Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für die israelitischen Gemeinden in Württemberg
- Volume
- 14 (1937-1938)
- Issue
- 21 (1.2.1938)
- Date
- 1938-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Gemeindeblalt für die Israelitischen Gemeinden in Württemberg Verlag und Redaktion: OSTERBERO 4 STERNHEIM ISRAELITISCHE VERLAOSANSTALT Pem«pr. 23828 STUTTOART-N Kaserncnstr. 13 Bezugspreis RM. 1.13 vierteljährlich, zuzüglich Post- und Zustellgebühr Postscheckkonto Stuttgart 36258 Erscheint monatlich awelmal, am t. und 16. Bei Nichterscheinen inl. höherer Oewalt besteht kein Anspruch a. Nachlieferung d. Blattes oder Ruckgabe des Bezugsgeldes Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufkllrung und Propaganda betr. Ueberwachung der geistig und kulturell tätigen Juden Im deutschen Reichsgebiet XIV. Jahrgang Stuttgart, den 1. Februar 1938 Nr. 21 In der Stunde der Entscheidung Der Keren Hajessod ist Bürge des Palästina-Aufbaus Mehr als zu irgendeiner anderen Zeit unserer modernen Geschichte war unser Augenmerk während der letzten zwei Jahre auf unsere Politik in Palästina gerichtet. Mit banger Sorge verfolgten wir die Unruhen, unter Anspannung all unserer seelischen Kräfte sahen wir dem Berichte der Königlichen Kommission entgegen. Und als dieser Bericht erschien und das Judenproblem in seiner ganzen Breite aufrollte, wußten wir, gleichviel in welchem politischem Lager wir standen, daß von uns allen die Rede war, daß die Thesen und Vorschläge dieses Berichtes auch unser Schicksal bestimmend gestalten können. So waren auch die Tagungen in Zürich ebenso wie die darauffolgenden politischen Ereignisse Etappen gemeinsamen nationalen Schicksals. Mit der Judenheit anderer Länder teilten wir die Sorge um die Zukunft unserer nationalen Heimstätte, um Lebensrecht und Lebensraum. Bei aller Aufmerksamkeit aber, die wir dem Palästinaproblem zuwandten, dachten wir während dieser zwei Jahre in erster Reihe an die P a 1 ä s t i n a p o I i t i k und nicht an die Palästina-Wirtschaft. Hineingestellt in eine unruhige politische Welt, vergaßen wir, daß es keine gesunde Politik ohne eine gesunde Wirtschaft gibt, daß selbst politische Errungenschaften von der Pflicht nationalen Wirtschaftsaufbaus nicht befreien können, ja, daß gerade in politisch unruhigen Zeiten die nationale Wirtschaft herhalten muß, um der Politik den nötigen Rückhalt zu geben. Noch wissen wir nicht, welche Wendung die politische Entwicklung der nächsten Monate nehmen wird, ob das Palästina-Mandat erhalten oder ein jüdischer Staat in der einen oder anderen Form gegründet werden wird. Gleichviel aber wie die politische Formel lauten wird, wird sie noch viel mehr als in der Vergangenheit ausgefüllt werden müssen mit nationalen Energien und mit konstruktiver wirtschaftlicher Arbeit. Entscheidend für die weitere Zukunft bleibt die Erkenntnis, daß unsere politische Kraft von unserer kolonisatorischen Leistung abhängt, von den wirtschaftspolitischen Machtpositionen, die wir im Lande durch n a t i o n a I e s Kapital Arbeit schaffen. und national e Wie schwer die letzten zwei Jahre auch waren. — gerade in dieser unruhigen und sorgenvollen Zeit haben wir dank unseres nationalen Aufbauwillens Leistungen vollbracht, die Erez Jisrael ein neues Gepräge gegeben haben. Trotz allen Versagens der englischen Regierung ist es den Arabern nicht gelungen die jüdische Bevölkerung