Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 23 (1.3.1938)
- Date
- 1938-03-01
- Page
- Seite 212 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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212 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 3. 38 XIV. Nr. 23 trag fand im Rahmen der kulturellen Betreu ung der Landgemeinden von seiten des Ober rate-« statt. Göppingen. Die Zionistische Vereinigung hatte am 4. Februar zu einem ..Oneg Schu batlf" eingeladen. Finleitend gab Heinrich [frankfurter eine Erläuterung des ..Oneg (Schabatif. der bisher in Göppingen noch "nicht eingeführt war. Er wünschte, daß die Sser Al>end. seinem Sinne entsprechend, eine Freude und Erbauung sein möge. Nachdem einiges Ernste und Heitere vorgelesen worden war. sprach Siegfried Gold- «climidt zu dem Thema ..Zwischen Hoffnung und Sorge zur jüdischen Situation Er schilderte, wie viele ausgewanderte .Juden in ihrer neuen Wirtsländern häufig die selben Fehler machen, die sich hier so ver pängnisvoll ausgewirkt haben. Jeder Jude müsse sich dem jüdischen Volke verantwort lieh fühlen, und dieses brauche als Zentrum Palästina. Mit einem Appell zur verantwortlichen Mitarbeit und zur Einigkeit schloß der Redner seine interessanten Ausführungen Den Ausklang des \\ ohlgelungenen Abends bildete ein gemütliches Beisammensein und davS Absingen jüdischer Lieder. Göppingen. In diesen lagen jährt es si zum erstenmal, daß der langjährige Rabbiner unserer (iemeinde, Dr. Tänzer, in die Ewigkeit abberufen worden ist. Ihm zu Ehren fand am*13. Februar in der schön geschmückten Synagoge eine Weihestunde statt. Nach dem Chor ..Heilig sei der Herr" sprach Rabbiner Dr. Wallach den 121. Psalm (..Hebe Deine Augen auf") und würdigte sodann den Heimgegangenen als einen der hervorragend sten jüdischen Gelehrten und Wissenschaftler unserer Zeit. Im Anschluß hieran gab Rechtsanwalt Dr. Steiner ein Bild über das vrel" seitige. segensreiche Wirken des Entschlafe» »en im Rahmen der üöppinger Gemeinde Fast 30 Jahre lang stand die Gemeinde im Genüsse dieser Wirksamkeit, mit der sich Pr. Tänzer selbst ein dauerndes Denkmal gesetzt hat. Zum Abschluß der würdigen Feier trug der Synagogenchor den ...ligdal" vor. Es war dies immer die Lieblingsweise des Verewigten gewesen, und er. hatte sich ge wünscht, daß sie bei der Beerdigung an sei nem offenen Grabe erklingen möge. Wie ihm, vor einem Jahre dieser Wunsch erfüllt worden ist. so hörte man nun wieder diese Melodie als Ausdruck der Dankbarkeit und Verehrung. Göppingen. Am 10. Februar veranstaltete der Jüdische Kulturbund ..Merkuria" einen Lieder- und Arienabend mit Paula Lindbe r g - S a 1 o m o n . begleitet von Erna MI ein. Die prachtvolle Stimme der Sängerin ist über jedes Lob erhaben. Namentlich n den dramatischen Gesängen kam dies noch besser zum Ausdruck, als in den lyrisch abgestimmten Programmnummern. Ein Genuß eigener Art war ganz, besonders das Mozartsche ..Halleluja" und das als Zugabe vorgetragene ..Arioso" von Händel. Ks war sehr schade, dal! - vermutlich wegen des schlechten Wetters der Besu-h dieses so glänzenden Konzerts nicht gut war. Wer sich aber vom E-scheinen nicht hatte abhalten lassen, der kam in vollem Ausmaße auf seine Kosten: der herzliche Beifall bewies, welchen Dank sich die Künstlerin mit ihren wunderbaren Vorträgen errungen hatte. Dazu trug auch Erna Kleins Begleitung auf dem Helft dem jüdischen Sport! Anläßlich des am 6. März auf dem Gemeindesportplatz stattfindenden Jüdischen Groß-Sporttag s. der vom J.S.V. ..S c Ii i 1 d" Stuttgart und dem Sportklub „H a k o a h" Stuttgart bestritten wird, erlassen die genannten Vereine den folgenden Aufruf an die Gemeindemitglieder, den wir der besonderen Beachtung aller unserer Leser empfehlen. Die Red. * Die Wetterführung des jüdischen Sports ist gefährdet, wenn nicht endlich jetzt die Notwendigkeit der körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend voll erkannt und die Arbeit der beiden Stuttgarter jüdischen Sportvereine mit allen Kräften von den Gemeindemitgliedern unterstützt wird! Es ist eine der größten Aufgaben unserer Gemeinschaft, für die Ertüchtigung und die Gesundheit der Jugend Sorge tm tragen. Die Schule allein kann dies naturgemäß nicht ereichen; es ist vielmehr verantliche Aufgabe der Sportvereine, diesen Teil der Erziehungsarbeit mitzuübernehmen. Diese große Aufgabe kann aber nur dann erfolgreich gelöst werden, wenn keiner abseits steht und jeder tatkräftig mitarbeitet Wir verlangen deshalb wirklich nicht zuviel, wenn wir die Gemeindemitglieder auffordern, zu unseren sportlichen Veranstaltungen zu kommen. — Schon oft — aber leider mit