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Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg · 1938-03-01 · 23 (1.3.1938) · p. Seite 209

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
Volume
14 (1937-1938)
Issue
23 (1.3.1938)
Date
1938-03-01
Page
Seite 209 (sequence 3)
Language
German
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XIV. Nr. 23 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 1. 3. 38 209 Zu Ehren Martin Bubers Zu seinem 60. Geburtstag am 8. Februar Diese Blätter haben oft in den letzten zehn Jahren der Interpretation der Gedankenwelt Martin Bubers und seiner Bemühungen um eine Erneuerung des Judentums gedient. Die Ideen und praktischen Aufgaben, die der Religionsphilosoph, Bibelexeget und Kulturkreis- Forscher Martin Buber der Jugend und allen Aufgeschlossenen unter uns gezeigt hat, sind nicht leicht verständliches oder erbauliches ßildungsgut, sondern sollen den Leser oder Hörer aufhorchen lassen, ihm nicht Gerngehörtes und Geläufiges geben, sie sollen ihn über Fragen und Nöte des Tages hinwegführen zur anstrengenden Besinnung über sein jüdisches Sonderdasein. Kein unerbittlicherer Kritiker des jüdischen Wesens, kein unermüdlicherer Frager nach der Bewandtnis unseres Eigengutes in Vergangenheit and Gegenwart, aber auch kein glühenderer Bewunderer und Schatzbewahrer unseres wahren Geistes, unserer Ausdruckswelt in Sprache. Kult und Frömmigkeit als Martin Buber, ganz abseits von allem Hergebrachten und Konventionellen! Die letzten Jahre sah man ihn wachsen, sich vertiefen, im Lehren lernen, noch näher an die hebräische Sprache und an die Umgangssprachen der Umwelt, an die geheimnisvolle Frage des „Uebersetzens", des In.- trepretierens und Verstehens fremder Seelen und Kulturen herandringen. Werke und Schriften eigentümlichen Glanzes, oft anziehender Fremdheit liegen auf seinem Weg in den schweren Jahren seit 1933. Die Judenheit in Deutschland, vor allem die beste Jugend hat ihm. der kein Rabbiner- und kein Lehramt bekleidet, die einzige heute unter uns noch gültige Legitimation, das Vertrauen, übertragen. Hier spürte jeder bei jedem Satz, daß nichts Imvornherein-Fertiges. Glattes, Eingelerntes, Geöltes oder Rhetorisches sich ausdrücken und geben Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart Das Jüdische Lehrhaus führte als erste Sonderveranstaltung im neuen Arbeitsplan in Verbindung mit der „Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung" einen Vortragsabend über das Thema „Leben und Lernen" durch, für den Dr. Eduard Strauß, Frankfurt a. M„ als Redner gewonnen war. Nach einleitenden Worten Dr. >R i e g e r s , der auf den 60. Geburtstag Martin Bubers hinwies und dessen Mitarbeiter, Dr. Strauß, herzlich begrüßte, behandelte dieser sein Thema unter Anlehnung an die Entwicklung und die Persönlichkeit Martin Bubers, den er als den lehrenden jüdischen Menschen unserer Zeit darstellte. In drei Wellen ging die Entfaltung Bubers zu einer neuen Aufgabe vor sich: Im Hingang zu den Quellen, im Lernen und im Lehren. So zog er sich, nachdem er durch die Idee des Zionismus und durch Theodor Herzl selbst befruchtet worden war, auf fünf Jahre von jeder öffentlichen Tätigkeit zurück und beschäftigte sieb mit den Quellen des Chassidismus, der letzten Fot Archiv wollte. Auf Bubcrs Wort hören mit dem gleichen ernsten Willen, zu verstehen und danach zu handeln, alle Altersklassen, alle „Richtungen" unter uns. Der Versuch, Martin Bubers Wirken, sein erstaunlich reiches literarisches Werk, sein großes Wollen in knappen Strichen zu zeichnen, ist von Vielen unternommen worden. Diese Blätter ljaben nicht die Aufgabe, sich an diesen Versuchen, zu beteiligen. I)er 60. Geburtstag Martin Bubers. eines Mannes, dem mit Formeln und journalistischen Wendungen am wenigsten beizukommen ist. soll uns lediglich Anlaß sein, ihm unsere Verehrung und unsere Wünsche für seine neuen Pläne darzubringen, den Leser aber wieder an das reiche und tiefe Schrifttum zu erinnern, das uns gerade in den letzten fünf Jahren von einem jüdischen Forscher und echten Lehrer geboten wurde. Dr. Ludwig Feuchtwanger, München. großen