Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 22 (16.2.1938)
- Date
- 1938-02-16
- Page
- Seite 202 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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202 Jüdisches Gemeindeblatt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg 16. 2. 38 XIV. JJr. 22 Aus den Gemeinden Württembergs Stuttgart. Am 1. Februar fand eine Plenarsitzung des Israel. Yorsteheramts statt. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung erstattete Brückel den Bericht über das Schwarzwaldheim. Der Betrieb des Heims hatte im vorigen Jahre einen lieber sebuß von etwa RM 'MIO.— ergeben. Zurzeit muß mit den Vorarbeiten iiir das laufende Jahr begonnen werden: es sind geringfügige Veränderungen zu treffen sowie einige Vorbesprechungen zu führen. Die Frage der Leitung des Heimes bedarf einer baldigen Klärung. — GoI d sc bm id t referierte über die Friedbofsabteilung. Da in den bisherigen Verträgen für Cirabpilege ein Hetrag für die Ausbesserung beschädigter Grabsteine und Umfassungen nicht enthalten war. soll für die Folge ein einmaliger Beitrag von RM 200.— bis RM 500.—. evtl. auch mehr, je nach Größe des Steines erhoben werden, damit alle Beschädigungen gleich beseitigt werden können. I);> die sofortige Benachrichtigung der Gemeindemitglieder bei Traueriällen immer noch nicht geregelt ist. wurde angeregt, den Interessenten von Fall zu Fall das gesamte \dressenmaterial der Gemeinde auf Umschlägen abgezogen gegen Zahlung der Selbstkosten zur Veriügung zu stellen. Da in iedem Einzelfall« voraussichtlich nicht das gesamte Adressenmateriul benötigt wird, eine Ausscheidung aber aus technischen Gründen unmöglich ist. wurde auch diese Losung noch nicht als ideal bezeichnet. Ein weiterer Vorsehlag ging dahin, die Traueria le drrch Aushang im (iemeindehaus und in jüdischen Gaststätten zu veröffentlichen. — In die Hinterbliebenen schlecht gepilegter Gräber wird zwecks Abhilfe herangetreten. — Leber den Ortss.hulrat berichtete Dr. Tänzer. Die Frage der Fortführung der *>. Klasse war (iegenstand einer eingehenden Beratung des Ausschusses, in dem der Schulleiter Dr. Goldschmidt sich dahin ausgebrochen hatte, daß sich die Klasse bewährt habe und dali das Lehrziel erreicht «forden sei. Ein Korreierat von Felix David hatte Aenderungen vorgeschlagen' und das Gewicht der Ausbildung aoi die Vorbereitung künftiger Auswanderung gelegt. Ein weiteres Korreterat \on Frau Lucie Le\'i hatte die Arbeit vom Gesichtspunkt der Hausfrau aus beleuchtet rnd verschiedene Verbesserungen angeregt. Es wurde beschlossen die Klasse weiterzufahren. Aus Stuttgart liegen bis jetzt 5 Meldi ngen von Mädchen \or: da aber das L=>nd noch fehlt, ist damit /u rechnen, dnll die Klasse wieder mit einer Stärke von etwa IS Mädchen durchgeführt werden kann. Es wird erwogen, die 9. Klasse auch auf die männliche Jugend auszudehnen. Lieber die Situation der zur Schulentlassung kommenden Jugend hatte Ilse Wölfl in einer Ausschuß-Sitzung referiert. Es soll daraui hingearbeitet werden, daß die Schulentlassenen sich \ on vornherein Berufen zuwenden, in denen sie für ihr weiteres Leben Möglichkeiten haben, um eine spätere Umschichtung zt vermeiden. Die Fachbearbeiterin der Reichsvertretung. Frau Levi-Zobel, wird in der nächsten Zeit einen Elternabend abhalten imd Einzelberatungen erteilen. Frau Dr. Alice Nägele-Nördlinger, die in der 9. Klasse Unterricht in Gesundheitslehre erteilt wird ^während ihrer Abwesenheit durch Dr. Kö-j nigsberger vertreten. Der Vorschlag, einige Kurse der 9. Klasse in Gemeinschaft mit dem Lehrhaus abzuhalten, wird geprüft. — Hirsch erstattete den Bericht der Fi nanzabteilung. Die Frage des Barmizwoh-L'n terrichts an bedürftige Schüler wurde neu geregelt. Die nach Genehmigung durch die Landesversammlung vom Oberrat getroffene Regelung einer Vergütung an ausscheidende Lehrer wurde auch auf die Jüdische Schule ausgedehnt. Dem Gesuch des Hausmeisters Maisch auf Pensionierung wurde mit Wirkung ab 1. 4. 1938 entsprochen. Der Verwaltungsrat der Arthur-Essinger-Stiftung mußte neu zusammengesetzt werden. Er besteht jetzt neben dem Vorsitzenden Arthur Essinger aus Hans Mayer und Singer aus dem Vorsteherkollegium sowie Eduard Weil aus der Gemeinde. Als Ersatzleute sind bestimmt: Gold- Schmidt und Leopold Marx aus dem Kollegium und Friedrich L. Kiefe aus der Gemeinde. Es wurde beschlossen, verschiedene Synagogenpiät/c. die von Auswandernden angeboten wurden, käuflich zu übernehmen. Eine Reihe ven Beiträgen wurde bewilligt: an den Keren Hajessod RM 1200.—, an den Keren Thora Waawoda RM SO.—, an die Gartenb;'uschule Ahlem RM 50.—. an die ..Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums RM SO.—. Die Maßnahmen zur Anbringung von Verdunklungseinrichtungen, die ohne Montage ca. RM 1250.