nur geringem Erfolg — haben wir uns mit dieser Bitte an die jüdische Oeffentlichkeit gewandt Wir geben trotzdem die Hoffnung nicht auf und rechnen damit, daß weite Kreise der Gemeinde zu dem am 6. März auf dem Gemeindesportplatz stattfindenden Groß-Sporttag erscheinen werden. An diesem Sonntag werden 138 jüdische junge Menschen für die Erhaltung des jüdischen Sportes sich einsetzen. Jedes Gemeindemitglied muß es deshalb als eine Ehrenpflicht betrachten, sich als finanzieller Träger in den Dienst des jüdischen Sports zu stellen. Wer nicht selbst auf den Sportplatz kommt der möge trotzdem im Vorverkauf eine Karte erwerben, die er dann beliebig weitergeben kann. Für die Zukunft aber soll unserer aller Parole sein: Wir helfen dem jüdischen Sport! blügel bei. Sie ist meisterhaft auf Frau Lind vrg-Saiornon eingestellt, und so erschienen alle Werke aus einem unübertrefflichen Guß. I >er Jüdische Kulturbund „Merkuria" darf iuf diese neuerliche Darbietung mit Stolz zurückblicken. Haigerloch. Die Jüdische Kulturvereinigung •chwarzwald" veranstaltete am 16. Januar einen Kammermusikabend, der von den Stuttgarter Künstlern Lutz Harteck (Klavier), Mari-Elisa Thalmessinger (Violine). Karl Haas (Bratsche) und Gerhard Löwe (Cello) bestritten wurde. Das Konzert war ein großer Frfolg. Auch diejenigen unter den Besuchern, die der Kammermusik innerlich fremder gegenüber standen, werden von dem Programm, das der Aufnahmefähigkeit des Publikums entgegenkam, gepackt worden sein. Karl Haas gab vor jeder Darbietung erläuternde Einführungsworte. Das Zusammenspiel verdient hohes Lob und es erübrigt sich, die einzelnen Leistungen hervorzuheben. I »och kann man an einer Begabung wie der von Lutz Harteck nicht ohne besonderes Aufmerken vorübergehen. Heilbronn. Infolge Auswanderung des Vorstands der Israel. Religionsgesellschaft. >r. Strauß, wurde Eugen Metzger zum '. orstand gewählt. Heilbronn. Bezirksrabbiner Dr. Heini a n n sprach an einem Gemeindeabend über das Thema ..Das Ringen der jüdischen Seele (gezeigt an Heine, Wassermann und Mendelssohn)". Der Redner ging von der jüdischen Fähigkeit, fremde Eindrücke in sich aufzunehmen und sie weiterzubilden, aus und kam dann auf den Dualismus der jüdischen Seele zu sprechen, die den Kampf zwischen Anlage und Milieu zu bestehen hat. Durch Emanzipation und Wanderung trat eine Aufüllung mit neuem Kulturgut und eine Verdrängung alter Werte ein — ein Zustand, unter dem schöpferische Naturen besonders gelitten haben. An einer sehr feinen Lese wies der Redner diese Kluft bei den genannten Dichtern und ihre Ueberbrückung nach. Der Vortrag endete in einem Bekenntnis zur Gemeinschaft. — Der Gemeindevorsitzende. .1. F1 e g e n h e i m e r. dankte dem Redner für seinen wertvollen Vortrag. Heilbronn. Wir teilen zu der in letzter Ausgabe veröffentlichten Notiz berichtigend mit. daß Maier Stein nicht 60 sondern 5 0 Jahre aktives Mitglied des Heilbronner Synagogenchors ist. Ludwigsburg. Am 10. März darf unser Gemeindemitglied Max F I s a s an der Seite seiner Gattin und im Kreise von Kindern und Enkeln seinen 80. Geburtstag begehen. Niemand sieht dem Jubilar, der noch heute als Seniorchef der bekannten, jetzt 100jährigen Firma Elsas & Söhne früh und spät tätig ist und sogar noch Geschäftsreisen unternimmt, sein Alter an. Der kluge Rat von Max Elsas war allezeit gesucht. Wir erinnern daran, daß er auch seiner Heimatstadt als Gemeinderat gedient hat. Dabei war er ein treues Mitglied seiner Religionsgemeinde, allgemein geachtet und hochgeschätzt. Möge es ihm vergönnt sein, im nächsten Frühjahr gemeinsam mit seiner Gattin auch das Fest der Goldenen Hochzeit feiern zu dürfen. Wir entbieten dem Jubilar unsere herzlichsten Glückwünsche! Ulm. Das Vorsteheramt hat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen, zur Dekkung des Abmangels von RM 34 591.— von den Gemeindemitgliedern auf Grund der Reichseinkommensteuer 1936 und der dreifachen Vermögenssteuer 1936 wiederum eine Ortsumlage von 11.5% zu erheben. Dazu tritt wieder, auf denselben Grundlagen berechnet, eine Landesumlage von 6,5%. Die Seelenzahl des Rabbinats Ulm betrug am 3t Dezember 1937 464 (Ulm 330, Herrlingen 115, Heidenheim 18, Westernheim 1). Im 4. Quartal 1937 erfolgte ein Zugang von 2 Seelen (Geburt eines Knaben und Zuzug eines Mannes), dem ein Abgang von 31 Seelen gegenübersteht (1 Mann und 2 Frauen gestorben; 8 Männer, 12 Frauen und 8 Kindel1 weggezogen). Die Steuerziffern aus den übrigen Gemeinden des Landes sowie die dort und in den größeren jüdischen Gemeinden außerhalb Württembergs geltenden Steuersätze liegen beim Vorsitzenden des Kollegiums zur Einsichtnahme auf.