Glaubensbewesung des Judentums in der Gola. In packenden Bildern setzte Dr. Strauß dem aus der Ideenwelt des Westjudentums geborenen „monologischen" Menschen Spinoza den im Osten wurzelnden „dialogischen" Menschen Baal Schern entgegen, dessen Wirken ganz auf den Begriff der Gemeinschaft und das Tragen persönlicher Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft gestellt war. Hierin lag Bubers erste Sendung, daß er, auf dem Chassidismus fußend, den Gemeinschaftsgedanken in den Mittelpu"kt stellte und damit nicht nur auf Zionisten, nicht nur auf Juden überhaupt wirkte, sondern aus dem jüdischen Geistesleben dieser Zeit nicht mehr fortzudenken ist — Seine zweite Sendung lag darin, daß er unsere heiligste Quelle neu gefaßt hat, indem er in Verbindung mit Franz Rosenzweig die Bibelübersetzung schuf. In vorbildlicher Treue ging er auch hier auf die Quellen zurück und schuf ein Werk, das seine epochale Bedeutung erst in kommenden Zeiten erweisen wird. — Seine dritte Sendung, die sich demnächst bei seinen Vorlesungen an der Universität Jerusalem zeigen wird, geht auf die Quellen „Land und Volk" zurück. Buber wird über Anthropologie, über „Thorat haadam", die Lehre vom Menschen, lesen und damit sein Lebenswerk vom Besonderen auf das Allgemeine fortschreitend, krönen. — Sein Wirken wird im übrigen nicht dadurch bezeichnet, daß er unser Wissen bereichert, sondern daß er uns im Lebensgrunde angerührt und auf den Weg geführt hat, daß er kein Lehrmeister allein, sondern ein wahrer Lebensmeister geworden ist. — Mit der Vorlesung der „Geschichte vom zerstörten Sabbat" beschloß Dr. Strauß seine Ausführungen, mit denen er seine Zuhörer so gepackt hatte, daß keine Hand mit profanem „Beifall" die Weihestimmung zu stören wagte. — Dr. G u m b e 1 gab den Gefühlen des Auditoriums mit beredten Worten abschließend Ausdruck. Stuttgart Als 2. Sonderveranstaltung des Jüdischen Lehrhauses ist am 12. März ein Vortrag von Dr. Werner Cahnmann (München) vorgesehen, der als Nichtziönist über das aktuelle Thema „Geistige Grundlagen des Palästina-Aufbaus" sprechen wird. — Die Einrichtung der verbilligten Sammelkarten hat noch nicht den ganzen Umfang der erwarteten Beteiligung erreicht. Das Lehrhaus ersucht uns, darauf hinzuweisen, daß von den auswärtigen Rednern fast ausnahmslos an den auf die Vorträge folgenden Tagen L e r n z e i t e n für die Jugend abgehalten werden. Diese so wichtige Einrichtung müßte aufhören, wenn sich für die Vorträge selbst kein größerer Kreis von Interessenten finden sollte. Der billige Preis der Sammelkarten ist wohl für jeden unserer Leser erschwinglich. Stuttgart. Die Ortsgruppe des „Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten" veranstaltete am 7. Februar im Cafe Haimann ein gemütliches Beisammensein der Kameraden, das Sehr gut besucht war. Die nächste zwanglose Zusammenkunft der Mitglieder findet am 7. März statt. Wir machen auf di§sen Abend, an dem auch Auskünfte in Sachen der Jüdischen Kriegsopferfürsorge erteilt werden, hiermit aufmerksam. Stuttgart. Mit einem vorbildlichen" Eifer setzten sich in den letzten Wochen alle K lassen der lud. Schule unter der Leitung der Lehrerschaft für die Baum-Aktion des Keren Kajemeth Lejisrael anläßlich des Chamischa assar b'schwat-Tags ein. Es war eine wirkliche Freude, zu sehen, wie die Kinder — von den Erstklässlern an wetteiferten, um ihre Markenkarte „voll zu bekommen". Ihre Mühe hat einen schönen Erfolg-gezeitigt: Die Kinder der Jüd. Schule in Stuttgart haberi einen so ansehnlichen Betrag in emsiger Kleinarbeit gesammelt, daß Im künftigen „Otto-Warburg-Hain" in Erez Israel ein Garten auf den Namen der Jüdischen Schule in Stuttgart angelegt werden kann. Stuttgart „K a r I c Ii e n" E 111 i n g e r'war wieder da! Und an zwei Abenden war der Kleine Saal des Gustav-Siegle-Hauses bis auf den letzten Platz gefüllt von Leuten, die sich" an dem Humor einer längst versunkenen Zeit und an dem feinsinnigen Plauderer auf das innigste erfreuten. Wie das Klingen einer alten Spieluhr wirkten diese geruhsamen, beschau- H~ 1. Jüdischen Lehr ha uses 12. März

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