gemeinde versammelt, um an dem mit schlichten Kränzen geschmückten Ehrenmal der im Weltkrieg gefallenen Söhne unserer Gemeinschaft zu gedenken. — Ein von L e o A d 1 e r geleiteter Männerchor eröffnete mit dem stimmungsvoll vorgetragenen Liede „Friede über Dein Grab" die Feier. Dann sprach der Ortsgruppenvorsitzende, Adolf Km rieh, zu Herzen gehende Worte des Gedenkens. Auf allen Schlachtfeldern des gigantischen Krieges, so führte er aus, haben unsere Brüder gestritten, geblutet und ihre Treue zur Heimat mit dem Tode besiegelt. Als leuchtende Vorbilder für uns haben sie auf ihrem Posten ausgeharrt und ihr Höchstes, ihr Leben, geopfert. Zwölftausend von uns sind im Weltkrieg gefallen, neunundneunzig allein aus den Jüdischen Gemeinden Stuttgart und Cannstatt. Ihnen unsere nie erlöschende Dankbarkeit zu bewahren, ist uns Bedürfnis und stolze Verpflichtung. Auch der Hinterbliebenen der Gefallenen gedachte der Redner, ebenso derjenigen, die ihre Treue mit einem bleibenden Schaden an ihrer Gesundheit besiegelt haben. So soll diese Feier mahnen, uns in Treue, Hingebung und Opferbereitschaft von den Da* hingegangenen nicht übertreffen zu lassen und unsere Pflicht bis zum letzten zu tun. — Das Kommando „Stillgestanden" ließ die Anwesenden zu einer feierlichen Minute des Schweigens erstarren, während der in stiller Einkehr der verewigten Kameraden und der Größe ihres Opfers gedacht wurde. — Dann wies Rabbiner Dr. Auerbach darauf hin, daß die Gefallenen sich « durch ihre Ein Gebeugter Nadl einer Bleistiftzeichnung von Siegfried Ziegler. Mündun Hingabe auch vor Gott als würdig erwiesen haben, und sprach anschließend vor der tief ergriffenen Versammlung die erschütternden Worte des Kaddischgebetes. — Die Klänge des „Liedes vom guten Kameraden" beendeten die eindrucksvolle Feier, die jeder Teilnehmer im Gefühl der Verbundenheit mit unseren gefallenen Helden gestärkt und erhoben verließ. Beim Sabbathgottesdienst vom 12. März gedachte Rabbiner Dr. Auerbach in tief empfundener Predigt der Gefallenen unserer Gemeinde. Er sprach anschließend ein „El mole rachamin" und nannte in einem Gebet die Namen der im Weltkrieg gebliebenen Gemeindemitglieder.

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