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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-03-16 · 24 (16.3.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
24 (16.3.1938)
Date
1938-03-16
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Berneindeblatt für die Israelitischen Gemeinden In Württemberg Verlag und Redaktion: OSTERBERQ & STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAOS ANSTALT Ftntpr. 23828 STUTTOART-N Kaieroerutr. 13 Bezugspreis RM. 1.13 vierteljährlich, zuiflglkh Pottand Zustellgebühr Pottschectkonto Stuttgart 36258 *> Erscheint monatlich zweimal, am 1. und 16. Bei Mchterjchelnen Int. höherer Oewill beiteht kein Arupruch Nachlieferung d. Blatt« oder Ruckgab* des Beiugigeldet Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reicheministen für Volkaaufklirung und Propaganda betr. Ueberwachung der geistig und kulturell Hilgen Juden Im deutschen Reichsgebiet XIV. Jahrgang Stuttgart, den 16. März 1938 Nr. 24 Unseren Lesern herzlichst „Gut Purim" Königin Esthers Geleit Eine Purlm-Legende von /Hartha Wertheimer Der Bote kam. Da war ihr Gemach noch voll von zarten Duften. Da standen Rosen aus den Gärten des Königs und sandten ihre sanften Farben und ihren milden, vielfältigen Wohlgeruch in die weichen Wolken des Weihrauchbeckens und in das liebliche Glänzen der reichen Schalen und zierlichen Geräte. Auf den Teppichen tanzten die Sonnenkringel, die durch das Steinmuster der Fenster kamen, und Königin Esther lächelte den seltenen Gast durch den gestickten Schleier an. Er war von ihrem Volk . . . Der Bote war gegangen . . . Da erloschen alle Farben, und alle Düfte waren wie schwere Hände, die ihr den Atem mißgönnten. Da stand das reiche Muster ihrer Fenster nur noch als Gitter, da waren Teppiche und Gewirke nur noch Gefängniswände. Der Bote war gegangen. Aber vor Königin Esther kauerte die Not der Ihren, kauerte da im grauen Sack, Asche auf den wirren Strähnen, Striemen über der beschmutzten Stirn. Not! Not! In den Häusern der Kinder Jakobs stöhnte das Warten auf die Tage des Elends und der Schande. Da riß die Königin Esther den Reif aus den Flechten, die Ringe von den Händen, die Gehänge vom Halse und lag auf den Polstern, wie ihr Volk in der Asche . . . Not! Not!. Zu der Liegenden hin schlich sich das Gespenst der Angst vor dem König. „D u sollst gehen? Ungerufen? Vor ihn treten? Das kostet dich das Leben! Wer hat je gehört, daß ein Weib ungerufen vor den König trat? Er haßt dein Volk. Und du sollst gehen? Du — damit er wieder weiß, woher du kommst? Tochter Israels, du sollst ihm von den Deinen reden? Schande wird dich treffen, Strafe trifft dich — Tod--" Da prunkte schon die andere neben ihr, hochgewachsen, von Wohlgerüchen duftend, goldgeschmückt und im gewirkten Mantel: „Wer zwingt dich denn? Wer fragt denn nach dir? Königin bist du, die Schönste, des Großherrn köstlich Verwöhnte, geliebt, umschmeichelt. Dein Volk? Du lebst zwischen den Rosen, die der König dir schickt, zwischen allem Prunk des Reichs. Du bist die Königin, für keinen Feind erreichbar. Schließe die Augen vor denen da, und niemand wird dich verletzen." Das war die Feigheit. So redet sie, wenn sie ein Herz belügen will, daß die Not der Seinen ihm fremd sei, weil sie fern ist, ferner als der eigene Reichtum, das eigene Glück, die eigene Zukunft. Vor den gespenstischen Gästen rang Esther die Hände, schluchzte heiß auf: „Ich will nicht —" jammerte ihre Schwäche. „Du sollst!" forderte die Stimme des Boten, und seine Stimme war tausendfach wie das Jammern geängsteter Menschen. Da erlosch alles, was mit Stimme und Gedanken um Esther kämpfte. Da stieg es herauf und wuchs wie Flügel, da breitete es sich aus und gewann Licht und Gewalt. Draußen aber hatte Israels Fasten begonnen. Draußen hatte Israels Beten begonnen, und die Pforten des Himmels dröhnten von dem Sturm gegen das Verhängte. Esther weinte nicht mehr. Stumm, groß und wissend stand sie zwischen Not, Angst und überwundener Feigheit; sie erkannte das Geleit, das ihr Volk ihr für den Weg zum König sandte. Die Ihren fasteten — und aus ihrer Entbehrung wuchs Esthers Stärke. Die Ihren demütigten sich in Sack und Asche — und Esthers Schmuck und Schönheit gewannen davon Glanz. Die Ihren beteten zum Gott der Väter und ihrer Kinder — und Esther King, zwischen Drohung und Erlösung, ein Bote Israels, und errang vom König, was Gott gewährte. Zur jüdischen Auswanderung Das Kuratorium des .Hilfsvereins der Juden In Deutschland*, an 'dessen Spitze M a'x M. Warburg steht, erlaßt den folgenden Aufruf an die Juden in Deutschland: Seit fünf Jahren kämpfen Juden ihren Kampf ums Dasein. In tiefster Not bat der Hilfsverein der Juden in Deutschland gemeinsam mit der Reichs Vertretung der Juden das verantwortungsvolle Amt des Sachwalters für alle die übernommen, die den Oedanken der Auswanderung nach Uebersee erwägen. Zehntausende haben in diesen Jahren Rat und Betreuung für ihre Auswanderungspläne gefunden, Hunderte suchen täglich die Beratungsstellen des Hilfsvereins auf, um sich die Kenntnisse zunutze zu machen, über die er durch seine Erkundigungen, Informationen und Erfahrungen verfügt. Zahlen sprechen Zum Licht. Olück und Frieden decken Spannkraft zu und Mut - Trübe Tage wecken. Was Im Menschen ruht . . Schlummerlose Nächte Schärfen sein Gesicht Und die dunklen Schächte Führen ihn zum Licht Heinrich Kohn gt/alltn am 26. September 1919 am besten für seinen Erfolg: Von 1933 bis jetzt hat der Hilfsverein rund 26000 unterstützte Auswanderer betreut. Darüber hinaus aber hat er den Unzähligen, die einer soR eben Unterstützung nicht bedürfen, seinen' Rat zuteil werden lassen. Er hat während des Jahres 1937 insgesamt in über 100000 Fällen Auskunft erteilt, die Auswanderungswilligen beraten und ist ihnen in jeder Weise bei ihrem Auswanderungsvorhaben behilflich gewesen. Die Leistungen des Hilfsvereins, der heute die Auswandererzentrale für die gesamte jüdische Auswanderung außerhalb Palästinas ist, dürfen in der Wanderungsgeschichte der Juden ein besonderes Blatt beanspruchen. Viel ist geleistet worden, viel mehr und Schwereres bleibt noch zu tun. Der Strom der Ratsuchenden verstärkt sich von Tag zu Tag, kaum ist <y zu bewältigen; ihnen allen' muß beratende oder tätige Hilfe zuteil werden. Jeder aber hat sich selbst und der jüdischen Gemeinschaft gegenüber die Pflicht, kein Auswanderungsvorhaben durchzuführen, bevor es nicht vom Hilfsverein begutachtet ist. Nach Nord- und Südamerika Afrika / Palästina durch ReltebUro Siegfried Schwarzschild Stuttgart, Königstraße 43a. Telefon Nr. 28992

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