Palästinas einzuschüchtern, die jüdische Arbeit lahmzulegen Keine einzige Position wurde aufgegeben, keine einzige Stellung verlassen. Ja, unter dem Drucke arabischen Terrors und politischen Zwanges ging der Jischuw zu einer n ationalen Offensive auf verschiedensten wirtschaftlichen Gebieten über und eroberte Positionen, um die er jahrelang vergebens gerungen hatte. Diese konstruktive Leistung — nationale Arbeit im besten und vornehmsten Sinne dieses Wortes — war nur möglich dank den Mitteln, die das nationale Kapital dem Jischuw in diesen schweren Jahren zur Verfügung gestellt hat. In einer Zeit, in der private Initiative naturgemäß versagte, hat der Keren Hajessod in Erfüllung seiner nationalen Funktion das wirtschaftliche und im Endeffekt auch das politische Durchhalten ermöglicht. In welchem Maße der Keren Hajessod berufen ist, als staatlicher Aufbaufonds Schrittmacher und Gestalter unserer politischen Zukunft in Palästina zu werden, sehen wir am eindrucksvollsten an den Nekudoth Chadaschot, den Neuen Punkten, die in diesem Jahre im Osten Palästinas entstanden sind. Um die Böden des Keren Kajemeth zwischen Beth Schan und dem Süden des Tiberias-Sees zu sichern, zogen junge Juden in ein von Arabern bedrohtes Neuland und schufen neunzehn Stützpunkte für jüdische Kolonisation. Unter schwersten Bedingungen setzten sie die Tradition jener Pioniere fort, die bereits vor Jahrzehnten Täler erobert und Böden erschlossen haben, die nunmehr das kolonisatorische Rückgrat des jüdischen Palästina bilden. Diu .luden aus Deutschland und aus anderen Ländern, die in der Ebene von. Beth Schau neuen Boden für die kommende jüdische Einwanderung erobern, leisten Pionierdienste nicht nur für die. die folgen werden, sondern auch für all die Juden «i der Welt, denen Erez Jisrael geistig und nationale Heimat werden wird. Unsere Pflicht und Aufgabe ist es, dieser Avantgarde des jüdischen Volkes schnelle und vy i r k s a in e Hilfe zu leisten. In entscheidender Stunde wird das Werk dieser Menschen das stärkste Argument jüdischer Politik in Palästina sein. Michael I raub. FVäsidialausschuß und Rat der Reichsvertretung haben folgende Erklärung beschlossen: „Die Reichsvertretung der Juden in Deutschland hat in Zusammenarbeit mit den jüdischen Landesverbänden, Gemeinden und Organisationen sich bemüht, den Raum, der den Juden in Deutschland geblieben ist, mit Sinn und Inhalt zu erfüllen. In ihren Maßnahmen durfte sie sich auf die Zustimmung und Mitwirkung des weitaus größten Teils der Judenheit in Deutschland stützen. So hat sie den geschichtlichen, oft so schwierigen L in - Wandlungsprozeß auf fast allen Gebieten des jüdischen Lebens maßgebend beeinflußt. Seit Jahren steht die Auswanderung, die Schaffung von Einrichtungen, die ihr und ihrer Vorbereitung mittelbar oder unmittelbar dienen, im Vordergrund des Sorgens und Handelns der Reichsvertretung. An die Stelle der unruhigen und ziellosen Auswanderung wurde mehr und mehr das Prinzip der Ordnung und Planung gesetzt. Die Reichsvertretung sieht es als ihre Pflicht an, auch dem Verlangen nach Beschleunigung der Auswanderung Rechnung zu tragen. Sie sieht sich aber genötigt, vor übertriebenen Erwartungen zu Palästina - Reisen 20% Ermäßigung Reisebüro Hinfahrt vom 16. 2. bis 9. 4. 38 Rückfahrt vom 23. 3. bis 5. 5. 38 (50% Ermäßigung auf ital. Bahnen) Stuttgart, Köniestraße 43a, Telefon Nr. 28992 Siegfried Schwarzschild