— erfordern, werden beschlossen: ebenso die Aenderung des Treppenzugangs zu dem als Luftschutzrairm benötigten Keller, die etwa RM 1800.— kostet. Ebenso sollen Sitzgelegenheiten für die Schulkinder im Keller vorbereitet werden. Schließlich wurde noch über Mietsangeiegenheiten berichtet. — Leber die Kulturabte'.lung sprach Leopold Marx. Er berichtete über Bücheranschaffungen und sodann über die Kosten, die eine Verlegung der Gemeindebibliothek in die Räume des Oberrats verursachen würde. Der benötigte Gesamtbetrag beläuft sich aut ca. RM 450.—. Dieser wurde bewilligt, wobei jedoch noch zurückgestellt wurde, ob die Pibliothek nun in die Räume des Oberrats oder evtl. auch in freiwerdende Räume des Gemeindehauses überführt wird. Schließlich » urde roch über die Frage des Vertriebs jüdischer Bücher in Stuttgart gesprochen. — Carl L e v i berichtete abschließend über! ..tuendes. Eine Bewerbung um den freiw erbenden Hausmeisterposten wird geprüft. Die Steuersätze der Gemeinde wie auch die Landesemlagen sind behördlicherseits genehmigt. Pei den Festbesoldeten wird die Gemeinde von einer Erhebung durch Klassensteuer absehen und von der Möglichkeit Gebrauch machen, deren \ eranlagung nach den allgemeinen Sätzen vorzunehmen. — Das Baugesuch der Gemeinde auf Veränderungen in den bisher von der Post belegten Räume ist gerehmigt. Ein weiteres Mitglied des Kollegiums muß kooptiert werden; hierüber sind Vorbesprechungen im Gange. — Dem Antrag Leopold Marx, sich an der Sammlung für den Keren Kajemeth im Rahmen des geplanten Warburg-Waldes zu beteiligen und einen Hain zum Andenken für Dr. Emil Sander zu errichten, wird stattgegeben und hierfür ein Betrag von RM 100.— bewilligt. — Eine nichtöffentliche Sitzung schloß sich an. — Schule und Auswanderung Die 9. Klasse an der Jüdischen Schule in Stuttgart Die Notwendigkeiten des jüdischen Lebens zwingen uns, auch die Schule mehr und mehr in den Dienst der Vorbereitung auf die Auswanderung und das Eingewöhnen in fremde A'erhältnisse, Sprachen, neue Anforderungen und Existenzbedingungen zu stellen. Schon bisher hat unsere 9. Klasse dem Rechnung getragen; denn es gibt keine Tätigkeit und keine Kenntnisse, die ..auswanderungsfälliger'" wären, als hauswirtscliaftliche. Es sollen deshalb auch im neuen Schuljahr, wie bisher. 20 Wochenstunden in Kochen, Waschen. Bügeln. Haus- und Nadelarbeit gesehen werden. Der übrige Unterricht dagegen wird nicht mehr unter dem Gesichtspunkt der Allgemeinbildung, sondern lediglich und direkt unter dem der Auswanderung stehen. Es ist geplant: täglich 1 Stunde Englisch (zusammen mindestens 5), täglich 1 Stunde ..Auswanderungskunde" (zusammen mindestens 5), täglich 2 Stunden Spanisch, wahlfrei (zusammen mindestens 5). Das ergibt im ganzen 30—35 Stunden, eine Zahl, die Möglichkeit läßt zu der unbedingt notwendigen häuslichen Verarbeitung und A'orbereitung des Lehrstoffes. Für Knaben werden außer Englisch (Spanisch wahlfrei) und „Auswandtrungskunde" folgende Stunden angesetzt: Englische Zeitungslektüre, englische Kurzschrift. Buchführung. Rechnen. Deutsche Sprache. Zusammen 2.1 -2.8 Stunden. Unter ..Auswanderungskunde" ist eine Einführungin die geographischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Einwanderungsländer zu verstehen, in die weltwirtschaftlichen Fragen und Zusammenhänge überhaupt und in das geschichtlich-politische und soziale Verständnis der Gegenwart. Dr. Emil Goldschmidt Werber für das Gemeindeblalf Stuttgart. Die Jüdische Winterhilfe veranstaltet am Sonntag, den 27. Februar, im ganzen Reich eine Zählung der hilfsbereiten luden in Deutschland. Die Zählung erfolgt durch Spendenscheine der indischen Winterhilfe. Der Erlös ist für die Betreuung der Hilfsbedürftigen in den Notstandsgebieten bestimmt, also insbesondere in.Ii für tinsere 25 Notstandsgemeinden in Württemberg. Es wird auf die Beilage verwiesen [und aufgefordert, die Spendenscheine in größter Anzahl zu erwerben, um uich auf diesem Gebiet eine tatkräftige Hilfe leisten zu können. Die Scheine werden in Höhe von RM 0.50 und RM 0.25 ausgegeben; es wird erwartet, daß mindestens für sämtliche Familienmitglieder je ein Spendenschein erworben wird. Darüber hinaus sollen aber tunlichst auch Scheine für Hilfsbedürftige erworben werden, die selbst hierzu nicht in der Lage sind. — Stuttgart. ,.K a r 1 c h e n" kommt am Sonntag, den 20.. und Montag, den 21. Februar, in die Kunstgemeinschaft! Wer kennt ihn nicht, diesen geistreichen Humoristen. K a r 1 c h e n E 111 i n g e r. den Liebling von jung und alt! Er wird uns einen Abend stiller Heiterkeit und befreienden Lachens bereiten. Das reichhaltige Programm, das teilweise unbekannte Stücke enthält, wird einen großen Kreis anziehen. Aus vielfachen Anfragen geht, wie wir hören, ein der-